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Zwei Nikoläuse berichten von ihren Kindergarteneinsätzen: „Papa, der Nikolaus kennt dich!“

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Umziehen am Einsatzort: Gerhard Wagner schlüpft immer erst kurz vor seinem Auftritt ins Nikolaus-Outfit.
Umziehen am Einsatzort: Gerhard Wagner schlüpft immer erst kurz vor seinem Auftritt ins Nikolaus-Outfit.  © Höltl

Die Indersdorfer Paul Böller (62) und Gerhard Wagner (62) verzaubern als Nikoläuse seit knapp 50 Jahren um den 5. und 6. Dezember herum Kindergarten- und Schulkinder. Viele tausend Kinderaugen haben sie zum Leuchten gebracht und hunderte frisch geputzter Stiefel mit ihren Gaben gefüllt.

Indersdorf ‒ Anlässlich ihres Jubiläums erinnern sie sich an Erlebnisse und Begegnungen, die mal heiter und lustig waren und manches Mal auch nachdenklich machten.

Nikoläuse berichten von Kindergarteneinsätzen: „Du bist viel schöner als der am Vormittag“

Für die Kindergarteneinsätze nehmen sich Paul Böller und Gerhard Wagner jedes Jahr Urlaub, da sie die Gruppen ja schon am Vormittag besuchen. „Einmal war ich abends bei einem Kind zu Hause, bei dem ich auch schon am Vormittag im Kindergarten war“, erzählt Gerhard Wagner. Bei der Verabschiedung am Abend sagte das Kind: „Du bist viel schöner als der von heute morgen.“ Oder der Besuch in einem katholischen Kindergarten, als die Kinder von einem „Stern des Südens“ – die Hymne des FC Bayern – sangen. Und einem seiner Söhne richtete der Nikolaus einmal einen „schönen Gruß an den Papa“ aus – und abends wurde begeistert berichtet: „Papa, stell dir vor, der Nikolaus kennt dich!“

Selbstverständlich sind die beiden Nikoläuse niemals gemeinsam unterwegs. Paul Böller wird all die Jahre immer nur von seinen Engerln begleitet, während Gerhard Wagner eher den Krampus im Schlepptau hat. Nie mussten Kinder weinen, wenn sie kamen – „die Kinder sollen keine Angst bekommen“, sind sich die beiden Nikoläuse einig. Sie wissen sich ihre Faszination zu bewahren. Am wichtigsten ist es, „diese wunderschöne Tradition am Leben zu erhalten“.

Bereit für den nächsten Besuch bei staunenden Kindern: Paul Böller (l.) und Gerhard Wagner mit Bart, Gewand, Mitra und Bischofsstab.
Bereit für den nächsten Besuch bei staunenden Kindern: Paul Böller (l.) und Gerhard Wagner mit Bart, Gewand, Mitra und Bischofsstab. © Höltl

„Ich bin ein bayerischer Nikolaus und somit nix für die Preißn!“

Paul Böller hat mittlerweile seinen Sohn Johannes für dieses Amt begeistern können – so wie er damals, Anfang der 70er-Jahre von seinem Cousin Charly Böller angesprochen wurde, ob er den Nikolaus spielen will. Fast zeitgleich stellte sich Gerhard Wagner zur Verfügung, der von seinen Vereinskollegen vom TSV Indersdorf, Sepp Böck und Erich Langheinrich, am Stammtisch diese ehrenvolle Aufgabe übertragen bekam. Die Einsatzgebiete erstrecken sich weit über die Grenzen der Marktgemeinde hinaus: von Machtenstein über den Petersberg nach Giebing und bis nach Fränking. Sogar aus Berlin wurde Gerhard Wagner schon mal angefordert – „aber ich bin ein bayerischer Nikolaus und somit nix für die Preißn!“

Seinen bayerischen Dialekt mag nicht jeder verstehen, aber das ist auch zweitrangig. Wichtig ist und war immer, dass der Nikolaus kommt. So wie vor vielen Jahren, als der Krieg in Jugoslawien ausgebrochen war und der Nikolaus an die Flüchtlingskinder Kuscheltiere verteilte – „das war einer der ganz besonderen Momente“, berichtete Gerhard Wagner. Es sind diese leuchtenden Kinderaugen, die ihn und seinen Nikolaus-Kollegen Paul Böller immer wieder faszinieren.

Ein Hausbesuch aus früheren Jahren mit Gerhard Wagner als heiliger Nikolaus.
Ein Hausbesuch aus früheren Jahren mit Gerhard Wagner als heiliger Nikolaus. © Privat

Nikoläuse sind nicht vor Schlechtwettereinflüssen gefeit. Um die 30 Jahre ist es her, als die Temperaturen Anfang Dezember noch Minusgrade anzeigten und oftmals viel Schnee die Adventszeit begleitete. Damals waren auf dem Weg zum nächsten Einsatzort in Straßbach solche Schneeverwehungen, „dass ich mit meinem Auto ins Rutschen kam und ich mich am Ende im Schneehaufen wiederfand“, erzählt Gerhard Wagner. Oder als es so glatt auf einem Parkplatz in Karpfhofen war, dass er sich nach dem Aussteigen der Länge nach auf dem Boden niederlegte.

Auch am heutigen Nikolaustag sind die beiden wieder unterwegs und bringen Kinderaugen zum Leuchten. Bis zu acht Familien besuchen sie. Und trifft man sie mal draußen auf der Straße auf dem Weg zum nächsten Einsatz: Es findet sich immer eine Kleinigkeit in ihrem Sack. Roswitha Höltl

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