Stalking-Fall schockt Ismaning

Falsche Todesanzeige wirkt wie Morddrohung

Diese Todesanzeige schaltete der Stalker in der SZ

Ismaning - Die Todesanzeige für eine Lebende entsetzt einen ganzen Ort. Die Stalking-Attacke gegen die 17-jährige Steffi K. lässt die Menschen in Ismaning erschaudern. Zu viele Fragen sind offen.

Ob bei den Freunden und Angehörigen von Steffi K., in Vereinen, aber auch unter Menschen, die die 17-Jährige und ihre Familie nicht kennen: Die von einem Stalker aufgegebene Todesanzeige (wir berichteten) war am Wochenende in Ismaning Hauptgesprächsstoff.

Wer macht so etwas perfides? Auch den Vorsitzenden des Ismaninger Kleingartenvereins am Seebach, Arno Helfrich, beschäftigt in seinem Urlaub das Thema. Allerdings nicht als Privatmann. Helfrich (52) ist Leiter des Münchener Opferschutzkommissariats. Die Behörde, die sich an erster Stelle um die Opfer kümmert.

Zum Fall selbst sagt er nichts: „Unsere Kollegen ermitteln auf Hochtouren, um den Täter zu fassen. Da wäre jedes öffentliche Wort dazu kontraproduktiv.“ Helfrich, der seit neun Jahren in München alle der Polizei bekannt gemachten Fälle von Stalking mitbekommen hat, gibt aber zu: „Eine gefälschte Todesanzeige hatte wir noch nicht.“ Entsprechend ernst werde der Fall genommen: „Ich kann versichern, da werde alle Register gezogen, den Täter zu ermitteln.“ Der allerdings gehe in der Tat „nicht ungeschickt“ vor.

Das Opferschutzkommissariat betreue vor allem die Opfer, also Steffi K. und ihre Familie. Helfrich: „Diese öffentliche Anzeige schadet nun eindeutig der ganzen Familie. Nicht nur das Mädchen ist betroffen, auch die Verwandtschaft, die es jetzt ertragen muss, ständig angesprochen zu werden.“

In Ismaning verstehen viele Menschen nicht, warum die Todesanzeige nicht von der Polizei als Morddrohung verstanden und Steffi K. entsprechend geschützt wird. Helfrich: „Rechtlich gesehen kennt man den Begriff ,Morddrohung’ nicht. Es geht um den Tatbestand der Bedrohung von Leib und Seele. Das sehen wir hier auch so und handeln entsprechend.“ Ob die Familie Personenschutz bekommt, darüber will Helfrich sich nicht äußern.

Arno Helfrich (52) aus Ismaning leitet das Opferschutzkommissariat.

Wie aber wird hilft das Kommissariat Opfern von Stalking? Helfrich: „Zunächst geht es um die Beruhigung der Betroffenen. Wir klären über das auf, was nun getan wird. Erklären, warum wir beispielsweise die Öffentlichkeit aus den Ermittlungen komplett herausnehmen.Und wir bitten vor allem das Opfer, wirklich jeden kleinsten Schritt des Täters zu dokumentieren. Wann immer er tätig wird, müssen wir das wissen.“ Natürlich gehe es darum, das Opfer vor direkten Übergriffen zu schützen.

Damit die Betroffenen dies alles auch seelisch unbeschadet überstehen, würden Psychologen vermittelt: „Dies ist aber ein freiwilliges Angebot. Manche Opfer fühlen sich stark und brauchen diese Unterstützung nicht, andere nehmen solche Gespräche mit erfahrenen Therapeuten sofort an. Andere erst, wenn alles überstanden ist. Das wird sehr individuell gehandhabt. Aber selbstverständlich bieten wir jede Hilfe an. Die Familien entscheiden selbst.“

In Ismaning ist derweil das Gerücht zu hören, es gehe gar nicht um ein Stalking des Mädchens, sondern um die Eltern. Ihnen solle geschadet werden. Steffis Vater, ehrenamtlich stark engagiert, könnte sich Feinde gemacht haben - so eine der Mutmaßungen. Helfrich hat dafür kein Verständnis: „Natürlich könnte hinter der Todesanzeige auch gemutmaßt werden, die Stoßrichtung könne die Eltern treffen. Aber das ist Sache der Ermittler, dies zu eruieren. Jetzt geht es darum, Schaden von dem Mädchen und seiner Familie abzuwenden. Da wäre hilfreich, wenn man sie in Ismaning nicht bedrängt und ausfragt, sondern völlig normal behandelt. Nicht das Opfer soll sein Leben ändern müssen, sondern der Täter!“

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