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Massen feiern Comeback von Kaltenburger Ritterturnier - Bereits am ersten Abend besonderer Rekord geknackt

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Von: Helga Zagermann, Ulrike Osman

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Schlussapplaus für die Mitwirkenden des Ritterturniers: Kurz nach 22 Uhr am Samstag ist die Premiere vollendet. Das Publikum feiert Stuntmen, Ritter und Artisten.
Schlussapplaus für die Mitwirkenden des Ritterturniers: Kurz nach 22 Uhr am Samstag ist die Premiere vollendet. Das Publikum feiert Stuntmen, Ritter und Artisten. © Helga Zagermann

Die Kaltenberger Ritterspiele haben mit drei ausverkauften Veranstaltungstagen ihr Comeback nach der Corona-Pause gefeiert. Massen strömten zu dem Mittelalter-Spektakel im Landkreis Landsberg.

Kaltenberg – Fröhlich und entspannt sind die Kaltenberger Ritterspiele mit der Gauklernacht gestartet. Rund 13.000 Besucher ließen sich am ausverkauften Eröffnungsabend auf dem stimmungsvoll gestalteten Schlossgelände in die Welt des Mittelalters entführen. Hunderte Mitwirkende sorgten für einen höchst abwechslungsreichen Abend.

Kaltenberger Ritterturnier 2022: 13.000 Besucher am ausverkauften Eröffnungsabend

Besuchern wie Darstellern war die Freude darüber anzumerken, wieder das typische Ritterspiel-Feeling genießen zu können, und das auch noch an einem Sommerabend wie gemalt. Das Gelände mit seinen historisch gestalteten Buden und Häuschen präsentierte sich in gewohnter Mittelalteroptik, auf fünf Bühnen zeigten Artisten, Gaukler, Musikanten und Tänzer ihr Können.

Künstlerin Mirimah faszinierte die Zuschauer mit einem Schlangentanz.
Künstlerin Mirimah faszinierte die Zuschauer mit einem Schlangentanz. © Peter Weber

Auch die Arena, wo an den übrigen Turniertagen die Lanzen krachen und Pferdehufe donnern, gehört in der Gauklernacht traditionell den Feuerkünstlern und Tanzgruppen. Tanzen im tiefen weichen Sand? Ja, ganz einfach ist das nicht, erzählten die sechs Frauen der Ulmer Tanzgruppe Filia Draconis im Anschluss an ihren ersten Auftritt des Abends. Aber Spaß macht es trotzdem.

Die Gruppe verbindet in ihren sogenannten Tribal-Style-Tänzen Elemente aus unterschiedlichen Kulturen. Manches wirkt orientalisch, anderes sieht nach indischem Tempeltanz aus. Schließlich balancieren die Frauen in aufwändig verzierten schwarzen Kleidern sogar Krummsäbel auf dem Kopf.

Kaltenberger Ritterspiele: Auffällig viele Zuschauer passen sich kleidungstechnisch an

Typisch für das Kaltenberger Mittelalter-Festival ist die Melange aus Profis, Laien und Liebhabern – ob jemand Mitwirkender ist oder lediglich ein passend kostümierter Besucher, ist nicht immer zu unterscheiden. Doch schon am ersten Wochenende zeigte sich: Auffällig viele Zuschauer hatten sich der Kulisse kleidungsmäßig angepasst, die meisten Frauen hatten zumindest ein Glöckchen-Band am Fußknöchel.

War nicht allen geheuer: Hexe Walpurga.
War nicht allen geheuer: Hexe Walpurga. © Peter Weber

Das passte gut, denn die Show findet nicht nur auf den Bühnen statt. Da werden „Geteerte und Gefederte“ durch die Straßen gezerrt, Walking Acts schreiten auf Stelzen durch die Menge. Unter Bäumen lagern Mittelaltergruppen und kochen über offenem Feuer, und überall geistert grimassenschneidend und sich verrenkend Narr Wandelbar herum. Auch den großen Gauklerumzug führte das Kaltenberger Urgestein an, das heuer zum 30. Mal bei den Ritterspielen dabei ist.

