Joseph (14): Danke für mein Leben!

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Dank seines Lebensretters Sven erfüllte sich Joseph (14) seinen Traum und ritt zum ersten Mal in seinem jungen Leben auf einem Pony

München - Eine Stammzellenspende rettete dem 14-jährigen Joseph das Leben. Jetzt haben sich der Spender, Sven Asendorf aus Herrsching, und der genesene joseph kennengelernt.

Der 14-jährige Joseph strahlt über das ganze Gesicht: Er sitzt stolz im Sattel und streichelt das weiche Fell des Ponys „Perle“. Damit geht für den Bub ein großer Traum in Erfüllung: Zum ersten Mal im Leben darf er auf einem Pony reiten. Noch vor wenigen Monaten war das unvorstellbar. Joseph war totkrank – die Diagnose: „Akutes Knochenmarkversagen“. Nur eine Stammzellspende konnte sein junges Leben retten.

Joseph hatte großes Glück: Er fand mit Sven Asendorf aus Herrsching einen passenden Spender. Viele warten hingegen vergebens auf ihren rettenden Engel. Weil sie Angst davor haben, Blutstammzellen zu spenden. Dabei kann eine Spende Leben retten und ist dank moderner Verfahren sogar ambulant möglich. In Deutschland ­erkranken jährlich rund 11 000 Menschen an Leukämie oder anderen Defekten des Knochenmarks. „Es hält sich hartnäckig der Irrglaube, dass bei einer Stammzellspende Rückenmark entnommen wird“, sagt Sonja Schlegel vom Zentralen Knochenmarkspender-Register in Deutschland (ZKRD). „Aber das stimmt nicht.“

Prominente Organspender

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Es gibt zwei Verfahren einer Stammzellentnahme: Bei der einen werden die Blutstammzellen unter Vollnarkose aus dem Beckenknochen entnommen. Bei rund 80 Prozent geht es sogar ganz ohne Operation: Dabei wird ein sogenannter Wachstumsfaktor verabreicht, mit dem die Stammzellen mobilisiert und aus dem Blut herausgefiltert werden. Joseph war zunächst nicht auf einen fremden Spender angewiesen, da er einen passenden Spender in der Familie hatte. Doch der Körper des Buben nahm die Zellen seines Vaters nicht an.

Bei Sven Asendorfs Spende musste daher alles ganz schnell gehen: Für den 46-Jährigen, der selbst zwei Kinder hat, war die Spende trotz Operation eine Selbstverständlichkeit: „Es ist einfach schön, jemandem geholfen zu haben“, sagt er. Wer seine Stammzellen bekommt, durfte Asendorf im Vorfeld nicht wissen. Da es in der Anfangszeit zu Komplikationen kommen könne, solle so verhindert werden, dass der Spender schon früh eine emotionale Bindung zu dem Patienten aufbaue, erklärt Verena Spitzer von der Stiftung Aktion Knochenmarkspende Bayern (AKB).

In Deutschland ist ein Treffen erst zwei Jahre nach der Spende möglich. Andere Länder untersagen den Kontakt zwischen Spender und Empfänger ganz. Asendorf stellte einen ersten Briefkontakt über die AKB her: „Ich habe ein kleines Stofftier gekauft und eine Karte geschrieben.“ Sehen durfte Asendorf den 14-jährigen Joseph dann zum ersten Mal am zweiten Weihnachtsfeiertag 2011: „Der Sven war mein Geschenk“, erzählt Joseph. „Wir haben uns alle in die Arme genommen und geweint“, erinnert sich Sven Asendorf.

Aus dem ersten Kennenlernen entwickelte sich jetzt eine echte Freundschaft. Auf dem Ponyhof sehen sich die beiden nun zum zweiten Mal. Für Joseph ist es ein Gefühl, als wenn er „vor Freude in die Luft springen könnte“. Asendorf geht es ähnlich: „Irgendwie gehören wir zusammen“, sagt er. Schon jetzt freuen sich beide auf das nächste Treffen. Im Sommer wollen sie zusammen auf dem Ammersee segeln gehen.

sk / rjl

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