Interview zur Eröffnung am Samstag

Jochen Schweizer über seine Arena: „Achtstelliger Umsatz im ersten Jahr“

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Im Interview mit dem Münchner Merkur spricht Jochen Schweizer über das Mega-Projekt.

Taufkirchen - Die Jochen Schweizer Arena wird am Samstag in Taufkirchen eröffnet. Im Interview mit dem Münchner Merkur spricht der Unternehmer über das Mega-Projekt.

Fliegen, surfen, klettern – dazu Tagungsräume und hochwertige Gastronomie: Am Samstag eröffnet in Taufkirchen die „Jochen Schweizer Arena“. Der 59 Jahre alte Chef der 550 Mitarbeiter starken Unternehmensgruppe erläutert im Interview mit dem Münchner Merkur, warum ihm die Arena so wichtig ist, was hinter seinem Werbeslogan steckt und warum er noch nicht am Ziel ist.

Herr Schweizer, mal angenommen, Sie würden einen imaginären Fallschirmsprung machen und aus der Vogelperspektive auf ihr weit verzweigtes Unternehmen schauen: Welche Bedeutung hat für Sie die Jochen Schweizer Arena?

Jochen Schweizer: Das muss ich gar nicht imaginär machen. Ich bin, zusammen mit Tom Enders (Airbus-Chef; Anm. d. Red) schon einige Male über Taufkirchen abgesprungen. Aber zu Ihrer Frage: Die Jochen Schweizer Arena ist sicher das herausragendste Einzelprojekt, das ich in meiner Laufbahn gebaut habe. Denn es ist das Markenhaus meiner Unternehmensgruppe. Wir erfüllen hier Urträume des Menschen: das freie Fliegen mit nichts als dem eigenen Körper, und das Reiten auf einer perfekten, stehenden Welle. Dazu ist es eine coole Location mit ausgefallener Architektur, einem sehr guten Gastronomie-Konzept und einem Außenbereich mit Hochseilklettergarten, Flying Fox sowie Team-Mission-Parcours, den wir im Sommer eröffnen. Es ist für mich auch die Erfüllung eines lang gehegten Wunsches, einen Ort zu schaffen, an dem die Marke Jochen Schweizer anfassbar gemacht wird.

Jochen Schweizer Arena: Eröffnungsphase schon gut gebucht

Viele sind natürlich neugierig. Wird es am Eröffnungswochenende zu Engpässen kommen?

Schweizer: Das ist ein ganz wichtiges Stichwort. Wir offerieren sehr günstige Preise für die Eröffnungsphase und sind schon gut gebucht. Ich empfehle, dass alle Menschen, die schon Gutscheine besitzen, über unsere Webseite eine Online-Reservierung vornehmen und sich einen Timeslot sichern.

Wie sieht der Zeitplan aus?

Schweizer: Die Innenbereiche sind bis zum 4. März fertig und alle Erlebniselemente dort in Betrieb. Mareen Scholz, Europameisterin im Stationary Wave Riding von 2015 und amtierende Vize-Europameisterin, managt den Wellenbereich und Thomas Spielvogel, der über 14.000 Fallschirmsprünge absolviert hat, den Bereich des Windtunnels. Verantwortlich für die Gastronomie mit 15 Köchen und drei Küchen ist Veit Reisberger. Es ist für jeden, aktive Sportler und interessierte Zuschauer, etwas geboten. Im Sommer folgen im Outdoor-Bereich ein Hochseilklettergarten, der spektakuläre Aussichten ins Alpenvorland bieten wird, und ein Flying-Fox-Parcours. Außerdem eröffnet unser gemütlicher Außengastronomiebereich inklusive Abenteuerspielplatz für Kinder.

Jochen Schweizer Arena: 89 Arbeitsplätze in Taufkirchen entstanden

Wie viele Arbeitsplätze sind in Taufkirchen entstanden?

Schweizer: Genau 89. Wir haben sehr viel neues Personal gewonnen, denn wir beschäftigten bisher beispielsweise keine Köche. Über 25 Mitarbeiter sind allein im Outdoor-Bereich sowie im Surf- und Flugsektor tätig.

Sie kalkulieren mit 260.000 Besuchern pro Jahr. Ab wann ist die Arena wirtschaftlich?

