Betrügerin verurteilt

Kauffrau (29) lebt in Saus und Braus - ohne zu bezahlen

Markt Schwaben - Das Pferd musste sie wieder hergeben, die Augenoperation kann ihr keiner mehr nehmen. Im Kaufrausch lebte eine 29-Jährige – allerdings ohne zu bezahlen.

Die junge Frau ist inzwischen nach Geretsried umgezogen. Früher wohnte sie zuerst in Pliening und dann in Markt Schwaben. Sie bestellte Möbel, Wäsche, DVDs und viele andere schöne Dinge übers Internet. Dumm nur: Die Frau konnte das alles nicht bezahlen, weshalb sie sich nun vor dem Ebersberger Schöffengericht wiederfand.

Der prominenteste Posten ihrer Betrugskarriere, die seit 2011 andauerte: Ein 12 000 Euro teurer Wallach, den sie, obwohl die Versicherungsangestellte quasi pleite war, geliefert bekam – das Pferd bestellte sie bequem auf Rechnung. Dafür und für einen ganzen Schwung anderer Betrugsdelikte war die junge Frau vor dem Amtsgericht München bereits 2014 zu einem Jahr und drei Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden.

Aber noch während die ertappte Betrügerin in der Landeshauptstadt vor dem Kadi stand, durchsuchte die Polizei ihre Markt Schwabener Wohnung. Es war schon wieder einiges aufgelaufen, darunter Online-Bestellungen unter falschem Namen und als Krönung eine Augenoperation für 4500 Euro. „Brille fand ich unästhetisch, das wollte ich nicht“, erklärte sie, warum sie der Augenklinik vorgegaukelt hatte, privatversichert zu sein.

Erwischt – und doch von Einsicht keine Spur: Nur zwei Tage nach Prozess und Hausdurchsuchung betankte sie ihr Auto – ohne zu bezahlen.

Das tat die Angeklagte innerhalb von wenigen Wochen insgesamt drei Mal, bei Tankstellen in Poing und Markt Schwaben. „Ich habe nie gelernt mit Geld umzugehen“, lautete ein Rechtfertigungsversuch der gelernten Bankkauffrau. Dass die 29-Jährige zunächst versuchte, immer neue Ausreden für ihre Taten zu finden, schmeckte dem Staatsanwalt gar nicht. „Ist Ihnen der Ernst der Sache überhaupt bewusst? Wollen Sie ins Gefängnis?“, las er der Betrügerin dafür kräftig die Leviten.

Das wollte die Angeklagte nicht und kam schließlich in die Gänge: „Ja, ich habe das alles gemacht. Ich wollte es haben. Die Konsequenzen waren mir egal, jetzt muss ich dazu stehen.“ Wegen ihrer Kaufsucht sei sie seit September in psychologischer Behandlung, ihre Schulden über 15.000 Euro versuche sie mit Hilfe eines Schuldnerberaters in den Griff zu bekommen.

Von dem „mühsam herausgearbeiteten Geständnis“ ließ sich der Anklagevertreter schließlich erweichen, zumal die Frau seit September einen gutbezahlten Job bei einer Versicherung hat und auch sonst den Anschein erweckte, ihre Kaufsucht langsam in den Griff zu bekommen. Der Forderung der Staatsanwaltschaft, der Geständigen noch eine letzte Chance zu geben, wollten auch die Verteidiger nicht mehr widersprechen.

Richter Markus Nikol fällte gemeinsam mit den Schöffenrichtern das Urteil: Die Angeklagte kommt mit einer weiteren Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten davon. Damit schweben nun zwei Damokles-Schwerter über ihr. Nikol gab ihr deshalb eine scharfe Mahnung mit auf den Weg, sie solle den Schaden wieder gutmachen und ihre Therapie fortführen: „Es wird erneut Vertrauen in Sie gesetzt. Nur ein kleiner Tankbetrug und Sie verbringen sicherlich mehr als drei Jahre im Gefängnis."

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

auch interessant

Meistgelesen

Pflege zu teuer: Pensionär holt seine Frau wieder nach Hause
Pflege zu teuer: Pensionär holt seine Frau wieder nach Hause
Vermisster 23-Jähriger wieder aufgetaucht
Vermisster 23-Jähriger wieder aufgetaucht
Schulbus auf Irrfahrt: Kinder in Panik
Schulbus auf Irrfahrt: Kinder in Panik
Starnbergerin erkrankt dreimal an Legionellen
Starnbergerin erkrankt dreimal an Legionellen

Kommentare