Bahn nach Rodelunfall verklagt

Prozess gestartet: Ines B. fuhr am Wallberg Schlitten - und sitzt im Rollstuhl

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Der Tag hatte so gut angefangen für Ines B. (rechts vor dem Unfall). Heute sitzt sie im Rollstuhl.

Sie ist Deutschlands längste Naturrodelbahn und laut Klärgerin Ines B. lebensgefährlich: Nach einem folgenschweren Rodelunfall hat am Donnerstag der Prozess gegen die Bahnbetreiber begonnen.

Rottach-Egern/München - Mühsam bahnt sie sich den Weg in Gerichtsgebäude. Durch die Sicherheitsschleuse, hinein in den Aufzug und dann durch die engen Gänge. Ohne ihren Freund Carlos (27) würde Ines B. (30) das vermutlich gar nicht schaffen. Denn noch immer sitzt die Münchner Unternehmensberaterin im Rollstuhl. 

Es ist die Folge eines schlimmen Unfalls auf der Wallberg-Rodelbahn. Fünf Operationen hat Ines B. schon hinter sich, aber es werden wohl noch weitere folgen. Mit Gips am rechten Bein kam sie auch gestern ins Münchner Landgericht. Dort verklagt die Unternehmensberaterin die Geschäftsführer der Rodelbahn. Denn auf eisesglatter Strecke kam sie im März 2015 von der Bahn ab und stürzte einen Hang hinab. 

Die bittere Folge: ein Trümmerbruch im rechten Unterschenkel und gravierende Bänderverletzungen. Bis heute leidet sie darunter - und fordert nun insgesamt 96.000 Euro Schmerzensgeld. Dabei hatte der Tag für Ines B. damals so entspannt angefangen. „Wir wollten einen Ausflug in den Schnee machen und die Landschaft genießen“, erzählt sie vor Gericht. Von München aus fährt sie mit ihrem mexikanischen Freund rund eine Stunde lang zum Wallberg. „Es hieß, die Bahn wäre noch gut. Ich habe mich dann aber gewundert, dass es so viele eisige Stellen gibt. Wir haben deshalb versucht, so langsam wie möglich zu fahren.“ 

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Auf der Strecke hatte die Unternehmensberaterin sogar noch Fotos gemacht - eines zeigt sie in Skikleidung auf ihrem Schlitten. Doch nur wenige Minuten später kam es zu dem folgenschweren Unfall. „Es war eine scharfe, enge Kurve. Ich wollte bis in den Stand bremsen, aber ich habe es kräftemäßig nicht geschafft“, schildert Ines B. vor Gericht. Über die vereiste Fläche steuerte sie auf einen Schneehaufen zu, der - so glaubte sie - ihren Aufprall etwas abmildern sollte. 

Doch das Gegenteil passierte: „Das war wie eine Schanze. Ich bin meterhoch durch die Luft geflogen und dann mit dem Rodel zusammen den Berg hinunter gestürzt.“ Bergwachtler retteten die schwer verletzte Frau später. Heute erhebt sie schwere Vorwürfe gegen die Bahn-Betreiber. Denn angeblich gab es keine Sicherheitsmaßnahmen am Rande der Rodelbahn - ein Fangnetz etwa hätte ihren Unfall verhindert, glaubt sie. „Die Betreiber haben ihre Verkehrssicherungspflicht verletzt“, sagt auch ihr Anwalt. 

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Die Beklagten bestreitet das aber entschieden. Vor Gericht geht es nun vor allem um Geld - und die Sicherheit auf Deutschlands längster Naturrodelbahn. „Die Mitarbeiter sagten uns, die Bahn wäre problemlos befahrbar“, sagte Ines B. aus. Sie selbst sei sportlich sehr fit gewesen - wie ihr Freund, mit dem sie zwei Abfahrten machen wollte: „Wir bekamen Anweisungen, dass wir vorsichtig sein sollen. Aber nicht, wie wir bremsen sollen.“ Anderen Personen sei an der besagten Kurve fast dasselbe passiert - auch Kindern. „Man müsste anhalten, den Schlitten umsetzen und dann erst weiterfahren. Das war aufgrund des Eises aber nicht möglich. Wir wären fast gestorben“, sagt ihr Freund Carlos, der B. am Berg erstversorgt hatte, bis Hilfe kam. 

„Ihr Schicksal geht mir sehr nahe“, sagte Richter Johannes Brose. Ob die Wallberg-Bahn schuld am Unfall habe, sei aber noch unklar. Auch das Gegenteil könnte der Fall sein: „Ich habe den Eindruck, Sie sind auf Risiko gefahren“, so die erste Einschätzung des Richters. Er schlug vor, dass Ines B. einen gerichtlichen Vergleich mit den Betreibern schließen soll. Kommt dieser nicht zustande, hat das Gericht einen Verkündungstermin für den 7. Juni angesetzt.

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