Schweizer: Wir planen einen achtstelligen Umsatz schon im ersten Jahr. Wenn ich nicht überzeugt gewesen wäre, dass das Projekt profitabel wird, hätte ich mich nicht getraut, so viele Millionen zu investieren.

Das hat die Jochen Schweizer Arena gekostet

Wieviel hat die Jochen Schweizer Arena gekostet?

Schweizer: Einen hohen achtstelligen Betrag.

Die Werbetrommel wird ja schon länger gerührt. Hatten Sie irgendwann Zweifel, es nicht zu schaffen bis zur Eröffnung?

Schweizer: Bei einem Projekt dieser Dimension, das vor fünf Jahren gestartet wurde, geht nicht immer alles glatt. Sicher gab es Momente des Zweifels, in denen ich mich zusammenreißen musste. Doch für alles haben wir Lösungen gefunden. Ich habe das große Glück, dass bei Jochen Schweizer eine große Zahl an kompetenten und motivierten Mitarbeitern beschäftigt ist, die viele Herausforderungen selbst gemeistert haben. Insgesamt waren, mit allen Unterstützungsfunktionen, etwa 40 meiner über 550 Mitarbeiter in das Projekt eingebunden.

Was unterscheidet die Jochen Schweizer Arena von anderen Erlebniswelten dieser Art?

Schweizer: Es gibt nichts Vergleichbares, das auch nur annähernd bietet, was wir hier geschaffen haben. Und beachten Sie die transluzente Architektur, die von oben aussieht wie ein auf dem Boden liegender Propeller mit drei Rotorblättern – sowas gibt es auf der ganzen Welt kein zweites Mal. Der Propeller ist Sinnbild für Dynamik, und Dynamik ist ein Kernwert unserer Marke.

Jochen Schweizer Arena: „Warum „München“ und nicht „Taufkirchen“ 

Auf Ihrer Webseite steht „Jochen Schweizer Arena München“. Darüber soll sich Taufkirchens Bürgermeister Ullrich Sander sehr beschwert haben...

Schweizer: Ich sage immer Taufkirchen, lege großen Wert darauf: im Süden Münchens, Ausfahrt Taufkirchen-Ost. Mit Herrn Sander habe ich telefoniert, die Stimmung zwischen uns ist gut, er freut sich auf die Eröffnung.

Es gibt den Grundsatz „Cogito ergo sum“ des Philosophen René Descartes: „Ich denke, also bin ich“. Bei Ihnen heißt es: „Du bist, was du erlebst“. Was steckt hinter dieser Botschaft?

Schweizer: Ich gebe Ihnen zwei Antworten, eine philosophische und eine praktische. Die philosophische lautet, dass die Einstellung „Cogito ergo sum“ in die falsche Richtung führen kann, wenn man das Sein allein darauf fußt. Im Sinne der fernöstlichen Lehre des Zen ist das Sein nicht abhängig vom Denken, sondern von einer Präsenz im Jetzt. Unser Slogan „Du bist, was du erlebst“ ist etwas, woran ich glaube und wonach ich mein Leben lang immer gelebt habe. Real spürt sich der Mensch im Erleben viel stärker als allein im Denken und erst Recht als im gegenständlichen Konsum. Erlebnisse sind der Kitt jeder sozialen Beziehung. Am Ende des Lebens schaut man nicht darauf zurück, was man besitzt, sondern zumeist darauf: Was hat man erlebt? Erlebnisse sind unvergänglich, die Erinnerungen an Erlebnisse sind für immer. Persönlich war ich immer bereit, mich anzustrengen, um mehr zu erleben.

Sie haben ja ein Buch geschrieben, „Der perfekte Augenblick“. Wie sieht Ihrer aus?

Schweizer: Perfekte Augenblicke erlebt man häufig im Abenteuer. Aber ich glaube nicht, dass das Leben von einem einzigen, großen Abenteuer geprägt wird, sondern dass es für jeden Lebensabschnitt ein anderes gibt. Im Alter von zehn Jahren war mein größtes Abenteuer, mich nachts aus dem Zelt zu schleichen, unseren Betreuern zu entwischen und mit dem Kajak auf den nachtschwarzen Fluss hinauszufahren. Im Alter von 21 Jahren durchquerte ich die Sahara mit dem Motorrad. Das war zu diesem Zeitpunkt mein größtes Wagnis, aber auch mein größtes Erlebnis. Später kamen der erste Fallschirmsprung, der erste Drachenflug, der höchste Wasserfall, der tiefste Bungeesprung mit eintausend Metern. Die Abenteuer verändern sich, wie sich auch das Leben verändert. Aber auch außerhalb der Abenteuer gibt es perfekte Augenblicke – im stillen Genuss der Natur, der Liebe, der Musik.