Prosit bei der Küchenmeisterey: Hier werden Mittelalter-Rezepte mit damaliger Technik gekocht.
Prosit bei der Küchenmeisterey: Hier werden Mittelalter-Rezepte mit damaliger Technik gekocht. © Peter Weber

Schnell gefüllt waren die Sitzbänke vor den Bühnen, wann immer dort die nächste Nummer begann. Auf dem Marktplatz jubelte die Menge dem Kristallmagier zu, der Glaskugeln – darunter eine brennende – über Hände, Arme, Schultern, Rücken rollen ließ. Vor der Waldbühne amüsierte man sich über das Gaukler-Duo Opus Furore, das auf zwei hohen Einrädern mit brennenden Fackeln jonglierte und seine Späße mit Freiwilligen aus dem Publikum trieb. Mit einbrechender Dunkelheit gehörten die Bühnen dann den Feuerkünstlern. Das große Feuerwerk allerdings musste ausfallen – aufgrund der Trockenheit war es nach Meinung von Veranstaltern, Feuerwehr und Feuerwerkern nicht sicher durchführbar.

Kaltenburger Ritterturnier 2022: La-Ola-Wellen-Rekord am ersten Abend

Einen Abend später, am Samstag, ging es dann weiter: mit der Premiere des Turniers. Es ist zur Tradition geworden bei den Kaltenberger Ritterspielen: Wenn ein Mitwirkender oder ein Besucher „Jubel!“ ruft, dann jubeln wirklich alle – und viele rufen dann auch „Jubel!“. Beides war bei der Premiere des Ritterturniers ständig zu hören – so begeistert waren Zuschauer, aber auch Darsteller von der Atmosphäre.

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Die Geschichte des Turniers heißt „Der Feldherr des Königs“, erdacht von Thomas Limpinsel und umgesetzt unter der Regie von Alexander May. Dass die Erzählung lebendig wird, dafür sorgt erneut – übrigens zum sechsten Mal in Folge – Sprecher Johannes Steck. Ein alter Bekannter ist auch Mario Luraschi, mit seinen Stuntreitern der Gruppe Cavalcade seit 2005 in Kaltenberg zu sehen. Was die Reiter um Hauptdarsteller Marco Luraschi in der Arena präsentierten – von Stunts bis hin zu Lanzenkämpfen – riss die Zuschauer von den Plätzen und führte bereits am ersten Abend zum La-Ola-Wellen-Rekord.

Kaltenberger Ritterturnier
Da splittert die Lanze: Held Egmund muss zum Schluss vier Tjosten hintereinander gewinnen. © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Feldherr Egmund soll in der Geschichte das Erbe von König Richard antreten. Doch natürlich beansprucht Richards Sohn Sewalt die Macht für sich. Der jahrelang als „Schwarzer Ritter“ gefeierte Frédéric Laforêt mimt Sewalt als grimmigen Bösewicht. Und da sind als Gegengewicht zum „Jubel“ für Egmund natürlich laute „Buh“-Rufe vom Publikum nötig.

Waghalsige Stunts, Kampfszenen und Triumph-Ritte mit Fahnen – dazu eine kleine Liebesgeschichte und ein heimtückischer Mord: Die Show vereint das, was die Turniere schon immer ausgezeichnet hat und was das Publikum sehen will. Doch das Ganze wird mit ein bisschen Selbstironie sehr passend gebrochen: in Form einer Slapstick-Kampfnummer.

Natürlich siegt zum Schluss das Gute – und dann gibt es noch einmal viel „Jubel!“, als alle Mitwirkenden in die Arena kommen. Nach dem Turnier zieht es die meisten Zuschauer zu den Bühnen. Besonders gefeiert werden die „Könige der Spielleute“, die Musiklegenden von Corvus Corax.

Noch sechsmal ist all das zu erleben: am 22./23./24. und 29./30./31.Juli.

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