Astronaut im Kontrollzentrum Oberpfaffenhofen

Jetzt will Gerst auch zum Mars

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Alexander Gerst will zum Marks.

Oberpfaffenhofen - Alexander Gerst ist am Dienstag von seiner 166-Tage-Mission auf der ISS zurückgekehrt. Doch jetzt hat der 38-Jährige noch viel mehr vor.

Man kennt die Bilder von der Formel-1, wenn ein Team seinen Fahrer bejubelt: Ähnlich herzlich, aber nicht ganz so emotional – schließlich geht‘s hier ja um Wissenschaft – feierten am Dienstag die Mitglieder des Columbus-Raumfahrtkontrollzentrums in Oberpfaffen Alexander Gerst (38), ihren Astronauten. Den Mann, den sie auf seiner 166-Tage-Mission auf der ISS rund um die Uhr betreuten. „Es ist ein bisschen wie nach Hause kommen“, freute sich Gerst, als er zum ersten Mal nach seiner Rückkehr aus dem All auf sein Team traf: „Jeder hier hat zum Erfolg der Mission beigetragen.“ Und wie geht‘s weiter? „Ich würde gern zum Mars reisen“, verriet der Astronaut. Was ihn daran reizt ? Die tz fasst Gersts wichtigtes Aussagen zusammen.

Über eine Mars-Mission: „Das wäre das größte Abenteuer der Menschheit. Vom Mars können wir viel lernen. Zum Beispiel: Wie vermeiden wir, dass die Erde einmal so wüst und leer aussieht wie der Mars.“ Sollte man Lebensformen auf dem Mars finden, Fossile  oder noch existierende, dann würde das bedeuten, „dass das Universum  wahrscheinlich vor Leben nur so blüht. Das heißt, das hätte enorm Auswirkungen auf unser Selbstverständnis als Menschen. Wir Menschen sind ja Entdecker, und der Mars  und der Mond sind im Prinzip der 8. und der 9. Kontinent, die es zu entdecken gibt. Ich würde jedenfalls gerne zum Mars fliegen“ so Gerst, „aber ob  ich für immer dort bleiben wollte – die Entscheidung möchte ich jetzt nicht treffen wollen.“

Über unsere Erde: Als Geophysiker, so Gerst, sei ihm klar gewesen, wie die Erde und ihre Atmosphäre aufgebaut seien. Aber aus dem All erkenne man, dass die Erde wirklich nur ein kleine Steinkugel ist. Man sehe von außen ganz klar, dass alles sehr begrenzt sei: vom Wasser bis zu den Bodenschätzen. Die hauchdünne Atmosphäre wirke extrem zerbrechlich. „Mich beunruhigt“, so Gerst, „dass wir das zerstören könnten, vielleicht ganz unabsichtlich. Zum Beispiel durch Klimawandel, nur, weil wir nicht genügend dagegen tun. Man sieht, wie der Amazonesgebiet gerodet wird, wie Brände die Welt zerstören. Es wäre wohl schwierig, einem Außerirdischen zu erklären, warum wir das tun.“

Über eine Poltikkarriere: Gerst (lacht): „Ich denke als Astronaut ist es meine Aufgabe, die Perspektive zu vermitteln, die ich gesehen  und gefühlt habe, als ich mit meinen Augen auf die Erde heruntergeblickt habe.  Für mich ist es wichtig diese Per­spektive weiterzuverbreiten – dadurch gibt man  jedem Menschen, nicht nur Politikern, Informationen für Entscheidungen, die jeden Tag zu treffen sind.“

Über den sechsstündigen Weltraum-Spaziergang: „Das Wort Spaziergang benutzt bei uns niemand. Das ist schon eher ein Marathon.“ Fakt sei, dass manche Kollegen ein „Vertigo“-Gefühl hätten und sich lange krampfthaft festhielten. Er selbst habe das anders erlebt. „Überhaupt nicht lebensfeindlich, obwohl es das natürlich ist.“ Allerdings sei es wegen der Fülle an Aufgaben („Man hat da einen 5000-Stufen-Plan“) weit weniger romantisch, als man sich das vielleicht vorstelle.

Über das, was er jetzt vermisst: „Den Blick auf die Erde. Das ist eine einzigartige Aussicht. Und die Freundschaft an Bord.“

Über den Kontakt seinen ISS-Kollegen Reid Wiseman und Maxim Surajew: „Ich hab erst heute morgen von beiden eine Mail bekommen, aber leider sehen wir uns sehr selten. Wir sind echte Kumpels geworden“

Über das, was er Zuhause als erstes genossen hat: „Einen Waldspaziergang. Obwohl es November war. Und das frische Essen. Endlich mal wieder Salat …“

WdP

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