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Inflation auf Rekordhoch: Wirte im Münchner Umland ziehen Preise an - „Wird nicht letzte Erhöhung sein“

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Von: Felicitas Bogner

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Wegen der Inflation sind Lebensmittel teurer geworden. Auch im Restaurant müssen Bürger tiefer in die Tasche greifen. Viele Wirte haben die Preise in den Karten inzwischen angepasst.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Erst Corona, dann der Krieg, in der Folge die Inflation. Die Preise für Lebensmittel explodieren förmlich. Immer mehr Restaurant- und Imbissbudenbetreiber im Tölzer Land drehen nun auch an der Kostenschraube. Hans Müller, Wirt des Panoramarestaurants auf dem Brauneck, startet im Mai in die Sommersaison und hat dazu bereits seine neue Karte aufgesetzt.

Inflation in Deutschland: Lebensmittelkosten explodieren - Höhere Preise in Gastronomie

„Wir haben uns nach langem Überlegen für eine Preiserhöhung entschieden“, sagt er auf Anfrage. Dies betreffe vor allem Bier, diverse Fleischgerichte und Pommes frites. Trotzdem unterstreicht Müller: „Alle Wirte auf dem Brauneck haben noch humane Preise, trotz der Kostensteigerungen. Das ist kein Vergleich zur Starnberger oder Tegernseer Ausflugsregion.“

Besonders in die Höhe geschnellt sei der Einkaufspreis für Kalbfleisch. „Da sind die Preise bis zu 30 Prozent nach oben gegangen. Nun kann man entweder auf Billigfleisch umsteigen – was für mich ausgeschlossen ist –, oder man kommt für gutes regionales Fleisch um eine Erhöhung nicht herum“, sagt der Wirt.

Inflation: Folgen für Gastronomie - Einkaufspreis für Kalbsfleisch in Höhe geschnellt

Eine Portion Pommes frites koste beispielsweise nun 5 statt bisher 4 Euro. „Wir haben eine Mischkalkulation gemacht. Manches ist wesentlich teurer, anderes nicht. Ich will ja abends noch in den Spiegel schauen können“, sagt Müller.

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Denn ihm sei bewusst: „Wenn man die Bergbahntickets und einen Restaurantbesuch für die ganze Familie zahlt, ist das kein billiger Spaß.“ Trotz aller Sorgen glaubt Müller: „Wir sind ein beliebtes Ausflugsziel. Ich denke nicht, dass die Gäste ausbleiben. Wie sich die Klientel ändert, wenn es so weitergeht, das weiß niemand.“

Inflation auf Rekordhoch: Döner kostet mittlerweile 7 Euro - „Nicht die letzte Preiserhöhung“

Auch Ramazan Ünsal, Inhaber des Wolfratshauser Kebabhauses Pamukkale, hat seine Preise erhöht. „Während der Döner vor dem Krieg noch 6 Euro gekostet hat, muss ich mittlerweile 7 Euro verlangen.“ Besonders lägen ihm die jüngsten Ankündigungen seiner Lieferanten im Magen: „Viele haben bereits angekündigt, dass es bald noch mal eine Preiserhöhung um mindestens zehn Prozent geben wird“, sagt er.

„Dann wird es auch bei uns nicht die letzte Preiserhöhung gewesen sein. Es ist schlimm.“ Während er Anfang des Jahres für 25 Kilo Mehl noch 11 Euro gezahlt habe, seien es nun schon über 25 Euro.

Monika Poschenrieder, Inhaberin des „Forellenhof Walgerfranz“ in Bad Tölz und Kreisvorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbands, rät den Wirten, kreativ zu sein. Sie hält es trotz allem für wichtig, dass „sich jede Familie noch eine bayerische Brotzeit im Lokal leisten kann“.

Höhere Preise in Gastronomie: „Jede Familie soll sich noch bayerische Brotzeit in Lokal leisten können“

Auch wenn für Gastronomen eine Anpassung der Karte unausweichlich sei, könne man darauf achten, dass es noch ein bis zwei bezahlbare Gerichte gebe. „Oder man experimentiert auf den Tellern, dass es zum Beispiel mehr Beilage und ein bisschen weniger Fleisch gibt“, überlegt Poschenrieder. Es werde immer Lösungen geben: „Wir sind ja jetzt krisenerprobt.“

Wirtin Irene Angelillo führt gemeinsam mit ihrem Mann Raffaele und Sohn Rocco das „Milano“ in Tölz. Sie sagt, sie müsse für alle Gerichte 30 bis 50 Cent mehr verlangen. „Das ist nur ein Ausgleich, Profit haben wir davon keinen“, unterstreicht sie. „Wir haben keinen Lieferanten, der nicht viel mehr verlangt.“ Die Getränkepreise habe sie – speziell fürs Bier – bereits nach angehoben. Angst, dass Kunden wegbleiben, habe sei keine. „Die Leute gehen ja selbst zum Einkaufen und sehen, dass nichts mehr so viel kostet als noch vor ein paar Monaten.“

Noch „nicht extrem belastet“ von dem Anstieg der Lebensmittelpreise fühlt sich Florian Kögl, Inhaber des Münsinger Gasthofs Fischerrosl. Dies liege vor allem daran, dass sein Hauptprodukt direkt vor der Haustür geangelt werde. „Die Fischer haben die Preise für die Fische nicht erhöht. Außerdem haben wir kein Benzinproblem aufgrund der kurzen Lieferwege“, erklärt er.

Inflation in Deutschland: „Hoffnung, dass die Preise wieder runter gehen“

Trotzdem benötige er auch andere Lebensmittel, Strom und mehr. „Wir haben einen neuen Kompressor im Kühlhaus eingebaut, der effektiver kühlt.“, erklärt Kögl. Allerdings sei auch klar, dass er aktuell mit einer geringeren Gewinnmarge fahre. „Ich warte noch etwas ab, in der Hoffnung, dass die Preise wieder runter gehen.“ Denn sonst müsse auch er langfristig überlegen, seine Karte den Entwicklungen anzupassen.

Bisher die Karte noch nicht überarbeitet hat Robert Werner vom Lenggrieser „Altwirt“. Lediglich die Halbe Bier koste bei ihm 20 Cent mehr. Sollten die Lebensmittelpreise weiter immer teurer werden, müsse Werner dies auch irgendwann an den Endverbraucher weitergeben. „Es ist alles eine Gesamtkalkulation. Noch beobachten wir die Entwicklungen“, erklärt er. Sollte er sich zur Erhöhung gezwungen sehen, würde das ihm zufolge zunächst nur einzelne Gerichte treffen.

Dass deswegen dann Gäste ausbleiben könnten, befürchtet er nicht. „Seit den Coronalockerungen ist bei uns viel los. Ich habe das Gefühl, die Leute lassen es sich aktuell eher gut gehen.“ Einen Kundenrückgang spürt auch Ünsal nicht. Ihm zufolge zeigen sich alle Gäste in seinem Kebabhaus verständnisvoll. „Toi, toi, toi, dass das so bleibt.“

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