28-Jährige wurde schwanger

In katholischer Einrichtung: Pfleger vergewaltigt Behinderte

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Das Franziskuswerk in Schönbrunn.

Schönbrunn - Wahrscheinlich wäre die Tat nie publik geworden, wenn die Frau nicht schwanger geworden wäre: In der katholischen Behinderten-Einrichtung Franziskuswerk Schönbrunn ist eine 28-jährige vergewaltigt worden. Doch sie konnte sich nicht verständlich machen - weil sie behindert ist.

Schwerer sexueller Missbrauch einer widerstandsunfähigen Person: So lautet die Anklage gegen den 52-jährigen Pfleger aus dem Kreis Pfaffenhofen/Ilm. Er sitzt derzeit in Untersuchungshaft, wie Ken Heidenreich, Sprecher der Staatsanwaltschaft München II, mitteilte. Der Pfleger soll die 28-jährige Frau vermutlich im September vergangenen Jahres missbraucht haben. „Nähere Umstände dazu sind nicht bekannt“, so Heidenreich.

Fest steht: Die behinderte Frau könne sich nicht selbstständig an- und ausziehen – und somit auch nicht wehren. Außerdem wird sie nie artikulieren können, was die Vergewaltigung für sie bedeutet hat – sie kann sich nicht äußern oder kommunizieren. „Die Frau leidet an einer geistigen Behinderung und einer schweren Entwicklungsstörung.“

Die 28-Jährige wurde schwanger. „Der Verdacht einer Schwangerschaft ist im Heim aufgefallen, dann wurde von der Einrichtung aus die Polizei eingeschaltet“, sagte Heidenreich. Der mutmaßliche Täter war schnell verdächtig. Als die Frau im Mai ein gesundes Kind zur Welt brachte, wurde ein Gutachten erstellt – und der Verdacht wurde zur Gewissheit, dass der 52-jährige Mann aus dem Nachbarlandkreis die ihm zur Pflege anvertraute Person sexuell missbraucht hatte. Nun sind die Ermittlungen abgeschlossen, die Anklage wurde Mitte Juli erhoben und gestern zugestellt. Das Gerichtsverfahren beginnt laut Heidenreich frühestens im Herbst.

Das Franziskuswerk ist eine der großen Einrichtungen für Menschen mit Behinderung in Bayern, rund 850 Menschen mit überwiegend geistigen Behinderungen leben hier in verschiedenen Wohngruppen. „Wir befinden uns in engem Kontakt mit den Ermittlungsbehörden, damit die Tat umfassend aufgeklärt und der Täter bestraft werden kann“, so Geschäftsführer Markus Tolksdorf in einer Pressemitteilung. „Außerdem stehen wir in Kontakt mit den Angehörigen des Opfers.“

In einem Schreiben wandte sich Tolksdorf zudem an alle Mitarbeiter und Angehörige. Er informiert, dass es zu einem „gravierenden sexuellen Übergriff auf eine Bewohnerin des Franziskuswerks“ gekommen sei. „Aufgrund dieses Falles sexuellen Missbrauchs sehen wir uns veranlasst, die bestehenden Regelungen und Verfahrensabläufe im Franziskuswerk zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen.“ Deshalb hat das Franziskuswerk eine Arbeitsgruppe zur Prävention sexueller Gewalt eingerichtet. „Ziel und Aufgabe der Arbeitsgruppe ist es, die Strukturen des Franziskuswerks daraufhin zu überprüfen, ob sie sexuellem Missbrauch hinreichend und wirksam vorbeugen und die schnelle und umfangreiche Aufklärung möglicher Vorfälle befördern“, so Tolksdorf. Unterstützt wird die Arbeitsgruppe von der Rechtsanwältin Ute Dirkmann, Missbrauchsbeauftragte der Erzdiözese München und Freising. Sie steht Mitarbeitenden des Franziskuswerks, Betreuten und deren Angehörigen zur Verfügung, um über „mögliche ungeklärte Situationen und Erlebnisse“ zu sprechen.

Nikola Obermeier

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