16-Jähriger wurde verletzt

Diese Drei retteten eine Frau vor einem Betrunkenen

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Zeigten Zivilcourage: Sascha Jakisch, Jaqueline Ries und Christopher Eberl (v. li.) halfen am Bahnhof Wolfratshausen einer jungen Frau, die von einem Betrunkenen bedrängt wurde. Dabei wurde der 16-jährige Sascha verletzt.

Wolfratshausen - Diese Drei haben Zivilcourage bewiesen: Ein Trio aus Wolfratshausen schützt am S-Bahnhof eine Frau vor einem aggressiven Betrunkenen - der verletzt einen der Jugendlichen.

Zwei 16-jährige Burschen und ein 14 Jahre altes Mädchen aus Wolfratshausen haben einem aggressiven Betrunkenen Paroli geboten, der am S-Bahnhof grundlos eine Frau anpöbelte. Unsere Zeitung hat recherchiert, welche Geschichte hinter der kurzen Polizeimeldung steckt.

Es ist Mittwochabend gegen 21 Uhr. Auf dem dunklen Bahnhofsgelände wartet eine junge Frau. Sie trägt Kopfhörer. Plötzlich wird sie von einem Unbekannten verbal attackiert. Der Mann ist offensichtlich stark angetrunken, schimpft, pöbelt. Passanten gehen achtlos weiter, keiner kommt der Frau zu Hilfe. Nur Sascha Jakisch (16), Christopher Eberl (16) und Jaqueline Ries (14) beweisen Zivilcourage, greifen beherzt ein. Hinter den beiden jungen Feuerwehrmännern und ihrer Bekannten liegt ein Abend im Jugendhaus La Vida. Die drei Jugendlichen sind auf dem Heimweg. „Da sahen wir diesen Typ“, erinnert sich Christopher. „Groß war er, bullig und offensichtlich betrunken.“ Die Jugendlichen beobachteten, wie der „amtsbekannte 52-jährige Geretsrieder“, wie die Polizei später feststellt, die Frau bedrängt. „Er redete auf sie ein, sie wich ängstlich zurück, er setzte immer wieder nach“, sagt Sascha. Der 16-Jährige beschließt, sofort zu handeln. „Hören Sie damit auf“, fordert er den Mann auf und schiebt die Frau aus dem Sichtfeld des 52-Jährigen. „Der Mann hat mich ausgelacht und begann, jetzt mich zu beschimpfen und zu bedrängen.“ Der Auszubildende hält sich schützend einen Arm vor den Körper und alarmiert per Handy die Polizei. „Noch während ich telefonierte, trat er mir mit Wucht gegen das Knie.“ Sascha versucht trotz der Schmerzen erneut, den gewalttätigen Betrunkenen durch gutes Zureden zu stoppen - ohne Erfolg. „Er hob die Fäuste und kam dann drohend auf mich zu.“

Jetzt drängt sich die 14-jährige Jaqueline dazwischen - und kassiert einen Tritt gegen den Oberschenkel. Daraufhin sieht Sascha rot, stellt sich schützend vor die 14-Jährige. Er schubst den Geretsrieder zurück, schreit ihn an und wählt erneut den Polizeinotruf: „Bitte beeilen Sie sich!“ Die Situation eskaliert. Sascha und sein schwergewichtiger Widersacher schlagen aufeinander ein. „Irgendwie habe ich es geschafft, ihn zu Fall zu bringen und ihm mein Knie an den Hals zu setzen.“

Mittlerweile ist ein Zug in den Bahnhof eingefahren. Rund 60 Passagiere steigen aus. „Die meisten gingen weiter, doch ungefähr ein Dutzend blieb stehen und hat gegafft“, berichtet Christopher. Dann geschieht etwas, was Sascha nicht begreifen kann: „Anstatt zu fragen, was hier eigentlich los ist oder die Polizei zu informieren, haben sie mich als S-Bahn-Schläger beschimpft.“ Nur eine Frau handelt: Zusammen mit Christopher und Jaqueline zieht sie Sascha zurück, führt ihn in Richtung der benachbarten Bushaltestellen.

Inzwischen wankt der Geretsrieder auf die Gleise. Ein Bahnmitarbeiter ruft ihn zurück - und erneut wendet sich der 52-Jährige in furchteinflößender Haltung den Jugendlichen zu. „Er drohte uns wieder mit den Fäusten“, sagt Jaqueline. Mit vereinten Kräften gelingt es schließlich, die Situation ein wenig zu beruhigen, dann trifft ein Streifenwagen ein. Die Beamten überzieht der Betrunkene mit Beleidigungen, sie nehmen ihn in Gewahrsam. Einsatzkräfte des BRK bringen Sascha mit einer Kniescheibenprellung in die Wolfratshauser Kreisklinik.

Rückblickend stellen die Jugendlichen fest, jederzeit wieder so zu handeln. „Man denkt nicht daran, ob der etwas - wie zum Beispiel ein Messer - in der Tasche haben könnte“, sagt Sascha. „In dem Augenblick hatte ich nur Angst um meine Freunde, nicht um mich selbst.“

sh

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