Brand an der Wiesn breitet sich aus - Spezialisten vor Ort

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Arbeitsplatz-Organisation eingestellt

Asylhelfer extrem frustriert

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Deutschunterricht im Bürgerhaus Hubertus: Asylhelfer wie hier Britta Arnold engagieren sich stark für die Integration von Flüchtlingen. Doch oft gibt es Probleme mit Behörden, viele Asylhelfer sind frustriert. In Krailling hat sich ihre Zahl halbiert.

Immer mehr Mitglieder des Kraillinger Helferkreises Asyl legen ihre Arbeit nieder. Sie werfen den Behörden vor, sämtliche ihrer Bemühungen zu sabotieren.

Krailling – Edith Sassen versucht gar nicht erst, ihre Wut und Enttäuschung zu verbergen. Die Inhaberin der Planegger Dorfgalerie setzt sich für die Flüchtlinge ein, die im Containerdorf auf der Kraillinger Sanatoriumswiese untergekommen sind. Und sie erhebt schwere Vorwürfe gegen das Landratsamt Starnberg. Dieses würde verhindern, die Flüchtlinge in ein Arbeitsverhältnis zu bringen. „Im Landkreis Starnberg sitzen Hunderte junger, gesunder und fleißiger Männer in ihren Unterkünften und dürfen nicht arbeiten“, so Sassen. Nicht nur, dass die Bearbeitung der Anträge oft Monate dauern würde. Die meisten würden auch abgelehnt werden. Grund seien beispielsweise fehlende Pässe oder nicht vorhandene Deutschzertifikate.

Den Bereich „Arbeitsplatz-Organisation“ hat der Helferkreis Krailling mittlerweile ganz eingestellt. Und das, obwohl sich das Engagement stets ausgezahlt habe. „Ich betreue acht Pakistani und hätte für jeden locker zwei Arbeitsplätze gefunden“, so Edith Sassen. Tatsächlich arbeiten dürften aber nur zwei. Sie selbst würde auch jemanden für ihr Unternehmen einstellen, bekommt aber ebenfalls keine Genehmigung.

Der „Kampf gegen Windmühlen“ sei für alle Beteiligten extrem frustrierend. Das bestätigt auch Konrad Kraft, Initiator des Kraillinger Helferkreises. Er bemerke, dass immer mehr Ehrenamtliche die wahren Ausmaße zu spüren bekämen. Die Folge: Die Zahl der Helfer, die sich tatsächlich noch mit Leib und Seele für die Belange der Flüchtlinge einsetzen, liege derzeit bei rund 50 und habe sich damit mehr als halbiert.

Laut Edith Sassen wiegen die Folgen, die die fehlenden Arbeitsgenehmigungen für die jungen Männer haben, weitaus schwerer. So würden Unterforderung und Unzufriedenheit zu einer gesteigerten Kriminalität beitragen. Um an Geld zu kommen, würden die Flüchtlinge geradezu in die Schwarzarbeit und sogar die Prostitution getrieben werden. „Das ist auch in Krailling zu beobachten“, so Sassen. Und das alles nur, weil das Landratsamt Starnberg sich weigere, Arbeitserlaubnisse zu erteilen. In München sei dies anders, dort dürften deutlich mehr Flüchtlinge einer Arbeit nachgehen.

Diese Vorwürfe weisen sowohl das Landratsamt München als auch das Landratsamt Starnberg zurück. „Es gibt rechtliche Vorschriften, die wir einhalten müssen“, erklärt Barbara Beck, Pressesprecherin des Landratsamtes Starnberg. Und gerade der Identitätsnachweis sei eine Grundvoraussetzung, um einen Flüchtling in ein Arbeitsverhältnis zu bringen. Das bestätigt auch Christine Spiegel, die im Landratsamt München für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. „Natürlich nutzen wir die Spielräume, die uns zur Verfügung stehen, aus. Aber es gibt auch für uns rechtliche Grenzen.“

Doch auch der Umgang mit Flüchtlingen, die bereits eine Arbeitserlaubnis bekommen haben, sorgt bei Edith Sassen für Ärger. So müssten die Flüchtlinge für ein Bett im Container, den in der Regel sechs Leute belegen, rund 330 Euro bezahlen. Dieser Mietpreis, den die Regierung von Unterfranken festgelegt hat, betrifft zwar nicht nur die Unterkunft in Krailling. Dennoch gilt vor allem in Starnberg die Finanzierung der Containerdörfer als cleverer Schachzug. Der Landkreis hatte sie für rund 20 Millionen Euro angeschafft und vermietet sie nun für zehn Jahre an die Regierung von Oberbayern. Landrat Karl Roth rechnet mit einem Überschuss von einer Million Euro pro Jahr. Mit dieser Summe soll der mindestens 550 000 Euro teure Rückbau pro Anlage beglichen werden.

Für Edith Sassen geht diese Rechnung nicht auf. Gemeinsam mit den anderen Helfern kämpft sie auch weiterhin dafür, dass ihre Schützlinge arbeiten dürfen und angemessene Mieten bezahlen. Sassen: „Ich gebe die Hoffnung nicht auf.“Karin Priehler

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