Nach brutalem Angriff

Gewalt auf Fußballplätzen: Keine Macht den Tretern

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Mit Plakaten gegen Gewalt haben die Höhenkirchner und Taufkirchner Spieler der A-Jugend am Sonntagmittag für faires Spiel auf dem Fußballplatz geworben.

Höhenkirchen-Siegertsbrunn - Ein Zeichen gegen Gewalt auf dem Fußballplatz haben die Spieler der A-Jugend auf dem Sportplatz in Höhenkirchen gesetzt. Hintergrund war der brutale Angriff eines Fußballers (39) des SV-DJK Taufkirchen auf einen 20-Jährigen aus Höhenkirchen-Siegertsbrunn.

Eine Woche nach dem C-Klassenspiel der Herren, bei dem das Opfer schwere Verletzungen erlitt und der Angreifer noch auf dem Platz festgenommen wurde (wir berichteten), standen sich gestern Mittag wieder zwei Mannschaften des SV-DJK Taufkirchen und der Spielvereinigung Höhenkirchen (beide Landkreis München) gegenüber, jetzt die A-Jugend. Dieses Mal wurde das Fußballspiel zu einer Demonstration gegen Gewalt auf dem Fußballplatz: Alle Spieler liefen mit Plakaten auf den Sportplatz ein, die der Bayerische Fußball-Verband zur Verfügung gestellt hatte. Die Aufschrift: „Kein Platz für Gewalt“.

„Mit dieser Geste gegen Gewalt wollen wir zeigen, dass es auch anders geht“, sagte Hans Mader, Leiter der Fußballabteilung der Höhenkirchner SpVgg. Und mit der Aktion wollen die Fußballer darum werben, das Thema sensibel und vernünftig zu behandeln. „Wir wollen den Vorfall nicht ausschlachten“, betonte Mader. Der Leiter der Höhenkirchner Fußballabteilung, der auch Schiedsrichter ist, weiß um die Problematik von Aggressivität bei Amateurfußballspielen. Dabei spiele auch mangelnde Integration eine Rolle – „ein Versagen von Politik und Gesellschaft“, findet Mader. Die Sportvereine und ihre Ehrenamtlichen könnten das Problem nicht alleine schultern.

Am Spielfeldrand stand Salih Aydogan. Er ist Konfliktmanager beim Bayerischen Fußball-Verband (BFV). Es sei „wichtig, dass sich die Jugendlichen klar von Gewalt distanzieren“, sagte er zu der Aktion. Immer wieder komme es zu Angriffen, die oft nicht zu verhindern seien. Daher sei Präventionsarbeit entscheidend.

Sorge, dass über „seine“ jungen Fußballer ein Pauschalurteil gefällt wird, hat Gerhard Reichle, Jugendleiter in Taufkirchen. Der Verein werde die heftige körperliche Attacke mit den Kindern und Jugendlichen aufarbeiten. „Die können ja nichts dafür“, sagte Reichle. „Der Vorfall war einer, wie ihn niemand haben will.“ Deshalb sei die Demonstration vor dem Jugendspiel beider Vereine absolut richtig: „Man muss junge Menschen sensibilisieren. Das ist in unserer Zeit wichtiger denn je.“

Für Sensibilisierung wirbt auch Horst Winkler, BFV-Bezirksvorsitzender für Oberbayern. „Solche Aktionen bringen auf jeden Fall etwas“, sagt er. Trotzdem sei man vor Ausreißern wie dem Vorfall vor einer Woche nicht gefeit. Zu Auseinandersetzungen komme es immer wieder, selbst wenn sich Spieler sonst – wie es auch bei dem Taufkirchner Angreifer der Fall gewesen sei – vorher auf dem Platz vorbildlich verhalten.

„Wir haben an einem Wochenende allein im Großraum München bis zu 1300 Spiele“, so Winkler. Und manchmal passiere es leider, dass Menschen den Sport als Ventil missbrauchen. Generell sei das eher ein Problem bei jugendlichen Teams.

„Die Emotionen kochen bei den Spielern manchmal hoch“, beobachtet auch Peter Schmid, BFV-Kreisvorsitzender für den Kreis München. Gerade das Zusammentreffen verschiedener Kulturen im Fußball stelle häufig eine Herausforderung dar.

Unterdessen ist das Opfer ist wieder aus dem Krankenhaus entlassen worden. „Es geht ihm den Umständen entsprechend“, erzählte Hans Mader auf Nachfrage unserer Zeitung. Der 20-Jährige hatte bei dem Angriff schwere Verletzungen erlitten: Doppelter Jochbeinbruch, Bruch der Augenhöhle, ein Hämatom und Rippenprellungen.

Von Bernadette Heimann und Moritz Homann

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