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Junge Landwirtin wird Instagram-Star: „Der wichtigste Beruf der Welt“ - Follower-Zahlen explodieren

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Von: Charlotte Borst

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Selbst überrascht von ihrem Erfolg in den sozialen Medien: Anna-Maria Stürzer, ihr Leben dreht sich um Landwirtschaft.
Selbst überrascht von ihrem Erfolg in den sozialen Medien: Anna-Maria Stürzer, ihr Leben dreht sich um Landwirtschaft. © Robert Brouczek

Junglandwirtin Anna-Maria Stürzer aus Höhenkirchen-Siegertsbrunn baut nicht nur Braugerste und Soja an. Sie postet auch Fotos von der Arbeit auf dem Feld - inzwischen ist sie ein Instagram-Star.

Höhenkirchen-Siegertsbrunn – Anna-Maria Stürzer steht in einer riesigen Fahrzeughalle an der Werkbank und reinigt die Motorsäge. Dann zieht die gelernte Landwirtin die Kette der Säge nach. Dass sie mit schwerem Gerät arbeitet und einen vier Meter hohen Bulldog fährt, ist für die zierliche 20-Jährige Berufsalltag. „Es ist eine Herausforderung“, sagt sie, den blonden Schopf zu einem praktischen Pferdeschwanz gebunden, „aber die vielen Hilfsmittel machen Frauen die Arbeit leichter. Man muss aber die Maschinen kennen.“

Landwirtin wird zu Social-Media-Star: Über 19.000 folgen ihrem Instagram-Profil

Familie Stürzer hat einen Ackerbaubetrieb mit 115 Hektar Feldern und 40 Hektar Wald. Den Hof in Höhenkirchen hat zuerst Anna-Marias Opa geführt. Jetzt arbeitet sie mit ihrem Vater, Kreisobmann Anton Stürzer. Seine Nachfolge will Anna-Maria, die älteste von drei Töchtern, antreten.

Die Nähe zur Natur, die Vielfalt der Aufgaben und die Selbständigkeit begeistern sie. Sie hat sich vor drei Jahren für den Knochenjob entschieden und die Ausbildung gemacht. „Es ist der wichtigste Beruf der Welt, denn wir ernähren die Bevölkerung“, sagt sie. „Ich bin stolz auf unsere Qualität und unsere Erträge.“ Ihre Freude am Beruf und ihr Fachwissen will sie weitergeben. Und das tut sie nebenbei im Internet.

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Vor einem Jahr, mitten in der Coronavirus-Pandemie, als sonst kaum etwas los war – kein Frauenfußball-Training, keine Treffen mit Freunden – postete sie Fotos und kurze Texte über Land- und Forstwirtschaft. „Zuerst haben das nur Verwandte und Freunde angeschaut.“ Als sie aber Bilder von sich selbst zeigte und ihre Erfahrungen einbrachte, explodierten die Zahlen. Heute verfolgen über 19.000 Menschen ihr Instagram-Profil „Landwirtschaft mit Anna“.

Ob sie Äcker pflügt oder Bäume fällt, das Smartphone hat sie dabei. Optimismus, authentische Ausstrahlung und viele Fakten aus der Landwirtschaft – das ist der Erfolgsmix, der ihre Reichweite immer größer werden lässt.

Junglandwirtin auf Instagram: „Hatte genug von negativen Nachrichten über die Landwirtschaft“

Dabei geht es der Junglandwirtin um Öffentlichkeitsarbeit: „Ich hatte genug von den negativen Nachrichten über die Landwirtschaft“, erklärt sie: „Ich wollte den Leuten unseren Alltag näher bringen, informieren und dem schlechten Image entgegenwirken.“

Mit Maschinen und Technik müssen Landwirtinnen souverän umgehen können.
Mit Maschinen und Technik müssen Landwirtinnen souverän umgehen können. © Robert Brouczek

Manchmal erntet sie auch kritische Kommentare. „Wenn wir mit Spurennährstoffen über die Felder fahren, zeigen uns manche Leute gleich den Mittelfinger. Die wissen gar nicht, was wir machen und meinen, wir spritzen Glyphosat.“ Auch wenn sie ihre Zuschauer mit ins Holz nimmt, kommen manchmal scharfe Bemerkungen: „Warum schlägst du den gesunden Baum um? Ihr macht das doch nur aus Profitsucht? Muss das sein?“ Dann reagiert Stürzer sachlich, weist auf Sturm und Windwurf hin: „Bevor der schiefe Baum umstürzt und etwas beschädigt, müssen wir ihn fällen, sonst könnten wir haftbar gemacht werden.“

Ihre Augen blinzeln in der Sonne, als sie auf die Felder rund ums Haus schaut. Gegen Regen hätte die Junglandwirtin nichts einzuwenden. Den Böden würde er guttun. Wer Landwirtschaft betreibt, ist abhängig vom Wetter. Ihr Großvater führt seit 30 Jahren einen Wetterkalender.

Junge Landwirtin aus Bayern wird Instagram-Star: Auch politische Themen schneidet sie an

„Die Regenereignisse sind nicht weniger geworden, aber die Verteilung passt nicht mehr.“ Klimawandel, Starkregen und Hagel, der Druck auf die Flächen am Rand der Großstadt – auch politische Themen schneidet sie an. „Ich wünsche mir Information, offene Gespräche über Landwirtschaft und Gesellschaft und viele Möglichkeiten zur Meinungsbildung.“

In der Landwirtschaftsschule in Riem und auf Lehrbetrieben in Sauerlach und Großdingharting hat Anna-Maria Stürzer ihre dreijährige Ausbildung absolviert. Mit der Meisterschule soll im Herbst die nächste Etappe folgen. Und dann sind da noch Hanni und Nanni. Am Hof leben zwei Färsen.

„Weil mir die Arbeit mit den Kühen und Rindern während der Ausbildung so gut gefallen hat, haben wir sie angeschafft“, sagt Anna-Maria Stürzer. Die Muttertierhaltung soll auf maximal zehn Kühe anwachsen. Dass die neue Generation mit Viehhaltung und Direktvermarktung eigene Ideen verfolgt, kommt bei den Stürzers in Höhenkirchen gut an. Die Vielfalt der Landwirtschaft gibt es ja her.

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