Interview mit der Lady in Red

Münchens Ex-Gerichtssprecherin:„Hoeneß ist ein Beispiel für Resozialisierung“

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Andrea Titz, Direktorin des Amtsgerichts Wolfratshausen.

Als Lady in Red wurde sie berühmt: Andrea Titz (48), die Juristin, die der Welt unter anderem den Hoeneß-Prozess erklärte. Was macht sie nun eigentlich?

München - Ohne Zweifel – die schwarzhaarige Bayerin zählt zu den bekanntesten Richtern in unserem Land. Seit Juni leitet die 48-Jährige das Amtsgericht Wolfratshausen – als Direktorin. Im Gepräch mit Redakteur Andreas Thieme spricht Andrea Titz über ihre neuen Aufgaben, über Uli Hoeneß, ihre spektakulärsten Fälle und den NSU-Prozess.

Frau Titz, man kennt Sie als schillernde Figur: Wird Ihnen in der Verwaltung nicht langweilig?

Andrea Titz: Überhaupt nicht. Als Direktorin des Amtsgerichts trage ich Verantwortung für 70 Mitarbeiter. In der Verwaltung planen wir den Einsatz des Personals, führen Mitarbeitergespräche und verwalten das Budget. Das ist ein wenig, wie ein mittelständisches Unternehmen zu führen.

Zuvor waren Sie Sprecherin des Oberlandesgerichts und haben die großen Prozesse erklärt.

Titz: Eine spannende Aufgabe, die mich sehr erfüllt hat. Jetzt trage ich noch größere Verantwortung. Es ist etwas ganz anderes, über etwas oder für ein Gericht zu sprechen, als die Entscheidungen persönlich zu treffen. Daneben bin ich auch als Richterin für Familienrecht tätig. Da geht es um Scheidungen und Sorgerecht.

Andrea Titz im Gespräch mit tz-Reporter Andreas Thieme.

Welcher Fall hat Sie zu Ihrer Zeit besonders beschäftigt?

Titz: Am längsten hatte ich mit dem Doppelmord in Krailling zu tun. Ein sehr berührender Fall, den ich von Beginn an begleitet habe und der bis heute sehr präsent ist.

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Sie haben den Fall mit aufgeklärt.

Titz: Ich war Leiterin der Kapitalabteilung bei der Staatsanwaltschaft München II. Es hatte eine Woche gedauert von der Tatbegehung bis zur Festnahme des damaligen Beschuldigten. Ich war unmittelbar dabei und in jeden Ermittlungsschritt eingebunden. Das ist eine andere Situation, als wenn man als Pressesprecherin mit spektakulären Fällen konfrontiert wird, denn letzteres geschieht erst dann, wenn die Sache vor Gericht gelandet ist.

In eben dieser Rolle haben Sie viele Sympathien gewonnen, auch beim Hoeneß-Prozess. Hatten Sie dafür trainiert? Oder haben Sie das Talent, schwierige Sachverhalte zu erklären?

Titz: Ich habe nicht trainiert, aber mich gut vorbereitet. Das Medieninteresse war ja bekannt. Und ich habe überlegt, wie auch Laien den Prozess verstehen können. Schnell und spontan zu sein, das liegt mir, ebenso wie das Formulieren.

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Ganz Deutschland kennt das Bild, wo Sie im roten Kleid vor Dutzenden Kameras stehen (siehe Foto oben). Haben Sie das genossen?

Titz: Ich habe mir das in der konkreten Situation nicht bewusst gemacht, sondern geschafft, es gezielt auszublenden. Natürlich wusste ich, dass meine Aussagen ausgestrahlt werden. Aber ich habe mir während meiner Aussagen nie überlegt, wer sich das abends anschauen wird.

Sexy und souverän: So wurden Sie öffentlich wahrgenommen. Wie geht Ihre Familie damit um?

Titz: Meine Mutter hat mich einmal angerufen und sagte: Jetzt bist du wieder im Fernsehen, warum erzählst du mir das nie? Sie hat das mit einem ungläubigem Staunen zur Kenntnis genommen und wird bis heute darauf angesprochen. Klar, war sie auch stolz.

Stimmt es, dass es jemanden gab, der Sie beim Outfit beraten hat?

Titz: Nein. Ich bin so immer angezogen gewesen und habe das dann fortgeführt, als ich auch deutlicher in der Öffentlichkeit wahrnehmbarer war. Einen Expertenrat habe ich nicht angenommen.

Uli Hoeneß ist wieder Bayern-Präsident. Wie sehen Sie ihn heute?

Titz: Es ist ein Beispiel für gelungene Resozialisierung. Dass es sich hier nicht um einen Verurteilten handelt, von dem weitere Straftaten zu erwarten sind, darüber waren sich, glaube ich, alle einig. Zum Glück für den Verurteilten gab es hier einen Weg zurück in seine frühere Berufstätigkeit, in der er ja sehr geschätzt war. Ich hatte das so erwartet.

Hatten Sie mal persönlichen Kontakt?

Titz: Nein.

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Stichwort NSU: Wie schauen Sie heute auf den Prozess? Als er im Mai 2013 begann, waren Sie noch Sprecherin des Oberlandesgerichts.

Titz: Dieses Verfahren hätte ich gerne als Pressesprecherin zu Ende begleitet. Was die Dauer angeht, kann ich verstehen, dass der juristische Laie fragt, warum der Prozess so lange dauert und aufgebläht wird. Als Jurist kann man da nur sagen, dass es ein immens umfangreiches Verfahren ist. Die Beweisaufnahme war sehr umfangreich, zuletzt haben die Anträge viel Zeit in Anspruch genommen. Zum Glück ist es die Ausnahme, dass sich ein Verfahren so lange hinzieht. Beim NSU-Prozess kam das aber nicht unerwartet.

Aber die Angehörigen der Opfer sind wütend…

Titz: Ich kann verstehen, dass sie sich schneller ein Urteil gewünscht hätten. Besonders, wenn es um den Punkt der strafrechtlichen Verantwortung geht. Für manche Angehörige ist das sicher auch ein wichtiger Punkt in ihrer Trauerarbeit. Es ändert aber nichts daran, dass der Fall juristisch gründlich aufgearbeitet werden muss. Da tut das Gericht aus meiner Sicht sein Bestes. Dass das aber dem Laien kaum zu vermitteln ist, leuchtet mir ein.

Noch etwas Privates: Ich habe gehört, Sie sind ein großer Gourmet.

Titz (lacht): Ja. Zumindest koche und esse ich gerne.

Was mögen Sie denn am liebsten?

Titz: Ich bin nicht auf eine bestimmte Richtung festgelegt. Von Asiatisch über Mediterran bis zu deutschen Gerichten bereite ich alles gerne zu. Leidenschaftlich gerne kaufe ich Kochzeitschriften und Bücher, auch wenn ich im Ausland unterwegs bin – selbst dann, wenn ich der Sprache gar nicht mächtig bin. Allein um zu sehen, was in diesem Land regelmäßig gegessen wird.

tie

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