Ehepaar wählt den Notruf

Insekten-Invasion: Tausende Marienkäfer an und in einem Haus

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Überall Käfer: Die Nahaufnahme links zeigt die Tiere, rechts Elfriede Schmid, die sich gegen die tierischen Besucher zur Wehr setzt.

Aßling – Millionen Marienkäfer am und im Haus? So geschehen in Aßling: Eine friedliche Käfer-Invasion hat das Ehepaar Schmid am Wochenende erlebt.

Als Elfriede (69) und Alexander (74) Schmid aus Aßling am Tag der Deutschen Einheit von ihrem Radlausflug heimkamen, trauten sie ihren Augen nicht: Auf der Fassade, den Fenstern, auf dem ganzen Haus krabbelten Millionen Marienkäfer. Nicht die einheimische, rote Spezies mit schwarzen Punkten, sondern die asiatische, gelblich-gefärbte, die vor Jahren nach Deutschland eingeführt worden war und die sich explosionsartig verbreitet hat. Was tun? „In meiner Verzweiflung habe ich den Notruf gewählt“, erzählt Elfriede Schmid am Sonntag, dem Tag danach.

In der Integrierten Leitstelle dachte man zunächst an einen Scherz, dennoch ging die Meldung weiter an die Freiwillige Feuerwehr Aßling. Mit dem Stichwort: „Insekten“. Kommandant Johann Vogt fragte sicherheitshalber nach und erfuhr, dass es sich um eine Marienkäfer-Invasion handle. Die Käfer krabbelten aus der Isolierung des 100 Jahre alten Eisenbahner-Hauses am Aßlinger Bahnhof hervor, berichtet Elfriede Schmid. Zu Tausenden, zu Millionen. Ihr Haus war das einzige, das betroffen war. „Vermutlich waren sie aufgrund der Wärme und Sonneneinstrahlung hervor gekrochen“, glaubt die 69-Jährige. Vor ein paar Jahren sei dies schon einmal passiert.

Als erste Maßnahme holten sie und ihr Mann Staubsauger und Gartenschlauch, um der Invasion Herr zu werden. Mit Wasser spritzten sie die Käfer von den Wänden, mit mehreren Staubsaugern versuchten sie, die Tiere wegzubekommen. Doch die Zahl war zu groß, weshalb die Schmids ihr Vorhaben wieder aufgaben.

Aufgrund des Alarms aus der Leitstelle waren in der Zwischenzeit zahlreiche Einsatzkräfte im Aßlinger Feuerwehrhaus eingetroffen. Dort entschied Kommandant Johann Vogt, sich zunächst selbst zusammen mit einem Kollegen ein Bild von der Lage zu machen. „Tatsächlich war alles voll mit den Käfern“, berichtet er. Mit einem Feuerwehrschlauch zu Werke gehen wollte er aber nicht, „da hätten wir nur mehr Schaden angerichtet“. Also blieb nichts anderes übrig als der Rat: „Abwarten“. Einer der Passanten, die die Invasion beobachtet hatten, schlug den Schmids vor: „Fahrt’s derweil in den Biergarten, bis die Tiere wieder weg sind.“

Das haben Elfriede und Alexander Schmid nicht getan. Sie gingen ins Haus, wo mittlerweile auch schon viele Marienkäfer umherkrabbelten und -flogen, und harrten der Dinge. „Als es abends kühler wurde, waren die Tiere auf einmal alle wieder weg“, erzählt die 69-Jährige. Wohin sie verschwunden sind? Niemand weiß es. Warum sie aufgetaucht sind? „Ich habe keine Erklärung“, antwortet die Aßlingerin. Als sie und ihr Mann versuchten, den Käfern Herr zu werden, hätten diese sie sogar angegriffen und zugebissen.

Abends war für das Ehepaar Schmid der Spuk wieder vorbei. Ob und wann er wiederkommt, weiß niemand. „Das Haus abreißen können wir nicht, es ist ja ein Eisenbahner-Haus“, sagt Elfriede Schmid. Darüber hätten sie nicht zu bestimmen. Am Sonntag war von den Tieren nichts mehr zu sehen.

Für die Feuerwehrleute war der Einsatz schnell wieder vorbei, ausrichten konnten sie nichts. „So einen Fall hatten wir noch nie“, berichtet Kommandand Vogt. Kurze Zeit später mussten die Einsatzkräfte wieder ausrücken – zu einem schweren Unfall.

Armin Rösl

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