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„Um das zu stemmen, muss ich an meine Ersparnisse“: Strompreis für Alleinstehende explodiert

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Von: Volker Camehn

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Monika Graßold
Ein Schreiben des Schreckens hat Monika Graßold aus Ismaning unlängst aus dem Briefkasten gefischt. Die Stromversorgung Ismaning teilte ihr mit, dass sie pro Kilowattstunde Strom ab sofort knapp 60 Cent statt bisher knapp 25 Cent zahlen soll. © Robert Brouczek

Eine Rentnerin aus Ismaning muss 145 Prozent mehr für Strom bezahlen. Um die Rechnungen zu begleichen, muss sie ran an ihr Erspartes. Der Versorger sagt: Der Markt ist schuld.

Ismaning – Der Gang an den Briefkasten hat Monika Graßold unlängst sauer gemacht. Mitte November hatte sie Post von der Stromversorgung Ismaning (SVI) erhalten. Der Inhalt des Schreibens: wenig erfreulich. Es ging um die „Anpassung der Strompreise zum 1.1.2023“ – und das heißt übersetzt: Ab sofort zahlen Sie, Frau Graßold, mehr. Sehr viel mehr. „Für mich als alleinstehende Rentnerin ist das nahezu nicht mehr finanzierbar“, sagt die 66-Jährige.

Allein der Arbeitspreis, in der Regel die wichtigste Größe für die Höhe der Stromrechnung, soll demnach für Graßold ab dem neuen Jahr von 24,55 auf 59,64 Cent steigen – eine Erhöhung von 29,49 Cent/kwh oder um satte 145 Prozent. Auch der monatliche Grundpreis soll fortan höher ausfallen: Statt wie bisher 8,69 Euro soll Graßold künftig 16,08 Euro bezahlen.

Die Strompreisbremse soll die Menschen entlasten. Doch das Instrument greift nicht bei allen. Ein Mann aus München fühlt sich im Stich gelassen.

Rentnerin muss mehr für Strom zahlen: „Die Höhe hat mich dann doch überrascht“

Graßold ist seit drei Jahren im Ruhestand. Sie beziehe eine „mittlere Rente“. Dass es teurer werden würde, war ihr klar, „aber die Höhe hat mich dann doch überrascht“. Zumal die SVI noch im Sommer mit günstigem Strom geworben habe. Das Unternehmen begründet den Preisschub unter anderem mit der „Preisexplosion auf dem Energiemarkt“. Folge: „Leider sind wir dadurch gezwungen unsere Strompreise an die aktuelle Situation anzupassen“, heißt es in dem Schreiben an die Stromkunden.

Hier steht‘s schwarz auf weiß: Deutlich teurer wird‘s für Monika  Graßold
Hier steht‘s schwarz auf weiß: Deutlich teurer wird‘s für Monika Graßold © Robert Brouczek

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„Überall sind aktuell die Preise hoch“ - Ismaninger Stromversorger erklärt sich

Franz-Josef Loscar, Geschäftsführer des Ismaninger Stromversorgers, sagt, seinem Unternehmen seien quasi die Hände gebunden: Der Markt sei schuld, „überall sind aktuell die Preise hoch“. Überhaupt bewege sich die SVI preislich „noch im guten Mittelfeld“, erklärt Loscar am Telefon mit Verweis auf das Vergleichsportal Verivox. Schriftlich wolle er sich nicht äußern.

Auch Bürgermeister Alexander Greulich (SPD), Aufsichtsratsvorsitzender beim Stromanbieter SVI, sieht seinen lokalen Stromversorger als Opfer der Umstände. Auf Anfrage des Münchner Merkur lässt er mitteilen: „Die Stromversorgung Ismaning beschafft ihren Strom schon hinsichtlich der Versorgungssicherheit langfristig. Die Preise sind trotz dieser vorsichtigen Strategie deutlich gestiegen. Diese Steigerung muss an die Kunden weitergegeben werden.

Sobald die Strompreise wieder fallen werden, reicht die SVI diese selbstverständlich an ihre Kunden weiter. Bis dahin bleibt die Situation leider angespannt.“ Zudem könnten sich in der Gemeinde Ismaning Bürger auch an das Sozialamt im Rathaus wenden, „Senioren finden Ansprechpartner in der Seniorenbegegnungsstätte Hillebrandhof“. Hier werde „gemeinsam geprüft, ob eventuell staatlichen Hilfen in den unterschiedlichsten Bereichen beantragt werden können und man vermittelt zudem an entsprechende Beratungsstellen.“

Soweit ist es für Monika Graßold noch nicht: „Um die Mehrkosten zu stemmen, muss ich wahrscheinlich an meine Ersparnisse.“ Doch auch die sind irgendwann aufgebraucht.

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