Kein Geld für Senioren

+
Das Pleiteheim in Dachau: Derzeit leben dort noch 30 Senioren. Mit 100 Euro Taschengeld müssen viele auskommen.

Dachau - Das Das Dachauer Pflegeheim ist pleite und zahlt seinen Bewohnern kein Taschengeld mehr. Was das nun für die alten Menschen bedeutet:

Edith T. weiß, was es heißt , mit wenig Geld auszukommen. Knapp 100 Euro Taschengeld bekommt die 88-jährige Pflegeheimbewohnerin jeden Monat ausgezahlt. Das muss reichen - für alles. Doch plötzlich bekam die alte Dame keinen Cent mehr. Der Grund: Ihr Heim - das Pflegezentrum Steinmühle in Dachau - ging pleite und zahlt einfach nichts mehr an die Bewohner aus.

„Ein Skandal ist das“, sind sich viele Betroffene und ihre Angehörigen einig. Besonders, da das Taschengeld ja kein Zuschuss vom Heim ist, sondern eine monatliche Summe vom Bezirk Oberbayern, die den Menschen zusteht. Viele Senioren sind auf die 100 Euro angewiesen - um sich mal neue Kleidung zu kaufen, mal ein Duschgel oder einfach nur Obst. Ein Beispiel erklärt das Problem: Sagen wir, ein Heimbewohner muss 3000 Euro im Monat für die Heimkosten aufbringen - dann zahlt einen Teil davon die Pflegekasse (in der höchsten Pflegestufe rund die Hälfte), der Rest muss von der Rente beglichen werden. Wer hat aber 1500 Euro Rente? Nicht jeder - und so begleicht wiederum diesen Rest der Kosten der Bezirk Oberbayern. Damit die Senioren aber wenigsten etwas Geld im Portemonnaie haben, gibt es ein monatliches Taschengeld: eben jene 100 Euro.

Nur die Bewohner des Plegezentrums Steinmühle (Betreiber ist die Patronum GmbH) sitzen derzeit ohne Bares da. Der Bezirk Oberbayern zahlt nämlich nicht an Personen, sondern überweist die Summe ans Heim, das dann das Bare weiterreicht. Nur: Für die Firma Patronum wurde vergangenen Mittwoch am Amtsgericht München vorläufige Insolvenz angemeldet. „Alle Gelder sind gesperrt“, sagte Frank Elsner, Sprecher des vorläufigen Insolvenzverwalters Christian Gerloff, gegenüber den Dachauer Nachrichten. Gerloff verschaffe sich nun einen Überblick über die Lage und versuche, den Betrieb und die Versorgung der Bewohner aufrechtzuerhalten. Und das Taschengeld-Problem? Dafür soll nun nach einer Lösung gesucht werden - wie lange das dauert, ist aber noch völlig unklar.

Der Sohn von Edith T. wird da deutlicher: „Für mich ist das Diebstahl.“ Seine Mutter hat das Haus mittlerweile verlassen - aber 30 alte Menschen leben dort  noch.

no/age

auch interessant

Meistgelesen

Schüler spielen Direktor einen coolen Streich
Schüler spielen Direktor einen coolen Streich
Frau von Lkw gerammt: „Da ist man auch als Polizist betroffen“
Frau von Lkw gerammt: „Da ist man auch als Polizist betroffen“
Pflege zu teuer: Pensionär holt seine Frau wieder nach Hause
Pflege zu teuer: Pensionär holt seine Frau wieder nach Hause
Dutzende Pendler sauer: Zugführer fährt ohne Fahrgäste los
Dutzende Pendler sauer: Zugführer fährt ohne Fahrgäste los

Kommentare