Sie lag auf dem Bauch

Security-Mann soll Frau an Badesee mit Bußgeld gedroht haben - weil sie oben ohne in der Sonne lag

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Oben ohne am See sonnen? Im Dachauer Freibad (Bild) beispielsweise gilt ein strenges Oben-Ohne-Verbot.

Ein Security-Mann soll einer Frau ein Bußgeld angedroht haben, weil sie oben ohne am Karlsfelder See lag. Das beschäftigt nun Behörden und Politik.

„Innerhalb des Erholungsgebiets ist alles zu vermeiden, was die Sicherheit, Ordnung, Sittlichkeit, Ruhe und Sauberkeit beeinträchtigt oder gefährdet.“ Was in Paragraph 3, Ziffer 1 der „Satzung über die Benutzung des Erholungsgebietes Karlsfelder See“ – mehr oder weniger – geregelt ist, löst laut Bernd Wanka, CSU-Gemeinderat in Karlsfeld, „das Problem sicher nicht“. Wanka versucht nämlich seit drei Tagen herauszufinden, wie viel Freizügigkeit am Karlsfelder See offiziell erlaubt ist. Inoffiziell, so viel ist zumindest klar, hat sich seit Jahrzehnten kein Badegast daran gestört, wenn Frauen im Sommer oben ohne am Ufer liegen.

Security-Mann soll Frau am Karlsfelder See Bußgeld angedroht haben

Doch ein Security-Mann machte dem friedlichen Zusammenleben zwischen den (vielen) bekleideten und den (wenigen) unbekleideten Seebesuchern am Sonntag nun ein Ende. Denn: Der Mann soll eine auf dem Bauch liegende Frau, die ihr Bikini-Oberteil geöffnet hatte, auf ihr unsittliches Verhalten hingewiesen und mit einem Bußgeld in Höhe von 80 Euro bedroht haben. In der Gemeinde Karlsfeld ist daraufhin eine hitzige Diskussion entbrannt; Wanka wie die meisten Gemeindebürger sieht es so: Solange das Oben-Ohne-Sonnenbad „dezent und kultiviert“ stattfinde, sehe er „kein Problem“. Frauen ohne Bikinioberteil dagegen ein Bußgeld anzudrohen, kriminalisiere diese.

Überhaupt findet Wanka die Sache rechtlich schwierig, denn: „Wenn sich niemand belästigt fühlt, muss man doch die Bevölkerung nicht schützen!“ Weder das Landesstrafverordnungs-, noch das Ordnungswidrigkeitengesetz würden dazu eindeutige Aussagen treffen. Die Gemeinde Karlsfeld, so Wanka, solle das Thema daher „legalisieren“, im Sinne von: „Wir sollten uns überlegen, ob wir eine bestimmte Zone ausweisen.“

Baden und Sonnen am Karlsfelder See: „Alles verboten, was gegen die Sittlichkeit verstößt“

Einziges Problem daran: Die Gemeinde Karlsfeld ist nicht zuständig. Der See liegt zwar auf Gemeindegebiet, wird aber vom Landkreis im Auftrag des „Vereins zur Sicherstellung überörtlicher Erholungsgebiete in den Landkreisen um München“ betrieben. Was also am Karlsfelder See passiert, das regelt das Landratsamt mit den Verantwortlichen des Erholungsvereins; der Kreistag segnet etwaige Beschlüsse ab.

Zum aktuellen Fall zeigt sich das Landratsamt aber offen: Zwar sei am See „alles verboten, was gegen die Sittlichkeit verstößt“, so ein Sprecher. Allerdings werde diese Sittlichkeit nicht gefährdet, wenn eine Frau „allein oben ohne“ sonnenbade. Weitere „Faktoren“, die ein Oben-Ohne-Bad unsittlich werden lassen, seien beispielsweise, ob die Frau neben einem Spielplatz liege, anstößig posiere oder womöglich sexuell mit ihrem Freund zugange sei. Eine Frau, die also oben ohne unter einem Baum liegend den Sommer genießt, habe demnach nichts zu befürchten.

