Karussell im Graben: Hat jemand die Reifen gelockert?

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München - Bei Unterschleißheim ist am Freitag ein Karussell im Graben gelandet. Hat jemand die Reifen gelöst? Für das Bergungsteam sah es zumindest so aus.

Tausende von Kindern hat das Kettenkarussell von Schausteller Fritz Thalkofer schon glücklich gemacht – jetzt ist es aus mit dem Glücksbringer: Bei einem Unfall am Freitagabend auf der Autobahn 92 bei Unterschleißheim landete das nostalgische Gefährt (Baujahr 1966) total demoliert im Straßengraben. Für die Schaustellerfamilie eine Katastrophe: „Wir stehen vor dem Aus“, sagt Eigentümer Fritz Thalkofer geschockt.

Es war gegen 19 Uhr, als der 38-Jährige, der selbst die Zugmaschine des 30-Tonnen-Gespanns fuhr, plötzlich spürte, dass der Sattelzug ins Schlingern geriet. Irre: An der Zugmaschine hatten sich hinten links beide Reifen gelöst! Die Folge: Das Gespann krachte in den Graben, knallte gegen einen Baum und  drehte sich um 180 Grad. Das war zu viel für die Anhängerkupplung. Sie wurde gesprengt und der Auflieger samt allen Karussell-Teilen kippte um.

Dass Fritz Thalkofer mit einigen Prellungen und Schürfwunden den Crash überstand, konnte er am Sonntag selbst kaum fassen. Dafür macht ihn der Unfall fassungslos: „Die Leute vom Bergungsteam meinten, dass das Fahrzeug manipuliert worden sein muss!“ Wer die Radmuttern gelöst haben könnte, ist für Thalkofer aber ein Rätsel: „Ich hab’ keine Feinde. Ich vertrag’ mich mit allen gut.“ Für die Polizei ist der Fall noch unklar, die Untersuchungen laufen.

Bitter für den 38-jährigen Familienvater (die Kinder sind sechs Jahre bzw. sieben Monate alt): Das Karussell, das er in dritter Generation betreibt, ist kaum zu retten. „Und falls doch“, so Thalkofer, „ist die Reparatur wohl zu teuer.“

Versichert war die Fracht leider nicht. „Eine Transportversicherung kann ich mir nicht leisten – da ist mir die Krankenversicherung für meine Familie wichtiger.“  Und ein Neukauf? „Das krieg’ ich nicht finanziert“, so der Schausteller, „ein neues Karussell würde rund eine Million kosten.“

Zuletzt stand sein Schmuckstück als eine der Attraktionen auf dem Volksfest in Mammendorf (Kreis Fürstenfeldbruck), nächste Station wäre nun das Pfingstfest in Moos bei Plattling gewesen. „Den Platz dort übernimmt nun ein Kollege“, berichtet Thalkofer traurig. Zu gerne hätte er die Kinder auch dort glücklich gemacht.  Aber Thalkofer ist schon zufrieden, dass ihm nicht mehr passiert ist. „Einer von den Rettungskräften meinte, dass einen halben Meter weiter der nächste Baum gewesen wäre. Ich könnte jetzt meinen zweiten Geburtstag feiern.“

Angesichts der Existenznöte ist dem Vollblut-Schausteller aber nicht wirklich zum Feiern zumute: „Wir brauchen ganz dringend Hilfe. Ich weiß nicht, wie ich ohne unseren Kettenflieger meine Kinder ernähren soll.“

WdP

Hier liegt ein Karussell im Straßengraben neben der Autobahn

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