Jochen Schweizer: Diese Projekte plant er nach der Arena in Taufkirchen

Sie haben, wie Sie sagten, mit der Jochen Schweizer Arena einen lang gehegten Traum realisiert. Lehnen Sie sich jetzt, mit 59, zurück oder gibt es weitere Projekte dieser Art?

Schweizer: Da, wo ich mich jeweils befinde, ist mein Ausgangspunkt. Ich bin immer auf dem Weg und nie im Ziel. Das bedeutet: Es gibt weitere Projekte, ich habe viele Ideen – und ich bin ja noch jung und habe die Zeit, vieles zu realisieren. Im September zum Beispiel eröffnen wir in Luzern unsere originale Jochen Schweizer Surfarena sowie unseren ersten Shop in der Schweiz.

Wie kommt jemand, der so sehr auf Achse ist wie Sie, zur Ruhe?

Schweizer: Ich sammle alte Mahagoni-Rennkajaks, paddele leidenschaftlich gern in diesen eleganten, kippligen Booten in Stille auf der Olympiaregattastrecke in Oberschleißheim oder ruhig dahinströmenden Flüssen. Ich paddele nicht, um an einen Ort zu gelangen, sondern um einen Zustand zu erreichen. Es ist der Zustand der Gedankenlosigkeit.

Interview: Martin Becker.

Infos zur Jochen Schweizer Arena in Taufkirchen

  • Anfahrt: Die Jochen Schweizer Arena liegt direkt an der Ausfahrt „Taufkirchen- Ost“ an der Autobahn A 8 (vis-a-vis von Ikea).
  • Eintrittspreise: Zuschauer oder Begleitpersonen haben freien Eintritt. Wer Flugtunnel, Citywave oder (ab Sommer) den Hochseilklettergarten ausprobieren möchte, sollte über www.jochen-schweizer. de/arena/ eine Online-Reservierung vornehmen, da Windtunnel und Surfwelle teilweise gut ausgebucht sind. Im Eröffnungsangebot kostet das Surfen 34,90 Euro und das Fliegen 49,90 Euro (Preise für Erwachsene).
  • Bodyflying: Im Windtunnel mit homogenem, wirbelfreiem Luftstrom werden Luftgeschwindigkeiten von bis zu 285 km/h erreicht. Schon Kinder ab vier Jahren dürfen fliegen. Bis auf 5,90 Meter Höhe ist der Tunnel verglast, sodass man zuschauen kann. Der vertikale Windkanal hat einen Durchmesser von viereinhalb Metern, die maximale Flughöhe (nur für Experten) beträgt 17 Meter
  • Citywave: Bei der patentierten Surfwelle trifft schnell fließendes auf stehendes Wasser – durch diesen sogenannten „Hydraulic-Jump-Effekt“ wird die bis zu 1,40 Meter hohe Surfwelle erzeugt. Das Wasser in Taufkirchen ist 24 bis 26 Grad Celsius warm.
  • Crossover-Gastronomie: Neben dem Hauptrestaurant, das Platz für bis zu 150 Gäste bietet, gibt es die Beach-Box und die Air-Box. Gastronomie-Chef Veit Reisberger setzt auf „gehobene Crossover- Küche“: Es gibt Currywurst wie Ceviche (eingelegter roher Fisch).
  • Outdoor-Bereich: Im Sommer kommt ein 4500 Quadratmeter großes Außenareal hinzu mit Flying-Fox-Parcours (sechs Seilrutschen, Gesamtlänge 140 Meter), Hochseilklettergarten und weiteren Angeboten (wie Biergarten).
  • Tagungen: Das multifunktionale Konzept der Jochen Schweizer Arena sieht vor, sie auch als Tagungsräume, für Kongresse oder als Firmen-Event anzubieten. Das Areal fasst 500 (Tagungs-) Gäste, die gesamte Arena ist für maximal 1200 Personen buchbar.

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