Ein ganz ähnlicher Fall ereignete sich übrigens im Sommer 2017 im Freibad Dachau. Eine Frau wollte sich dort bräunen, lag auf dem Bauch und hatte ebenfalls ihr Oberteil geöffnet - prompt kam der Bademeister, berichtet Merkur.de*.

Oben ohne am Karlsfelder See: Landrat äußert sich zu Diskussion

Hinzu kommt laut dem Sprecher nämlich: Der Security-Dienst, den das Landratsamt in den vergangenen Jahren massiv aufgestockt und der sich vorrangig um die Themen Müll, Ruhestörung und Tiere zu kümmern hat, sei gar nicht befugt, Bußgeldbescheide auszustellen. Security-Mitarbeiter dürfen demnach lediglich Personalien aufnehmen und den Sachverhalt an das Landratsamt weitergeben, welches dann am Ende die rechtliche Prüfung vornimmt. „Wir sehen nichts schwarz-weiß, es werden immer die Umstände geprüft“, so der Sprecher.

Landrat Stefan Löwl findet die ganze Diskussion um das Thema Nacktheit grundsätzlich „schade“. Das frühere „leben und leben lassen“ sowie gegenseitige Rücksichtnahme würden heutzutage immer weniger gelten. Stattdessen lebe „jeder seine Freiheiten bis zum Exzess aus“, andere bestünden auf immer umfassenderen Regeln.

Wenn nun der Bedarf nach einer „Adults only“-Zone bestehe, also nach einem Bereich nur für Erwachsene, so Löwl, „werden wir es diskutieren“. Bereits geplant sei die Einrichtung einer „Ruhezone“ am See. Viele Gäste, so Löwl, hätten sich nämlich über laute Musik beschwert. Für Diskussion sorgte laute Musik auch im Freibad Dachau (Merkur.de*).

Oben ohne sonnen und baden - die Regelungen in den Bädern im Landkreis Dachau

Im Freibad Ainhofen geht es am Entspanntesten zu: „Wir sehen das Oben-ohne-Thema nicht so streng“, erklärt Olaf Schellenberger, zweiter Vorsitzender des VfB Ainhofen. In der 60-jährigen Freibad-Geschichte habe es noch nie ein Problem mit dem Thema gegeben. Hier gilt die Regel: Wenn sich keiner gestört fühlt, ist oben ohne okay; so bald es jemanden stört, „bitten wir die Dame, sich ein Oberteil anzuziehen.“ 

Strenger sind die Regeln im Naturbad Vierkirchen – hier herrscht offiziell „Texilpflicht“. „Wir sehen uns grundsätzlich als Familienbad, bei uns sind täglich sehr viele Kinder als Besucher im Bad, deshalb haben wir seinerzeit diese Regel so aufgestellt“, erklärt Bürgermeister Harald Dirlenbach. „Außerdem war bei der Entscheidungsfindung unsere Meinung, dass es genügend Badeseen in der Umgebung gibt, wo Freizügigkeit erlaubt oder geduldet ist.“ Probleme habe es deshalb noch nie gegeben. 

Auch im Dachauer Freibad gilt die Textilpflicht. „Oben ohne sonnen ist bei uns nicht erlaubt“, sagt Barbara Kern, Abteilungsleiterin Bäder der Stadtwerke Dachau. „Die Besucher akzeptieren das ohne Probleme.“ Dort sorgten im vergangenen Sommer zwei Münchnerinnen für Aufsehen, die nachts nackt im Familienbad badeten (Merkur.de). cb

*Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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Kommentare

KnalltüteAntwort
(0)(0)

… oder eben doch.

KundendienstAntwort
(0)(0)

Stimmt, heutzutage dürfen Frauen sogar den eigenen Ehemann anzeigen, wenn er sie vergewaltigt werden. War bis in die 70er nicht möglich. Davon machen viele Frauen Gebrauch. Die Mehrheit davon sind Deutsche. Sie können Ihre Unterstellungen also bleiben lassen.

KundendienstAntwort
(0)(0)

Eigentlich nicht