Er lag jahrelang im Vorgarten

Josef und Andreas fanden den Dachauer Meteoriten

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Josef Landmann (71, links) mit seinem Bruder Andreas (72, rechts), und Hans Hartl (68).

München - Die Geschichte des uralten Meteoriten Machtenstein beginnt eigentlich erst vor Kurzem. Dabei ist er schon 4,5 Milliarden Jahre alt.

Der Ort im Kreis Dachau, dessen früheste urkundliche Erwähnung ins Jahr 1083 datiert, sollte zur 930-Jahr-Feier – also 2013 – mit einem neuen Gedenkstein gewürdigt werden. Doch wie soll er aussehen? Hans Hartl (68) dachte zunächst an ein Modell. Er nahm sich drei Steine aus seinem Vorgarten und dann sah er ihn wieder: Den eher unschönen Brocken, den er vor Jahrzehnten dort hingelegt hatte. Der Bummerl – er sollte Bayerns erst sechster bekannter Meteorit werden.

Die Republik war noch jung, als die beiden Brüder Josef (71) und Andreas Landmann (72) beim Spazierengehen nahe Machtenstein etwas Dunkles entdeckten. Josef sagte zum BR: „Der war schwerer als ein normaler Stein.“ Daheim flexte er ein bisserl hinein, Funken sprühten und Josef wusste: „Da muss Metall drin sein.“

Das war’s dann aber schon, das Fundstück geriet mehr und mehr in Vergessenheit. Bis zum Jahr 1982: dem Jahr, als sie den komischen Fund ihrem Freund Hans Hartl übergaben. Dem fehlten damals jedoch die Möglichkeiten, als Laie den Stein gesichert einzuordnen. Er dachte auch wegen der metallischen Bestandteile an das Naheliegendste: Schlacke aus einem Rennofen, wie sie bei der Gewinnung von Eisen entsteht. Ein Verfahren, wie es bereits die Kelten kannten. Schlacken werden in der Gegend immer wieder aufgelesen. Und so verschwand er, der Stein, und diente fortan als Beiwerk im Hartlschen Vorgarten. Tja, bis eben der Plan für den Gedenkstein kam.

Hans Hartl sah sich das Trumm Anfang des Jahres nun mal genauer an, recherchierte im Internet, kam dem Ursprung des Fundstücks näher und sah schließlich einen Anfangsverdacht bestätigt: „Sechs von acht Kriterien für einen Meteoriten waren erfüllt.“ Etwa Magnetismus und die Schmelzkruste.

Nun ging es schnell: Der vermeintliche Besucher aus dem All wurde dem Augsburger Meteoriten-Experten Dieter Heinlein übergeben. Es folgte eine Untersuchung an der Mineralogischen Staatssammlung München. Dort wurde der Bummerl aus dem Vorgarten als 4,5 Milliarden Jahre alter Steinmeteorit identifiziert. Gewicht: 1,4 Kilo. „Dass solch ein Meteorit, dessen Fall nicht direkt beobachtet wurde, in Deutschland gefunden wird, ist eine Sensation und seltener als ein Sechser im Lotto“, sagte der stellvertretende Direktor der Mineralogischen Staatssammlung, Rupert Hochleitner.

Zu sehen sein wird der Meteorit, der jetzt übrigens Machtenstein heißt, auf den Münchner Mineralientagen (Samstag, 25., bis Sonntag, 26. Oktober).

Die Liste der Meteoritenfunde im Freistaat

In Bayern sind bislang folgende Funde bekannt:

19. September 1775: Bad Rodach, 3,6 Kilogramm schwer; er gilt heute als verschollen.

19. Februar 1785: Eichstätt, 3,2 Kilo schwer.

13. Dezember 1803: Massing, 1,6 Kilo schwer.

25. Dezember 1846: Schönenberg, mit acht Kilo der schwerste in Bayern gefundene Steinmeteorit.

1920: Untermässing, der Eisenmeteorit wiegt 80 Kilo.

4. April 2002: Ein Meteorit verfehlte das weltberühmte Schloss Neuschwanstein nur knapp.

2014: Im Oktober wird bekannt, dass es sich bei einem in den 1960er-Jahren in Machtenstein bei Dachau gefundenen, 1,4 Kilo schweren Stein um einen Meteoriten handelt.

mc

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