Schwerer Schlag

Nach 49 Jahren: Bitteres Aus für Familienunternehmen - Volksfest bekommt neuen Wirt

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Gehen getrennte Wege: Volksfest-Veranstalter Josef Schuster (l.) und Michaela Kemper (r.), Geschäftsführerin der Lanzl Gastronomie GmbH, dazwischen Kapplerbräu-Chef Willi Wiedemann. 

Zum ersten Mal seit 49 Jahren wird es 2019 am Indersdorfer Volksfest einen neuen Festwirt geben. Für die Familie Lanzl ein schwerer Schlag. Sie bewirtete bisher immer das große Zelt.

Indersdorf – Trennungen. Meist eine traurige Sache. Gerade, wenn es eigentlich keinen gibt, der Schuld daran trägt. Je länger die Beziehung, umso härter der Schmerz. Im Privaten wie im Geschäftsleben. Der Veranstalter des Indersdorfer Volksfestes Josef Schuster will kommendes Jahr mit einem neuen Festwirt zusammenarbeiten. Aber nicht, weil die bisherige Festwirtsfamilie „etwas falsch gemacht“ hätte, so Schuster. Sondern: Weil es „mal etwas Neues braucht“. Für die Lanzls, die seit 49 Jahren Festwirte auf dem Indersdorfer Volksfest waren, war diese Nachricht am vergangenen Freitag ein totaler Schock.

Michaela Kemper, Geschäftsführerin der Lanzl Gastronomie GmbH, ist sehr traurig über diese Entscheidung. Sie hätte gerne kommendes Jahr das 50-jährige Jubiläum ihres Familienbetriebs in Indersdorf gefeiert. „Herr Schuster hat mich mit seinem Anruf kalt erwischt. Ich war total geschockt, hab’ die ganze Nacht nicht geschlafen.“ Emotional und wirtschaftlich ist diese Entscheidung eine harte. Kemper hatte bereits die Bands gebucht, ihren Arbeitern für den Zeltaufbau Bescheid gesagt und das Weißbierkarussell erneut gemietet. Verträge mit Schuster gab es keine. Nur mündliche Absprachen.

Schuster: „Persönlich tut es mir auch leid“

Josef Schuster, der seit 14 Jahren das Indersdorfer Volksfest veranstaltet, steht hinter seiner Entscheidung – auch wenn sie ihm sehr schwer fiel. „So was entscheidet man nicht von heute auf morgen. Gerade, wenn man so lange gut zusammenarbeitet. Persönlich tut es mir auch leid“, betont er. Aber das sei keine persönliche Entscheidung, sondern eine professionelle. „Und das bin ich den Indersdorfern als Veranstalter schuldig. Nicht mehr und nicht weniger. Ich will das Fest immer verbessern. Dafür muss man etwas tun und darf sich nicht auf Gegebenheiten ausruhen.“ Und für das Fest, das sich Schuster künftig vorstellt, brauche es einfach einen neuen Wirt. „Nicht, weil das, was vorher war, schlecht war, sondern, weil ich Dinge ständig optimieren will. Das ist mein Anspruch.“

Um dafür den für sich perfekten Wirt zu finden, war Josef Schuster viel unterwegs, testete viel aus. Am Ende fand er jetzt mit dem 30-jährigen Franz Widmann junior aus Landshut einen Partner, „bei dem alles gepasst hat“. „Mit ihm kann ich künftig umsetzen, was ich mir für Indersdorf wünsche.“ Finanzielles habe bei der Entscheidung nie eine Rolle gespielt, betont er. Auch wenn vieles neu im Festzelt sein wird, eines bleibt gleich: Für das Bier wird weiterhin die Brauerei Kapplerbräu aus Altomünster sorgen.

Neuer Wind fürs Volksfest?

Michaela Kemper wird das Indersdorfer Volksfest sehr vermissen. Indersdorf sei immer ein besonderes Fest für die Familie gewesen. Viel persönlicher als Feste in großen Städten. Hier war sie schon auf Hochzeiten und Geburtstagen eingeladen, „viele Menschen sind mir an Herz gewachen, die ich so jetzt nicht mehr sehe“, sagt sie traurig.

Schuster freut sich auf den neuen Festwirt und den frischen Wind, der mit ihm kommt – auch wenn sich „am Anfang die automatischen Abläufe natürlich erstmal einspielen müssen. Er muss die Indersdorfer ja erstmal kennenlernen“.

Für Schuster ist es wichtig, sich im Guten zu trennen: Die Lanzls seien gute Festwirte und werden in Indersdorf immer gern gesehen sein. Auch, wenn er Ehrfurcht vor der langen Zeit habe, in der die Lanzls hier vertreten waren – Indersdorf sei aber eine Ausnahme. Woanders sei es normal, dass der Festwirt öfter wechsle. Für Bürgermeister Franz Obesser ist ohnehin das „Wichtigste, „dass das Volkfest weitergeht. Er habe „vollstes Vertrauen“ in Josef Schusters Entscheidungen.

Für die Indersdorfer hat Michaela Kemper in Zukunft einen Wunsch: Egal wer Festwirt sein wird, egal wer Veranstalter sein wird: „Sie sollen ein schönes Fest haben!“

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