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"Kaltblütig und brutal": Die Vernehmung von Christoph W. 

Notzing - Emotions- und teilnahmslos, sachlich, nüchtern – diesen Eindruck haben Christoph W. und Cornelia R. bei ihren Vernehmungen nach dem Doppelmord von Notzing hinterlassen. Der Fall ist auch für erfahrene Kriminaler eine absolute Ausnahmesituation.

Christoph W. (21) ging bei der Ermordung von Franz (60) und Heidi R. (54) R. nicht nur äußert brutal, sondern auch kaltblütig vor. Er stieg ins Haus ein und passte den Vater ab, um ihn mit fünf Stichen zu töten. Seelenruhig wartete er dann auf die Heimkehr von Heidi R. einige Stunden später. Im Blutrausch tötete er sie mit 30 Messerstichen sowie Schlägen mit Axt und Eisenstange. Ihr galt sein Hass, denn vor allem sie soll gegen die Beziehung gewesen sein. Die Leichen schaffte er in den Keller, das Haus war voller Blut. Die Tatwerkzeuge wurden in Christoph W.s Wohnung in Freising sichergestellt.

Am Nachmittag fing er seine Ex-Freundin Cornelia R., die 17-jährige Tochter, ab. Die Auszubildende zur Bürokauffrau hatte am Tattag, dem vorigen Freitag, Berufsschule in Erding und war mit dem Linienbus nach Notzing gefahren. Oberstaatsanwalt Ralph Reiter berichtet, dass der Tatverdächtige „das Mädchen sofort in Beschlag genommen hat. Er hat Druck auf sie ausgeübt und ihr klargemacht, dass sie nicht mehr aus der Nummer rauskomme.“ Cornelia R. fügte sich diesem Schicksal.

„Und dennoch glauben wir nicht an eine planvolle Tat“, sagt Reiter. „Alle Vorgänge nach dem Doppelmord sprechen dagegen.“ Denn was zwischen Freitnachmittag und Samstagmorgen passierte, ist für den Ankläger an Irrationalität nicht zu überbieten. Das Vorhaben habe scheitern müssen. „Vor allem wundern wir uns, wie lange sich die beiden an den Leichen zu schaffen gemacht haben.“ Drei Mal wurde der Vater ins Auto gepackt und zunächst in Lengdorf, dann am Notzinger Weiher und schließlich wieder zu Hause ein- und ausgeladen. Im Rohbau scheiterte sogar ein Verbrennungsversuch mit Benzin, bei dem der Tote übelst zugerichtet wurde. „Üblicherweise verschwindet ein Mörder vom Tatort und versucht, das Geschehene aus dem Kopf zu bekommen.“ Dies sei ein ganz natürlicher Mechanismus zum Eigenschutz.

„Es ist unvorstellbar, welche körperliche, aber auch psychische Belastung das war – gerade für das Mädchen“, meint Reiter. Er glaubt daher, dass Cornelia R. „bis heute nicht realisiert hat, an was sie da beteiligt war“. Dass nur der Vater durch die Gegend gefahren wurde und nicht die angeblich viel verhasstere Mutter, dürfte Zufall gewesen sein. „Wir glauben, dass das Auto für beide Körper zu klein war“, mutmaßt Reiter.

Am Sonntagabend, das haben die Ermittlungen mittlerweile ergeben, trafen sich beiden mit Cornelias Bruder Andreas im notdürftig gesäuberten elterlichen Haus. Er, in Sorge um seine Eltern, wollte wissen, woher das viele Blut stamme. Reiter berichtet, dass der 29-Jährige bei diesem Gespräch Christoph W. vors Haus gebeten habe, um die Wahrheit zu erfahren. Cornelia R. packte schließlich aus. „Da muss Christoph W. seine Ausweglosigkeit erkannt haben. Daher ist er zur Polizei gefahren und hat sich gestellt“, so der Ankläger. Diesen überstürzten Abgang hatten Zeugen beobachtet. Kurz darauf traf die Kripo an der Schlossstraße ein.

Cornelia R. wurde umgehend aufs Revier gebracht. Reiter erinnert sich, „dass beide über die Tat gesprochen haben als wäre es ein Kavaliersdelikt.“ Kein Wort des Bedauerns sei gefallen, „das lief völlig emotionslos ab“.

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Die Doppelhaushälfte in Lengdorf soll sich der Azubi nur dank finanzieller Unterstützung seines älteren Bruders und viel eigene Arbeit geleistet haben können. Die Obduktion der Leichen wurde am Dienstag abgeschlossen. Sie sind freigegeben.

Hans Moritz

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