Elf Jahre Knast - aber ohne Sicherungsverwahrung

Dietersheim - Zu elf Jahren und drei Monaten Gefängnis verurteilte am Donnerstag das Landgericht Landshut Markus V. (Name geändert), der 2003 eine 12-Jährige aus Dietersheim entführt und vergewaltigt hatte.

In die Gesamtstrafe mit einbezogen worden war eine Verurteilung des 35-Jährigen aus dem Jahr 2009, wo er vom Landgericht München wegen Vergewaltigung seiner Ex-Freundin zu sechs Jahren und drei Monaten verdonnerte worden war. Drei Monate der jetzt verhängten Gesamtstrafe hätten wegen der Verfahrensverzögerung als verbüßt zu gelten, so die Kammer.

Gleich zu Beginn der Urteilsbegründung erklärte Richter Wiedemann, dass für die Anordnung der Sicherungsverwahrung die formellen Voraussetzungen fehlten. Zwischen beiden Taten seien fünfeinhalb Jahre verstrichen, die „Rückfallverjährungsfrist“ habe nach dem damaligen Gesetz fünf Jahre betragen. Erst seit Jahresbeginn 2011 sei die Frist auf 15 Jahre angehoben. Das letzte Wort allerdings hätten die psychiatrischen Sachverständigen, die bei einer etwa anstehenden vorzeitigen Entlassung aus der Strafhaft erneut ein Gutachten zur Gefährlichkeitsprognose zu erstellen hätten.

Der Richter ließ dann noch einmal die Geschehnisse an jenem 11. August 2003 Revue passieren, die rechtlich als Geiselnahme (mit Todesdrohungen), besonders schwere Vergewaltigung und schwerer sexueller Missbrauch von Kindern einzuordnen waren - und für die die Kammer eine Freiheitsstrafe von achteinhalb Jahren verhängte. Wenige Tage vor den schrecklichen Ereignissen habe sich die damalige Lebensgefährtin, mit der der Angeklagte ein Kind hatte, von ihm getrennt. Da es ihm, wie der psychiatrische Gutachter erläuterte, an Selbstbewusstsein und Möglichkeiten zur Konfliktbewältigung gefehlt habe, habe er sich an einem Weiher in Eching zugekifft und sich dann der Zwölfjährigen, die sich mit dem Fahrrad auf dem Heimweg von einem Tennis-Schnupperkurs befunden habe, bemächtigt (wir berichteten mehrfach).

Strafmildernd, so der Richter, habe die Kammer das volle Geständnis des 35-Jährigen und seine Schuldeinsicht und Reue, die er auch mit einer Entschuldigung beim Opfer zum Ausdruck brachte, gewertet. Bei Markus V. lägen auch keine Hypersexualität oder Phädophilie vor; das Tatmotiv sei vielmehr gewesen, sich anderer sexuell zu bemächtigen, um die eigene Schwäche zu kompensieren.

Straferschwerend sei dagegen, dass es sich bei allen Tatbeständen um Schwerstkriminalität gehandelt habe. Besonders verwerflich sei gewesen, dass er die Tat am helllichten Tag begangen habe: „Mit dieser Dreistigkeit und Kaltblütigkeit konnten und mussten weder die Zwölfjährige noch ihre Eltern rechnen.“

WS

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