26 mal Oral befriedigt?

Sex mit Patientin: Pfleger vor Gericht

München - Zuerst war es Sympathie, es folgte Sex. Ein Pfleger des Isar-Amper-Klinikums ist wegen der Beziehung zu einer Patientin jetzt erneut vor Gericht gestanden. Er kämpfte gegen ein Berufsverbot.

Sympathie und ein bisschen mehr in der Klinik: Ein 44-jähriger Pfleger hat sich wegen der Beziehung zu einer 33-jährigen Patientin eine Anklage wegen sexuellem Missbrauchs aufgehalst. Aufgeflogen war die intime Beziehung durch Zufall: Eine andere Patientin erwähnte bei einer Anhörung bei einem Richter des Amtsgerichts Erding, dass der Heilerziehungspfleger ein sexuelles Verhältnis mit der 33-Jährigen habe.

Bei den Ermittlungen der Erdinger Kripo bestätigten sich diese Angaben. Die Bedienung, die sich von Oktober 2010 bis Mitte März 2011 zur Behandlung ihrer Alkoholund Drogenabhängigkeit im Maßregelvollzug befand, räumte die Intimitäten mit dem 44-Jährigen ein, der sie durch den Therapiealltag begleitete. Die Patientin gab an, dass man sich unter dem Vorwand, ein Bezugsgespräch zu führen, jeweils im Besucherraum ihrer Station getroffen habe. Dort sei es dann regelmäßig zum Austausch von Zärtlichkeiten gekommen. Dabei sei es nicht geblieben. Der Pfleger habe sie im Intimbereich begrapscht und man habe sich gegenseitig oral befriedigt. Insgesamt, so hatte sie damals aufgelistet, war es 26 mal zu derartigen sexuellen Handlungen gekommen.

Das Schöffengericht beim Amtsgericht Erding verurteilte den Pfleger deshalb wegen „sexuellen Missbrauchs unter Ausnutzung eines Beratungs-, Behandlungs- oder Betreuungsverhältnisses“ zu einer Bewährungsstrafe von neun Monaten. Dabei hatte die Bedienung in ihrer Aussage erheblich „zurückgerudert“ – letztlich waren nur mehr zwei Fälle übrig geblieben. Für den 44-Jährigen kam es jedoch knüppeldick: Das Schöffengericht verhängte gegen ihn auch ein Berufsverbot.

Die irren Erkenntnisse der Sex-Forscher

Die irren Erkenntnisse der Sex-Forscher

Gegen die Verurteilung legte der bisher unbescholtene Pfleger Berufung ein, so dass der Fall jetzt vor der 2. Strafkammer des Landshuter Landgerichts landete. Der Sachbearbeiter der Erdinger Kripo berichtete, dass die 33-Jährige „frei von der Leber weg in ihrer flappsigen Art“ über die intime Beziehung berichtet hatte: „Sie wollte nichts vertuschen, ihm aber auch nichts reinwürgen.“ Bei der Vernehmung habe die Bedienung berichtet, dass sie immer ein „Bezugsgespräch“ verlangt habe, wenn der 44-Jährige Dienst gehabt habe. Da sei es dann jedesmal auch zu Sex gekommen, wobei die Initiative von beiden Seiten ausgegangen sei.

Die Bedienung räumte – so fasste es Vorsitzender Richter Robert Mader zusammen – auch in der Berufung ein, dass es „beiderseitige Sympathien“ und letztlich eine Liebesbeziehung gegeben habe. Die 33-Jährige sei überzeugt gewesen, dass der Pfleger in sie verliebt sei. Es sei sogar davon die Rede gewesen, die Beziehung nach der Beendigung der Therapie fortzusetzen.

Auf Anregung von Verteidiger Patrick Schladt einigten sich die Prozessbeteiligten auf eine Verfahrenseinstellung. Dem 44-Jährigen wurde eine Geldauflage von 500 Euro aufgebürdet. Diese geht an ein Landshuter Frauenhaus. Daneben hat der Pfleger auch die Kosten der Nebenklägerin zu tragen. Für den den 44-Jährigen aber entscheidend: Mit der Verfahrenseinstellung ist auch das Berufsverbot vom Tisch.

Von Walter Schöttl

Rubriklistenbild: © dpa

auch interessant

Meistgelesen

Frau von Lkw gerammt: „Da ist man auch als Polizist betroffen“
Frau von Lkw gerammt: „Da ist man auch als Polizist betroffen“
Pflege zu teuer: Pensionär holt seine Frau wieder nach Hause
Pflege zu teuer: Pensionär holt seine Frau wieder nach Hause
Vermisster 23-Jähriger wieder aufgetaucht
Vermisster 23-Jähriger wieder aufgetaucht
Spektakuläres Feuerwerk in Wolfratshausen: Rührender Grund
Spektakuläres Feuerwerk in Wolfratshausen: Rührender Grund

Kommentare