Ja pfui...

Ekel-Grüße: Bestialischer Gestank nervt die Anwohner

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In Schloss Elmau ist man sich keiner Schuld bewusst.

In Klais stinkt’s gewaltig. Das hat mit dem Kanal zu tun, dessen fauliger Abwasser-Geruch die Anwohner nervt. Die Gemeinde Krün möchte nun mittels einer technischen Vorrichtung das Problem lösen. Doch bei den Kosten (80 000 Euro) will der vermeintliche Verursacher – Schloss Elmau – nicht mitmachen.

Krün – „Es ist nicht richtig, die Probleme auf Schloss Elmau abzuwälzen“, sagt Holger Otto im Brustton der Überzeugung. Als einziger hat der Mann von der Klaiser Liste im Gemeinderat Krün gegen die Anschaffung einer sogenannten Dosieranlage gestimmt. Damit möchte die Kommune die Geruchsprobleme im Abwasserkanal zwischen den Ortsteilen Elmau und Klais ein für alle Mal in den Griff kriegen.

Warum Otto im Rathaus gegen die 80 000-Euro-Investition votierte, begründete er in der Aussprache nicht. Nicht wenige aber fragen sich, ob er als Technischer Direktor des Fünf-Sterne-Superior-Hotels an der Abstimmung wegen Befangenheit überhaupt hätte teilnehmen dürfen. Wie sehr Otto in die Sache von Berufs wegen involviert ist, klingt im Tagblatt-Gespräch durch. Er findet es nicht fair, das Geruchsproblem „auf unsere Fettabscheider zu schieben“.

Fette und warmes Wasser von Schloss Elmau gelangen in den Kanal

Wie auch immer: Die Ekel-Grüße aus dem Gully sind – gerade im Ortsteil Klais – bisweilen sehr streng. Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU) formulierte es im Gemeinderat sogar noch drastischer. „Da stinkt’s bestialisch.“ Alle – bis auf Otto – waren sich einig: Im Bedarfsfall soll mittels einer Eisenchlorid-Lösung das faulige Abwasser im Kanal über eine technische Vorrichtung neutralisiert werden. Diese möchte man nahe der Pumpstation bei Schloss Elmau installieren.

Heuer im Januar hatte die Gemeinde eine Untersuchung in Auftrag gegeben, um die Ursache des Gestanks zu klären. „Eine sehr komplizierte Geschichte“, verdeutlicht Schwarzenberger. Die Experten stellten unter anderem fest, dass durch den regen Hotelbetrieb viele Fette und warmes Wasser in die Kanalrohre gelangen. Diese Brühe sammelt sich anschließend längere Zeit in der Druckleitung, ehe es weiter vorbei an Kranzbach Richtung Klais gepumpt wird. „Das beschleunigt natürlich den Faulprozess“, erläutert Otto.

Der Technik-Direktor verweist in diesem Zusammenhang auf die Historie des Abwasserkanals. Bis zum G7-Gipfel (Juni 2015) verfügte die Nobelherberge nämlich über eine Bio-Kläranlage. „Unsere Werte waren immer die besten“, versichert Otto. Erst nach dem geforderten Anschluss ans örtliche Kanalsystem und die langen Stehzeiten in der Druckleitung seien die Geruchsprobleme aufgetreten. Daher sind sich die Elmauer auch keiner Schuld bewusst. Demzufolge soll laut Otto sein Chef Dietmar Müller-Elmau auch nicht bereit sein, sich an den Kosten zu beteiligen. Selbst dann nicht, wenn das Projekt mit Staatszuschüssen von bis zu 60 Prozent gefördert wird.

Es bedarf also beim Bürgermeister diplomatischen Geschicks, um zur Finanzierung der Dosieranlage, die von den Gemeindewerken Mittenwald betreut und gewartet werden soll, mit allen Beteiligten eine einvernehmliche Lösung herbeizuführen.

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