Auftritt polarisiert

Entblößte Beine, verhülltes Gesicht: Das steckt hinter dem Burka-Auftritt in Ismaning

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Zwischen den Kulturen bewegt sich diese Frau. 

Verhüllt in blauer Burka, aber mit nackten Beinen - bis zur Unterhose sichtbar. Ein Auftritt mit besonderem Hintergrund.

Ismaning – Einer Frau läuft durch die Räume des Ismaninger Kallmann Museums. Nur ihre nackten Beinen, fast bis zur Unterhose, sind zu sehen. Darüber trägt sie eine blaue Burka, die das Gesicht komplett verhüllt. Die Frau läuft durchs Museum bis hinein in das grüne Labyrinth vor der Einrichtung.

Künstler Naneci Yurdagül zeigt mit dieser Performance etwas, was im Islam verboten ist und auch nicht dem westlichen Menschenbild entspricht. Er polarisiert. „Das Leben zwischen den Kulturen erschwert die Identität“, sagt Museumsleiter Rasmus Kleine. Über Identität denkt man automatisch nach bei Yurdagüls Beitrag. Der Künstler ist Deutscher, stammt  aus Frankfurt am Main. Er hat auch 80 Türkenwitze auf die Leinwand gebracht. Gezeigt wird aber nur die Frage. Reflexartig überlegt der Zuschauer, was die Antwort sein könnte. Die Witze gehen teilweise unter die Gürtellinie.

Skurril und ohne Tabu

Die Ausstellung „Ein gemachter Mensch“ im Kallmann Museum ist kurios, skurril. Ein Weckruf. Sie stellt die Frage nach der Identität ohne jegliches Tabu. In der wohl modernsten Ausstellung in der Geschichte des Hauses wird der Besucher gezwungen, sich mit dem eigenen Ich, seinen Einstellungen und Zukunftsfragen auseinanderzusetzen.

Gleich im ersten Raum zeigt Aram Barthall (45) diverse Kunstwerke, die auf den ersten Blick nicht zueinander passen. Jedes Bild besteht aus einer Spam-Nachricht, mit denen jeder beinahe täglich konfrontiert wird, sowie einem Bild einer Grenze. Dieses Bild wiederum befindet sich hinter Gitterlinien aus Capture-Aufgaben, mit denen der Mensch im Internet seine eigene Identität beweisen muss. „Der Computer entscheidet dann letztlich, ob ich ein Mensch bin“, sagt Aram Bartholl. Das sollte dem Internetnutzer zu denken geben und zeigt die Verantwortung der Programmierer.

Trolle ohne Denkverbot

Veronika Witte (55) ist mit Fabelwesen zu Gast, eine Art versilberte Trolle. Sie hat an der Wand einen ganzen Ordner stehen mit Vorstellungen von Menschen, wie der Körper eines Wesens ohne Denkverbote aussehen könnte. Die Menschen durften bei ihrer geistigen Reise nur drei der bekannten Körperorgane mitnehmen. Für Witte ist es leicht erklärbar, dass rund der Hälfte der 2000 ausgefüllten Fragebögen eine Skizze beiliegt. Je absurder die Aufgabe ist, desto leichter tut sich der Mensch mit einer Zeichnung. Aus diesen Skizzen wiederum wurden Computeranimationen – und die zwei Fabelwesen im Kallmann Museum. „Liquid Identity“ heißen sie. Zwischen ihnen und Barthalls Spam-Nachrichten liegen Videostationen mit teilweise kuriosen Filmen, die menschliche Gewohnheiten aufbrechen. So wird der Besucher permanent gezwungen, sich mit den grundsätzlichen Fragen der menschlichen Identität auseinanderzusetzen.

Museumsleiter Kleine beweist mit „Ein gemachter Mensch“ den Mut, sich künstlerisch auf modernes und schwer verdauliches Terrain zu bewegen. „Es ist keine schöne Ausstellung“, sagt der Direktor über die Schau, die sicher nicht jeden Geschmack trifft. Ein Museum habe aber auch den Auftrag, zu wesentlichen Fragen Beiträge zu leisten. Die 15 Künstler Selma Alacam, Aram Bartholl, Martin Brand, James Bridle, Harun Farocki, Sandra Filic, Iwajla Klinke, Alicja Kwade, Sali Muller, Timea Anita Oravecz, Daniele Risch, Nasan Tur, Anna Witt, Veronika Witte und Naneci Yurdagül zwingen den Betrachter zur Auseinandersetzung mit Gedanken, die man gerne mal verdrängt.

Die Ausstellung

„Ein gemachter Mensch“ ist bis zum 16. September im Kallmann Museum zu sehen. Dieses hat dienstags bis sonntags von 14.30 bis 17 Uhr geöffnet. Öffentliche Führungen gibt es sonntags 3. Juni, 1. Juli, 5. August und 16. September (jeweils 15 Uhr). Eine Feierabendführung wird am Donnerstag, 28. Juni, um 18.30 Uhr angeboten. „Kunst & Kuchen“ ist für Donnerstag, 7. Juni, und Mittwoch, 22. August, um 15 Uhr angesetzt.

Lesen Sie auch: Frauenrechtlerinnen fordern Burka-Verbot - Abgrenzung von der AfD

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