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Prächtige alte Hecke soll für Gehweg weichen - Anwohner empört

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Von: Andreas Höger

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Nach 75 Jahren droht das Ende: Monika Weber und ihr Sohn Vincent bangen um die hohe Fichtenhecke ihres Anwesens, die den sieben Meter breiten Ausbau der Spitzwegstraße (davon zwei Meter Gehweg) nicht überleben würde. Auf ihren Vorschlag, eine weniger breite Spielstraße auszuweisen, lässt sich die Gemeinde nicht ein.
Nach 75 Jahren droht das Ende: Monika Weber und ihr Sohn Vincent bangen um die hohe Fichtenhecke ihres Anwesens, die den sieben Meter breiten Ausbau der Spitzwegstraße (davon zwei Meter Gehweg) nicht überleben würde. © thomas Plettenberg

Seit 75 Jahren wächst am Ortsrand von Holzkirchen eine Fichtenhecke. Für eine neue Bauzeile plant die Gemeinde dort nun einen Gehweg. Die Hecke würde das kaum überleben. Die Besitzerfamilie ist empört.

Holzkirchen – Vincent Weber hat einen berühmten Uropa: Andreas Mitterfellner (1912- 1972) war ein Landschaftsmaler, nach dem Krieg hatte er sich ein Haus samt Atelier an der Roggersdorfer Straße gebaut. Anno 1947 ließ der Künstler am Südrand eine 100 Meter lange Fichtenhecke pflanzen, die das Grundstück mittlerweile undurchdringlich abschirmt. Allerdings wohl nicht mehr lange: Vincent und seine Mutter Monika Weber fürchten, dass ein von der Gemeinde geplanter Straßenbau der Hecke den Garaus macht.

Es geht um die Verlängerung (250 Meter) und den Ausbau der Spitzwegstraße –eine Anliegerstraße, die von der Andreas-Mitterfellner-Straße abzweigt – die Gemeinde ehrte damit vor Jahren dessen Andenken – und sich zur Flinspachstraße hinabzieht. Der Lückenschluss dient als Zuwegung für drei Bauplätze.

Fichtenhecke soll wegen geplantem Gehweg weichen - Besitzer mit Lösungsvorschlag

Weil die Gemeinde nicht nur auf eine fünf Meter breite Straße, sondern zusätzlich auf zwei Meter Gehweg besteht, wird es eng für die benachbarte Hecke. „Die Hecke wurde regelmäßig geschnitten“, sagt Vincent Weber, „im Lauf der Jahre ist sie aber 80 Zentimeter über die Grundstücksgrenze auf öffentlichen Grund gewachsen.“

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Die Stämme selber, so betont der Holzkirchner, stehen zwar auf Privatgrund. Doch bestehe das Rathaus auf den Bürgersteig, müssten die Fichten samt Wurzeln straßenseitig zurückgenommen werden. „Die Seite wäre damit abgestorben“, glaubt Weber. Fachleute würden davon ausgehen, dass die flach wurzelnden Fichten den Eingriff nicht überleben.

So eine prächtige, alte Hecke mit einer Länge von über 100 und einer Höhe von vier bis vereinzelt sieben Metern sei einmalig in der Region, glaubt Weber. Ihr Überhang sei seit Generationen nicht beanstandet worden. Die Fichtenreihe könne erhalten bleiben, ist sich Weber sicher, wenn die Gemeinde auf den Gehweg verzichte und stattdessen eine weniger breite Spielstraße ausweise. „Das wäre auch ruhiger.“ Doch leider gehe das Rathaus auf diese Sorgen nicht ein und riskiere lieber den Verlust „komplett intakter Natur“.

Ärger um Fichtenhecke: Gemeinde bietet Familien Neupflanzung an

Die Gemeinde sei sehr wohl gesprächsbereit, sagt Bürgermeister Christoph Schmid. Nach Rücksprache mit der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt habe man der Familie angeboten, die Neupflanzung einer „artenreichen Buchenhecke“ mitzufinanzieren. Darauf lassen sich die Webers aber nicht ein. „Das würde viele Jahre brauchen, bis die so hoch wie unsere Fichtenhecke wäre“, sagt Vincent Weber, „zudem ist sie im Winter nicht blickdicht.“

Die Gemeinde ihrerseits rückt vom Bürgersteig nicht ab. „Das ist öffentlicher Grund und es gibt dafür einen einstimmigen Beschluss des Gemeinderats“, stellt Schmid klar, der einräumt, „dass die Hecke den Straßenbau wohl nicht überstehen wird“.

Im Herbst sollen die Arbeiten beginnen. Die Webers hoffen, dass die Gemeinde bis dahin doch noch auf die Spielstraße einschwenkt. „Wir wissen, dass der Vorschlag zur Debatte stand“, sagt Vincent Weber. Um sein Anliegen zu stützen, hat er Unterschriften gesammelt. „140 Holzkirchner haben sich schon eingetragen.“

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