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Jachenau: Almvieh gerät in Panik - Tiere stürzen in den Tod

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Von: Andreas Steppan

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Die „Sommerfrische“ auf der Alm nahm für einige Kühe in der Jachenau ein tödliches Ende. (Symbolfoto)
Die „Sommerfrische“ auf der Alm nahm für einige Kühe in der Jachenau ein tödliches Ende. (Symbolfoto) © Lino Mirgeler / dpa

Unterhalb der Benediktenwand sind neun Kühe abgestürzt. Etwas muss sie in Angst und Schrecken versetzt haben. Auf einen Wolf gibt es aktuell keine Hinweise.

Jachenau – Der Vorfall war in den vergangenen Tagen im Isarwinkel bereits in aller Munde. Nun bestätigen Recherchen des Tölzer Kurier: Im Gemeindegebiet Jachenau sind vergangenen Mittwoch neun Kühe offenbar in Panik geraten und abgestürzt. Sechs Tiere verendeten, drei überlebten. Die Frage, wie es dazu kommen konnte, dass die Tiere Reißaus nahmen und ins Unglück liefen, kann bislang aber noch niemand beantworten.

Jachenau: Kühe stürzten 200 Meter in die Tiefe

Gegenüber dem Tölzer Kurier schilderte am Montag einer der Beteiligten an der Bergungsaktion das Geschehen. Demzufolge standen die Tiere, die einem Landwirt aus dem Landkreis gehören, als Pensionsvieh nahe der Scharnitzalm unterhalb der Benediktenwand, in Richtung Schwarzenbachschlucht. Am Mittwoch habe der Almhirte das Fehlen der Tiere bemerkt. Ein Elektrozaun, der die Almwiese von einem Steilhang trennte, sei auf einer Länge von etwa 80 Metern komplett niedergerissen gewesen.

Eine Gruppe von Helfern machte sich auf die Suche. Fünf Tiere entdeckten sie in unwegsamem Gelände, in das sie über einen Felsen 200 Meter tief abgestürzt waren. Vier Kühe seien da bereits tot gewesen. Eine habe wegen ihrer schweren Verletzungen – offene Knochenbrüche – sofort getötet werden müssen. Drei weitere Tiere seien einen steilen Hang in ebenfalls unwegsames, waldiges Gelände hinabgerutscht. Zu ihnen mussten sich die Helfer erst den Weg durch Totholz und Windwurf freischneiden. Von diesen Tieren hätten zwei „erhebliche Verletzungen“ aufgewiesen, eines habe hingegen „keinen schlechten Eindruck“ gemacht. Sie hätten aber alle drei noch laufen können und seien übers Schwarzenbachtal hinuntergeführt worden. Ein Tier sei zu jenem Zeitpunkt noch vermisst worden, aber wohl anderntags gefunden worden, so der Kenntnisstand des Helfers. Über die toten und verletzten Kühe sagt er: „Den Anblick hätte ich mir lieber erspart.“

Jachenau Tiere stürzen in den Tod - Panikreaktion aufgrund eines äußeren Reizes

Auf Anfrage des Tölzer Kurier macht im Namen des Veterinäramts auch Landratsamt-Sprecherin Marlis Peischer Angaben zu dem Fall: Neun Tiere seien abgestürzt, davon sechs verendet. Diese seien per Hubschrauber geborgen und zur Tierkörperbeseitigungsanlage gebracht worden. Diesen Transport muss laut Peischer übrigens nicht der Tierhalter bezahlen. Landkreis, Freistaat und Tierseuchenkasse teilen sich die Kosten. Drei Tiere seien lebend wieder im Stall des Eigentümers untergebracht und tierärztlich versorgt worden. Die neun Kühe hätten einen Elektrozaun durchgebrochen, so Peischer weiter. Später seien sie „relativ weit verstreut aufgefunden worden“. Dies spricht aus Sicht des Landratsamts für „eine größere Panikreaktion aufgrund irgendeines äußeren Reizes“.

Was die panikartige Flucht der Kühe ausgelöst haben könnte, darüber kursieren viele Spekulationen und Gerüchte. Hat etwa ein Wolf die Tiere erschreckt? Das Veterinäramt stellt dazu klar, dass „keine Fraßspuren vorhanden“ seien. „Außerdem ist kein Beutekreis eines Wolfs in der Nähe der Absturzstelle bekannt“, sagt Peischer.

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Über Grund für Panik der Kühe in Jachenau kann nur spekuliert werden

Kreisbäuerin Ursula Fiechtner will diese Möglichkeit trotzdem nicht ausschließen. Freilich kann auch sie nur spekulieren. Möglichkeiten gebe es viele: Außer einem Wolf könne auch ein Hund die Panikreaktion ausgelöst haben – „das Rind unterscheidet da sicher nicht“, sagt sie. Auch Geräusche aus der Luft könnten den Tieren Angst einjagen, und in der Region seien ja wegen des G7-Gipfels derzeit vermehrt Hubschrauber unterwegs.

Jachenau: Kühe durchbrechen Weidezaun und stürzen in den Tod

Auch der Tourismus-Druck könne heutzutage die Ruhe auf den Almen immer mehr stören. „Wanderer mit Stirnlampen zum Beispiel können die Tiere aufschrecken.“

Fest steht für die Kreisbäuerin lediglich, dass es nicht einfach ihr Freiheitsdrang gewesen sein kann, der die Tiere ausbüxen ließ. „Dann wären sie nicht fluchtartig einen Fels runtergesprungen, sondern hätten sich an einem sicheren Platz niedergelassen“, erklärt Ursula Fiechtner.

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