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Nicht nur wegen Corona: Traum von Laden-Besitzerin jäh geplatzt - schwere Vorwürfe gegen Stadt

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Die Tage sind gezählt: Marina Rossa ist pleite. Sie muss ihren Stoffladen am Schrannenplatz nach nur einem Jahr wieder schließen und hofft, dass der Räumungsverkauf, der bereits begonnen hat, wenigstens ein paar Euro einbringt.
Die Tage sind gezählt: Marina Rossa ist pleite. Sie muss ihren Stoffladen am Schrannenplatz nach nur einem Jahr wieder schließen und hofft, dass der Räumungsverkauf, der bereits begonnen hat, wenigstens ein paar Euro einbringt. © Gerda Gebel

Maßlos enttäuscht ist Laden-Besitzerin Marina Rossa aus Erding. Ihr Traum ist - aus verschiedenen Gründen - jäh geplatzt. Ende Januar muss sie ihren Stoffgeschäft schließen.

Erding – Überglücklich war Marina Rossa, als sie vor gut einem Jahr mit ihrem Stoffgeschäft vom Rätschenbach an den Schrannenplatz umziehen konnte. Nun ist die 41-jährige Erdingerin finanziell am Ende und muss ihren Laden Ende Januar schließen. Neben dem Corona-Lockdown sieht die Geschäftsinhaberin auch eine Mitschuld bei der Stadt Erding für das Debakel.

Hobbyschneiderin eröffnet Stoffgeschäft: Nach einem Jahr ist ihr Traum geplatzt

„Dass eine Baustelle vor der Tür ist, wusste ich schon bei der Ladenübernahme“, erklärt die dreifache Mutter, die ihr Stoffgeschäft zuvor bereits fünf Jahre lang am Rätschenbach betrieben hatte. Laut Auskunft des Bauamts der Stadt Erding sollte die Straßensanierung am Schrannenplatz bis Frühjahr 2021 fertig sein, sagt Rossa.

Sie eröffnete im Oktober 2020 hoch beglückt ihren Stoffladen mit Nähschule am Schrannenplatz, wo zuvor ein TUI-Reisebüro war. „Kulanterweise sind mir meine Vermieter, die Familie Glocker, mit der Miete für die ersten Monate sehr entgegengekommen, doch ab dem Frühjahr war dann die volle Miete fällig“, berichtet die Hobbyschneiderin. Laufend habe sie mit den Bauarbeitern diskutiert über die Positionierung der Absperrungen, um ihren Kunden überhaupt noch einen Zugang zu ihrem Geschäft zu ermöglichen.

Corona-Lockdown trifft Stoffgeschäft - Baustellen halten Kunden fern

Der nächste Tiefschlag war der coronabedingte Lockdown von Dezember 2020 bis Mai 2021. „Doch den hätte ich noch verkraftet“, versichert Rossa. Während die Baustelle vor der Tür weiterhin die erhoffte Laufkundschaft fernhielt und noch bis zum Herbst andauerte, begann direkt neben Rossas Stoffgeschäft der Abbruch des ehemaligen Lehner-Hauses, das der Volksbank gehört. „Nun war praktisch kein Durchkommen mehr zu meinem Stoffladen, ich musste täglich kämpfen, dass überhaupt noch ein Zugang frei blieb“, berichtet Rossa, die mittlerweile durch die fehlenden Kunden an ihre finanziellen Grenzen stößt.

„Ich habe mich dann schriftlich an die Stadt Erding mit Bürgermeister Max Gotz und an das Landratsamt gewandt und um Hilfe gebeten“, sagt die Geschäftsinhaberin. Zuerst sei keine Antwort gekommen, doch auf nochmalige Nachfrage habe das Landratsamt eine kleine Spende angeboten. „Ich wollte aber keine Almosen, sondern einen Überbrückungskredit, den ich dann auch zurückzahlen kann“, stellt Rossa klar.

Stoffladen muss schließen: „Stadt trägt Mitschuld an meinem Dilemma“

Noch enttäuschter sei sie von der Antwort von OB Gotz gewesen, der ihr mitteilen habe lassen, dass er da nichts machen könne für einzelne Unternehmen. „Das macht mich richtig wütend, denn die Stadt Erding trägt ja eine Mitschuld an meinem Dilemma, indem die Baustelle meinen Laden ein halbes Jahr länger praktisch blockiert hat als zuvor zugesichert“, schimpft die 41-Jährige mit Tränen in den Augen.

Ein Opfer der Baustelle: Zunächst war es die Großbaustelle in der Innenstadt, die dafür sorgte, dass potenzielle Kunden kaum den Weg zum Laden fanden, später kam noch die Baustelle am Lehner-Haus dazu.
Ein Opfer der Baustelle: Zunächst war es die Großbaustelle in der Innenstadt, die dafür sorgte, dass potenzielle Kunden kaum den Weg zum Laden fanden, später kam noch die Baustelle am Lehner-Haus dazu. © Privat

Auch bei der Volksbank, deren Abbruch mit wochenlangem Baustopp zu ihrer Geschäftsblockade wesentlich beigetragen habe, sei sie mit ihrem Hilferuf auf taube Ohren gestoßen: Man könne ihr keinen Kredit anbieten. „Jetzt stehe ich da mit den Schulden – und das völlig unverschuldet“, erklärt Rossa, die ihren Laden Ende Januar endgültig schließen muss.

Der Räumungsverkauf mit 30 Prozent Rabatt auf das Sortiment mit Stoffen, Kurzwaren und Schnittmustern hat bereits begonnen, und Rossa hofft, dass viele Kunden mithelfen, den Laden zu leeren. Leid tue es ihr auch für ihre Vermieter, die Familie Glocker, die hier über Jahrzehnte die Drogerie Leibold betrieben hat. „Ich wollte sie nicht im Stich lassen, vielleicht kann ja die Stadt Erding wenigstens ihnen helfen, schnell einen Nachmieter zu finden.“

Stoffladen in Erding schließt: „Schade, wir kleine Einzelhändler platt gemacht werden“

Rossas Resümee fällt bitter aus: „Ich bin total traurig, denn ich wollte beitragen, mehr Leben in die Innenstadt zu bringen und habe eigentlich alles richtig gemacht. Das tut schon sehr weh, denn ich habe nicht nur Geld, sondern auch sehr viel Herzblut in das Geschäft gesteckt. Es ist wirklich schade, wie kleine Einzelhändler platt gemacht werden und keiner hilft.“ Gerda Gebel

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