Bei Jugendspiel: Schiedsrichter Andreas O. bricht leblos zusammen

Garching - Einen großen Schutzengel muss Andreas O. aus Garching haben: Der 48-Jährige erleidet am Samstag einen Herz-Kreislauf-Stillstand. Er pfeift gerade ein Spiel für den VfR Garching, als er umfällt. Zuschauer retten dem Mann das Leben.

Dass er überlebt hat, verdankt er dem beherzten Eingreifen einiger Zuschauer und dem schnellen Eintreffen der professionellen Helfer.

Es ist kurz vor zwölf Uhr. Auf dem Fußballplatz an der Schleißheimer Straße in Garching spielen die U11-Junioren des VfR-Garching gegen die Buben des FC Eintracht München. Sechs gegen sechs kämpfen sie auf kleinem Feld um den Ball. Mitten unter ihnen Schiedsrichter Andreas O. Plötzlich kippt er um. Bleibt bewussstlos liegen. Atmet nicht mehr. Eine Zuschauerin, Mutter eines Garchinger Spielers (10), reagiert geistesgegenwärtig. Sie setzt einen Notruf ab. Das Spiel wird abgebrochen.

Was beginnt, ist eine beispiellose Kette der Hilfe: Der Disponent der Integrierten Leitstelle der Berufsfeuerwehr gibt der Anruferin Anleitung für die Mund-zu-Mund-Beatmung. Sie schreit diese zwei Männern auf dem Platz zu. Der eine übernimmt die Herzdruckmassage, der andere die Beatmung. Sie können den 48-Jährigen zurückholen ins Leben. Innerhalb weniger Minuten sind dann die Helfer des First-Responder der Garchinger Feuerwehr vor Ort. Kurz darauf auch der Rettungswagen und der Notarzt. Das First-Responder-Team versorgt den am Boden Liegenden mit einem automatischen externen Defibrillator. Puls und Atmung stabilisieren sich. Andreas O. kommt wieder zu Bewusstsein. Ein Rettungswagen bringt ihn ins Herzzentrum Bogenhausen. Diagnose: schwerer Herzinfarkt. Er wird sofort operiert. Seine Überlebenschancen gelten als gut. Gewissheit, auch über mögliche Folgeschäden, werden jedoch erst die kommenden drei Tage bringen.

Eine Zeit des Bangens für die Ehefrau. und seine beiden Söhne. Alle vier sind dem VfR Garching seit Jahren verbunden, sagt Jugendleiter Günter Niebauer. Andreas O. hatte lange als Jugendtrainer gearbeitet neben seinem Beruf als Koch einer Großkantine. Er sei immer gesund gewesen, sagt Niebauer. Einer, der nicht raucht, nicht trinkt, auf seine Ernährung achtet. Auch die Tatsache, dass O. vor dem Spiel der U11-Junioren am Samstag bereits eine andere Begegnung gepfiffen hatte, hält Niebauer für nicht ursächlich. Viel schwerer wiegt wohl, dass Vater und Mutter bereits an Herzinfarkt gestorben sind.

Mit der Familie hoffen nicht nur die Vereinsmitglieder auf die Genesung ihres Freundes. Auch Friedrich Bärnthol (51) wünscht sich sehnlich, dass Andreas O. den Herzinfarkt gut übersteht. Der Vater eines Buben (10) des FC Eintracht München wollte sich eigentlich nur einen vergnügten Fußball-Tag machen. Stattdessen rettete er Leben. Gemeinsam mit einem anderen Vater war er es, der die Anweisungen der Leitstelle in die Tat umsetzte. Und es ist das erste Mal, dass Bärnthol anwenden muss, was er vor 15 Jahren in einem Ersthelferkurs gelernt hat. Bärnthol arbeitet als Versuchsingenieur bei BMW. Da gehöre ein solcher Kurs samt Auffrischung alle zwei Jahre dazu, sagt er. Eine Ausbildung, die ihm hilft für die Minuten, in denen Andreas O. zwischen Leben und Tod hängt. „Ich habe versucht, realistisch zu bleiben und möglichst nicht emotional zu reagieren“, sagt er. Ein „mächtiger Adrenalinschub“ habe ihm geholfen, durchzuhalten. Als der Rettungswagen mit O. abfährt, macht er sich mit seinem Sohn auf den Heimweg. Seine Gedanken aber bleiben beim Kranken. Später einmal wird er ihn besuchen. „Ich fühle mich im verbunden“, sagt er.

Rubriklistenbild: © dpa

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