Kathi (14) spricht über ihren Kampf gegen Leukämie

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Bewahrt sich ihren Lebensmut: Kathi (14) aus Erding in der Kinderklinik Schwabing vor einem mutmachenden Plakat ihres Vereins Trisport Erding.

Erding - Seit fast vier Monaten kämpft Kathi (14) aus Erding im Schwabinger Krankenhaus gegen den Tod. Sie hat Leukämie. In ihrer Heimatstadt löste ihr Schicksal eine Welle der Solidarität aus. Jetzt haben wir Kathi besucht und mit ihr über den härtesten Wettkampf ihres Lebens gesprochen.

Wer Kathi in der kinderonkologischen Station der Klinik Schwabing besuchen möchte, muss strengste Hygienevorschriften einhalten: Hände desinfizieren, Mundschutz und Einwegkittel anlegen. Die 14-Jährige lebt seit September in einem isolierten Zimmer.

Darin hat es sich die Gymnasiastin so gemütlich gemacht, wie es in einer Medizinfabrik mit einem ganzen Maschinenpark neben dem Bett eben möglich ist. Auf der Fensterbank stehen ein pinker Christbaum und ein Foto, das Kathi mit ihrer besten Freundin zeigt. An der Wand lehnt eine Ukulele, im Eck steht ein Trimmrad. Kathis Blick geht zu einem Plakat, das ihr die Kameraden von Trisport Erding gebastelt haben. „We love Triathlon“ steht da in großen Lettern. Etwas kleiner heißt es darunter „Quäl Dich du Sau!“

Es ist aufmunternd gemeint. Denn Kathi, die Sportskanone, ist am 6. September zum härtesten Wettkampf ihres Lebens angetreten – gegen die Leukämie. „Wir waren aus einem ganz anderen Grund beim Blutabnehmen“, erinnert sich Kathi an den Tag, der ihr Leben verändern sollte. Noch am selben Tag die Schockdiagnose: Blutkrebs. Kathi konnte sich gerade noch von ihren Geschwistern verabschieden, dann fuhr sie mit Mama Karin in die Schwabinger Klinik.

Dort ist man auf krebskranke Kinder spezialisiert. 60 bis 80 kleine Patienten werden in der Kinderonkologie Jahr für Jahr aufgenommen. Bis zu 15 junge Patienten müssen jährlich erneut in Behandlung, weil der Krebs zurückgekehrt ist. 20 Betten hat die Station, eines davon wird Kathi zugewiesen – hinter zwei Türen, zwischen denen sich eine Hygieneschleuse befindet. Wegen der hohen Infektionsgefahr, darf die Erdingerin nicht allzu viel Besuch empfangen.

Die vierte Chemotherapie hat Kathi gerade hinter sich. Die Haare sind ihr schon im ersten Durchgang ausgefallen. „Das war eigentlich gar nicht so schlimm“, erinnert sie sich und schiebt sich die grüne Skimütze aus der Stirn.

„Ja, ich befasse mich schon mit dem Tod und Sterben“

Einmal hat sie seither nach Hause gedurft. Weihnachten musste sie in der Klinik bleiben. „Es war trotzdem ein ganz lustiges Fest“, erinnert sie sich. „Meine Familie war da , und wir haben im Jugendzimmer Raclette gegessen und ein bisschen gefeiert.“ Damals hatte sich noch das Ziel vor Augen, Silvester heimzudürfen. Doch am 31. Dezember bekam Kathi Fieber, die Auszeit wurde gestrichen.

Der Lebensmut der 14-Jährigen ist beachtlich, dabei drückt sie sich nicht vor der Realität. Nach der vierten Chemo wäre es nun an der Zeit, eine Knochenmark- beziehungsweise Stammzellentransplantation durchzuführen. Doch der genetische Zwilling ist noch nicht gefunden. „Das Ergebnis der Typisierungsaktion in Erding steht auch noch aus“, sagt Mutter Karin, die so oft wie möglich bei ihrer Tochter ist. Jetzt kann die Familie nur noch hoffen. Immerhin: Gesucht wird weltweit.

„Ja, ich befasse mich schon mit dem Tod und Sterben“, sagt Kathi. „Das bleibt nicht aus, aber ich versuche, es nicht zu nah an mich herankommen zu lassen.“ Dabei helfen ihr nicht nur die Familie, sondern auch die Ärzte „und all die vielen wirklich netten Schwestern“, so Kathi.

Ihr großes Ziel: Der Erdinger Stadtlauf

Nein, sie weiß, in Erding hat man sie nicht vergessen. Sie hat eine gute Sportsfreundin, mit der sie engen Kontakt hält. Von ihrer Klasse bekam sie einen Adventskalender, bei dem jedes Fensterl von einem Schulkamerad gestaltet wurde. Vor allem aber ist es ihr Verein Trisport Erding, der Kathi auffängt. „Es ist wirklich rührend, was die alles machen“, erzählt die Mutter. Immer wieder bekomme Kathi Filme oder DVDs, auf denen sich ihre Sportskollegen verewigt haben. Die Weihnachtsfeier wurde sogar live übertragen.

Wie sehr die Erdinger Anteil an ihrem Schicksal haben, beeindruckt Kathi sichtlich, gibt ihr Mut und Zuversicht. „Ich möchte mich bei allen ganz herzlich bedanken“, sagt Kathi, „ich find’s toll, das baut total auf.“ Ans Aufgeben denkt die Ausdauersportlerin nicht. „Mein ganz großes Ziel ist der Erdinger Stadtlauf“, verrät sie. Bis dahin hat sie noch neun Monate Zeit. Was würden die Erdinger dieses Comeback bejubeln.

Weitere Infos, wie man Kathi helfen kann, im Internet unter www.hilfe-fuer-kathi.de oder www.dkms.de

Hans Moritz

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