1. tz
  2. München
  3. Region

Wegen Aufruf zur Selbstjustiz angeklagt: Hausfrau aus der Nähe von München rastet vor Gericht aus

Erstellt:

Von: Anna Liebelt

Kommentare

Selbst vor dem Amtsgericht hatte ihre Familie Angst vor der Angeklagten.
Im Gerichtssaal des Amtsgericht Ebersberg musste Richterin Vera Hörauf die Angeklagte mehrmals ermahnen. © SRO

Zur Corona-Zeit soll eine 57-jährige Kirchseeonerin über die Internetplattform Facebook zu mehreren Straftaten gegen Politiker aufgerufen haben. Vor Gericht sorgte die uneinsichtige Frau nun für Furore.

Ebersberg – Wegen eines Facebook-Posts musste sich gestern eine 57-jährige Frau vor Richterin Vera Hörauf im Amtsgericht Ebersberg verantworten. Dort hatte sie laut Anklage in der Corona-Pandemie zur Selbstjustiz gegen Politiker aufgerufen. Im Oktober 2021 hatte die Kirchseeonerin eine Art Fahndungsplakat online geteilt, über das sie Privatleute, aber auch Polizei- und Justizbeamte dazu aufrief, Politiker festzunehmen, die sie als Terroristen und Staatsfeinde betitelte.

Unter anderem hatte die Hausfrau den Bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder, die Grünen-Bundes-Chefin Annalena Baerbock, den damaligen SPD-Gesundheitsexperten und heutigen Gesundheitsminister Karl Lauterbach und die scheidende Bundeskanzlerin Angela Merkel als Terroristen und Staatsfeinde betitelt und zu deren Festnahme aufgerufen.

Kirchseoonerin hetzt im Netz: Ein Hacker sei für den Post verantwortlich

Bei ihrer Aussage fuchtelte die Frau mit den Händen und es sprudelte aus ihr heraus. „Ich habe das Ganze nicht geteilt!“, schmetterte sie den Anschuldigungen entgegen. Sie selbst würde sich nicht mit politischen Themen befassen und hätte somit kein Motiv gehabt den Post zu verfassen. Ihre Erklärung lautete: „Mein Profil ist schon seit längerem gehackt worden.“

Richterin Vera Hörauf hakte nach: „Haben Sie dann mal ihr Passwort geändert?“ „Nein!“, bellte die Kirchseeonerin in den Raum. „Warum auch?“ war ihre Gegenfrage. Auch gelöscht habe die Angeklagte den angeblich von Hackern erstellten Post nicht. „Ich kann nichts löschen, was ich nicht erstellt habe“, sagte sie und schüttelte über das ihr entgegenschlagende Unverständnis den Kopf.

Noch mehr Nachrichten aus der Region Ebersberg lesen Sie hier. Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s auch in unserem regelmäßigen Ebersberg-Newsletter

Ebersberg: Unverständnis und Verwirrung bei Richterin Vera Hörauf

Denn für Richterin Hörauf sorgten die Aussagen der Hausfrau eher für Verwirrung. Das merkte die Angeklagte, der der Kragen platzte. Mit der flachen Hand haute sie auf den Tisch und rief: „Ich bin keine Staatsfeindin!“. Es folgte eine Ermahnung seitens der Richterin. Hörauf tat sich schwer, weiterzuverhandeln. Auch auf die Verlesung der Einträge im Vorstrafenregister – Fahren ohne Fahrerlaubnis, Trunkenheit im Verkehr, Beleidigung – reagierte die Frau mit einem Aufschrei von der Anklagebank: „Warum lesen sie das jetzt vor? Das müsste schon längst verjährt sein!“

Irgendwann reichte es auch Richterin Hörauf: „Sie stehen ganz knapp vor einem Ordnungsgeld! Lassen Sie mich ausreden!“, drohte die Richterin. Trotzdem funkte die Frau in jedem zweiten Satz dazwischen und rief ihre Unschuld in den Saal.

Mit KI gegen Hass? Neue Kampagne gegen Hatespeech

Staatsanwältin und Gericht: Schilderungen der Angeklagten unglaubwürdig

Für die Staatsanwältin änderte dies nichts: Sie befand die Frau für unglaubwürdig und forderte eine Geldstrafe. Dem schloss sich, zum endgültigen Unverständnis der Angeklagten, die Richterin an. Sie verurteilte die Frau zu einer Geldstrafe in Höhe von 750 Euro – 75 Tagessätze zu 10 Euro. Noch im Gerichtssaal drohte die frisch Verurteilte, Einspruch gegen das Urteil beim Landgericht einzulegen.

Noch mehr aktuelle Nachrichten aus dem Landkreis Ebersberg finden Sie auf Merkur.de/Ebersberg.

Auch interessant

Kommentare