Zwei Monate nach Diebstahl

Gestohlenes KZ-Tor: Fahndung über "Aktenzeichen XY"

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Zwei Monate nach dem Diebstahl des Tores der KZ-Gedenkstätte in Dachau fehlt von den Dieben noch immer jede Spur.

Dachau - Zwei Monaten ist der Diebstahl der historischen Türe zum KZ Dachau mit der Parole „Arbeit macht frei“ her - die Polizei tappt weiter im Dunkeln. Deshalb kommt der Fall nun in die TV-Sendung "Aktenzeichen XY ungelöst". 

Sie hoben die 100 Kilo schwere Türe aus den Angeln, hievten sie über ein Tor, transportierten sie ab - und niemand bekam etwas mit. Zwei Monate nach dem Diebstahl der Tür zum ehemaligen Konzentrationslager Dachau mit dem Schriftzug „Arbeit macht frei“ fehlt von den Tätern noch immer jede Spur. „Wir sind allem nachgegangen, aber wir haben keine entscheidenden Hinweise - weder auf den Verbleib des Tores noch auf die Täter“, sagte Polizeisprecherin Michaela Grob am Donnerstag.

Auch ob die Täter Neonazis waren - Sammler weltweit zahlen viel Geld für NS-Devotionalien - ist weiter offen. Im KZ Dachau mussten die Häftlinge bei ihren Arbeitseinsätzen jeden Tag durch das 1936 errichtete Tor mit der zynischen Parole gehen. Die Gedenkstätte sprach deshalb von dem zentralen Symbol für den Leidensweg der Häftlinge. Der Satz „Arbeit macht frei“ prangte als Toraufschrift auch über anderen NS-Konzentrationslagern.

Am nächsten Mittwoch soll ein Sachbearbeiter der Kripo Fürstenfeldbruck in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY ungelöst“ über den Ermittlungstand berichten. „Wir hoffen, dass wir darüber an weitere Zeugen kommen“, sagte Grob.

Bisherige Hinweise hatten nicht weitergeführt. Zwei Zeugen hatten unabhängig voneinander berichtet, sie seien in der Nacht des Diebstahls von Fremden mit ausländischem Akzent angesprochen und nach dem Weg zur KZ-Gedenkstätte gefragt worden. Doch auch diese Spuren verliefen im Sande.

Unbekannte hatten Anfang November die 100 Kilogramm schwere, 190 Zentimeter hohe und 95 Zentimeter breite Tür aus der Verankerung gehebelt, über das verschlossene Tor der äußeren Umzäunung gehievt und abtransportiert.

Die Stiftung Bayerische Gedenkstätten hatte bereits im Dezember die vom Landeskriminalamt ausgesetzte Belohnung von 3000 auf 10 000 Euro aufgestockt. Der Stiftungsrat will nun am 26. Januar über verstärkte Sicherheitsmaßnahmen für NS-Gedenkstätten entscheiden. Dabei soll es auch um die Installation von Videokameras gehen.

Eine vollständige Videoüberwachung wird allerdings nicht erwogen. Man wolle aus den Gedenkstätten keine Hochsicherheitstrakte machen, hatte es schon gleich nach dem Diebstahl geheißen.

Die Tür war der Gedenkstätte zufolge das Original - die Inschrift, die der kommunistische Häftling Karl Röder 1936 auf Befehl der SS schmieden musste, war hingegen nach dem Krieg verschwunden und wurde später rekonstruiert.

Vor etwa fünf Jahren hatten Diebe im Auftrag schwedischer Neonazis aus der Gedenkstätte Auschwitz den Schriftzug „Arbeit macht frei“ gestohlen. Er konnte binnen weniger Tage sichergestellt werden; die Täter wurden gefasst und verurteilt.

dpa

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