Betrieb gibt es seit dem Mittelalter

Traurige Nachricht: Beliebter Traditionsbäcker hört auf

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Viel hat sich nicht geändert: Hans Pest holt die frisch gebackenen Brezen aus dem Ofen. 

Das Backen war diesem Mann quasi in die Wiege gelegt. Seinen Betrieb kannte jeder in Indersdorf. Doch jetzt geht er in Ruhestand. Die Bäckerei Kornprobst übernimmt.

Indersdorf – Saftig und würzig sollen sie sein und der Teig darf nicht über die Oblaten hinaus laufen: Wie man solche Elisenlebkuchen herstellt, ist ein Geheimnis, das Hans Pest (67) seit vielen Jahren hütet. „Es ist ein Geheimrezept, das ich immer weiter verfeinert habe“, erzählt er. „Es ist sicher verwahrt in einem Tresor in der Bank.“ Die Lebkuchen waren eines der Markenzeichen der Klosterbäckerei Pest. Seit Generationen war der Laden in Familienbesitz. Jetzt geben Hans Pest und seine Frau Renate (65) das Geschäft auf, am Faschingssamstag ist ihr letzter Tag. Die Töchter wollten die Bäckerei nicht übernehmen.

Die Pests freuen sich auf ihren wohlverdienten Ruhestand. Nachdem vergangenes Jahr zwei Gesellen gekündigt hatten, ist die Entscheidung schnell gefallen. „Die Arbeit war nicht mehr zu schaffen“, sagt Hans Pest. Gelegen kam außerdem, dass die Bäckerei Kornprobst Interesse an einer Übernahme zeigte. Ab März wird sie den Laden weiterführen, die Angestellten können bleiben. „Wir sind erleichtert darüber, dass es mit einem Traditionsbäcker weitergeht“, sagt Pest.

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Klosterbäckerei hat in Indersdorf lange Tradition

Denn die Klosterbäckerei Pest hat eine lange Geschichte. Sie besteht seit der Klostergründung im Jahr 1126, zum ersten Mal urkundlich erwähnt wurde sie 1493. Damals gab es immer am Allerseelentag zwei Brezen für alle Armen, die an der Klosterpforte klingelten. 1803 ersteigerte Josef Esterhammer das Gebäude vom Kloster. Dessen Nachfahre Eduard Esterhammer heiratete 1900 Katharina Schneider – die Großmutter von Hans Pest. Eduard Esterhammer starb jedoch bereits ein Jahr nach der Hochzeit. Seine Witwe Katharina heiratete kurz darauf erneut, dieses Mal Josef Pest, den Bäckermeister vom Marktplatz. Gemeinsam übernahmen die beiden die Klosterbäckerei und die dazugehörige Mühle.

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Ein großer Trubel herrschte früher in dem Gebäude. Auch Hans Pest, geboren im Jahr 1951, kann sich noch daran erinnern. „Die ganze Großfamilie lebte dort“, erzählt er. Seine Eltern, seine Schwestern, seine Großmutter, sein Onkel, seine Tante, Bedienstete, Bäcker und Müller teilten sich das Haus. „Es war immer etwas los“, sagt Hans Pest. Als er ein kleiner Bub war, sind die Bauern noch mit dem Pferdefuhrwerk zur Mühle gekommen. „Sie haben das Getreide gebracht und als Brot wieder abgeholt“, erzählt er. Die Mühle hat die Familie 1956 aufgegeben.

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Indersdorf: Hans Pest übernahm Bäckerei 1981

Die Bäckerei führte bis 1981 Johann Pest, dann übernahm sie Hans Pest. „Ich bin quasi in den Beruf hineingerutscht“, sagt er. „Und wenn ich etwas mache, dann richtig.“ Vieles hat sich seit seinen ersten Jahren verändert: Vollkornprodukte gab es damals noch fast keine, der Brotverbrauch war größer. „Dafür ist die Nachfrage nach Gebäck, Kuchen und Plunderteilchen sehr gestiegen“, berichtet Pest. Unzählige Schüler der benachbarten Realschule haben bei ihm in der Pause die Brotzeit oder seine berühmten Nussecken gekauft. „Manche sind auch Jahre später deswegen extra wieder in den Laden gekommen“, erzählt Pest.

Traditionelles Handwerk an traditioneller Stätte. Bäckermeister Josef Kreitmair im Jahr 1967 beim Brot backen in der Klosterbäckerei.

Auf eines legte er immer besonders viel Wert: „Uns war es wichtig, Spitzenqualität mit besten Rezepten und Zutaten zu liefern“, sagt er. „Bei uns ist alles hausgemacht, aber es sollte besser schmecken, als man es zu Hause hinbekommt.“ Umso stolzer waren die Pests, als sie 2017 von der Zeitschrift Feinschmecker als eine der besten Bäckereien Deutschlands ausgezeichnet wurden. Jetzt ist trotzdem Schluss: „Es ist einfach Zeit“, sagt Hans Pest.

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Indersdorfs Bäcker Pest: „Normaler Rhythmus ist auch mal schön“

Er freut sich schon darauf, bald nicht mehr jede Nacht um ein Uhr aufstehen zu müssen. „Ich kann zwar zum Glück immer schlafen, wenn ich etwas Zeit habe“, sagt er. „Aber ein normaler Rhythmus ist auch mal schön.“ Seine Frau Renate würde außerdem gerne mehr reisen, „zum Beispiel an die Nord- oder Ostsee“, sagt sie. Radl fahren, Angeln und Billardspielen sind weitere Hobby, die Hans Pest jetzt wieder mehr pflegen will. Die Backschürze will er trotzdem auch nach seinem letzten Tag am Faschingssamstag noch nicht ganz an den Nagel hängen: „Die Elisenlebkuchen mache ich in der Vorweihnachtszeit weiter“, verspricht er.

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