In Lenggries

Dieses Hotel steht seit Monaten leer - warum will hier niemand Wirt werden?

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Ob es im Erdgeschoss der „Post“ künftig eine Gastronomie geben wird, ist derzeit etwas fraglich. 

Das war wohl nichts: Bei der Gemeinde Lenggries hat sich kein einziger Interessent gemeldet, der eine große Gastronomie im ehemaligen Post-Hotel übernehmen würde. 

Lenggries– Die Gemeinde Lenggries hat das alte Post-Hotel an der Marktstraße vor einigen Jahren gekauft. Während in den oberen Stockwerken ein Mehrzwecksaal, Büros und Wohnungen entstehen sollen, will die Gemeinde im Parterre die einstige Gastwirtschaft samt großem Biergarten reaktivieren. Um herauszufinden, wer Wirt werden möchte, hatte die Verwaltung ein Interessensbekundungsverfahren ausgeschrieben. Zwischen Ende März und Mitte Mai hätten sich potenzielle Interessierte melden können. „Außerdem haben wir 25 Brauereien und drei größere Gastronomiebetriebe angeschrieben“, berichtete Bauamtsleiter Anton Bammer am Montag in der Gemeinderatssitzung. Dazu erfolgten Veröffentlichungen online, in Zeitungen und Fachblättern.

Sehr hohe Investitionen wären nötig

„Die Rückmeldungen hielten sich in einem sehr überschaubaren Maß“, sagte Bammer. Und selbst das ist noch eine Übertreibung: Nur wenige Brauereien meldeten sich zurück. „Keine hat Interesse an einer Anpachtung oder Ausstattung des Objekts.“ Zu den beiden angebotenen Besichtigungsterminen kam überhaupt nur zum ersten ein einziger Brauerei-Vertreter. „Dieser hält es für sehr schwierig, einen geeigneten Gastronomen unter den gegebenen Rahmenbedingungen oder auch überhaupt zu finden, da die erforderlichen Investitionen sehr hoch sind und auch im Allgemeinen immer schwerer Wirte für eine Gastronomie dieser Größenordnung zu finden seien“, berichtete Bammer von den Treffen. Die geschätzt sechsstelligen Investitionen, um die Wirtschaft und die Küche auszustatten, werde man wohl nie wieder hereinbekommen, hatte der Brauerei-Vertreter gemutmaßt. „Er würde empfehlen, anstatt Gastronomie im Erdgeschoss lieber Gewerberäume, Ladengeschäfte, Büros, Kanzleien oder ähnliches einzurichten.“ Gegebenenfalls sei aus seiner Sicht auch denkbar, anstatt einer großen Gastronomie eventuell in einem Teilbereich ein Tagescafé, eine Weinstube oder ein Bistro einzurichten.

Lesen Sie auch: Sanierung und Umbau der Lenggrieser „Post“: Kosten reduziert

Für diese kleinere Gastronomie liegt der Gemeinde auch tatsächlich eine Anfrage vor. CSU-Gemeinderätin Christine Rinner – sie ist gelernte Köchin – hat ein Konzept für eine Wirtschaft mit maximal 60 Plätzen vorgelegt.

Eine große Gastro-Lösung könnte übrigens nicht nur am fehlenden Interesse scheitern. Auch die Immissionsschutzbehörde im Landratsamt hat Bedenken angemeldet. Mit Blick auf den zu erwartenden nächtlichen Verkehr, wenn die Gäste mit dem Auto nach Hause fahren, müssten an den Stellplätzen „Abschirmwände zur Stefan-Glonner- und zur Johann-Probst-Straße hin errichtet werden“, so Bammer. Mit Blick auf all diese Probleme, rät die Verwaltung dringend von einer großen Gastronomie ab.

Nutzer für Büros gesucht

Ob es denn beim Biergarten auch Lärmschutzbedenken gebe, wollte FW-Fraktionschef Günter Haubner wissen. Der sei schließlich bestimmt auch für eine kleine Gastronomie wichtig. „Der ist kein Problem“, sagte Bürgermeister Werner Weindl. Hier regle ja die Biergartenverordnung, bis wann abends draußen gesessen werden darf.

Da man bei der künftigen Nutzung des Erdgeschosses nun nichts übers Knie brechen will, wird sich die Arbeitsgruppe „Post“ erst einmal mit dem Thema befassen. Praxen, Kanzleien, Büros oder auch eine Kinderbetreuungseinrichtung – angedacht war mal ein Hort – wären denkbar. Bei Ladengeschäften sieht Bauamtsleiter Bammer das Problem, dass wegen des Denkmalschutzes keine großen Schaufenster eingebaut werden dürfen.

Generell gebe es hier keinen Zeitruck, betonte Rathauschef Werner Weindl. „Wir können das Erdgeschoss auch von der restlichen Entwicklung entkoppeln. Ob da der eine oder andere Raum etwas länger leer steht, wäre mir jetzt egal.“ Zumal es für das zweite Obergeschoss, wo Büros und/oder Praxen entstehen sollen, bereits einige Anfragen gibt. Hier will die Gemeinde – so der Beschluss des Rats – nun ganz konkret nach künftigen Nutzern suchen.

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