Keine Strafzettel für Feuerwehrler

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Dürfen Feuerwehrleute zum Einsatz rasen – ohne Strafzettel zahlen zu müssen?

St. Wolfgang - Zoff zwischen Feuerwehr und Polizei: In St. Wolfgang (Kreis Erding) hat der Gemeinderat beschlossen, dass Feuerwehrleute bei Einsatzfahrten keine Strafzettel mehr zahlen müssen!

Genauer: Feuerwehrler, die bei einem Einsatz mit ihrem Privatfahrzeug auf dem Weg zum Feuerwehrhaus zu schnell unterwegs sind und geblitzt werden, müssen kein Verwarnungsgeld zahlen – bis zu einer Geschwindigkeitsüberschreitung von 30 km/h. Der zuständige Dorfener Polizeichef Ulrich Milius ist über den Beschluss erstaunt: „Das ist ein Freibrief für Raserei!“

Wie kam es zu dem umstrittenen Gemeinderats-Beschluss? Wie der Dorfener Anzeiger berichtet, hatte Kreisbrandmeister Werner Axenböck argumentiert, es könne nicht sein, dass man Feuerwehrleuten erkläre, wie „wichtig ihr Ehrenamt“ sei, ihnen dann aber der Führerschein abgenommen werde.

Die kuriosesten Einsätze der Münchner Feuerwehr

Die kuriosesten Einsätze der Münchner Feuerwehr
Mit einem seltsamen Reptilienfreund hatten es im Januar zwei Beamte der Feuerwache Westend zu tun. Dem etwa 50 Jahre alten Mann entwischt seine 1 Meter lange Königsphyton, als er sie aus dem Terrarium entnahm. Er sah sich nicht in der Lage, sie selbst wieder einzufangen. Den beiden Feuerwehrleuten gelang dies relativ schnell. Als sie ihm das Tier wieder zurück geben wollten, war der Respekt gegenüber der Schlange so groß, dass er sie gar nicht mehr haben wollte. Die Beamten nahmen die friedliche Schlange mit zur Feuerwache. © Feuerwehr
Die kuriosesten Einsätze der Münchner Feuerwehr
Ein zweieinhalbjähriger Bub aus Eching bei Freising tat es Michel aus Lönneberga gleich und stülpte sich einen Topf über den Kopf. Nur dass es sich dabei nicht wie in der Romanvorlage um einen Tontopf handelte, den man mit einem Schürhaken zerschlagen könnte. Nein, der Kleine setzte sich einen massiven Emailtopf auf. Weder die Oma, die den Jungen beaufsichtigte, noch der Notarzt konnten die „Kopfbedeckung“ abnehmen. Den Feuerwehrmännern gelang es mit Spezialgerät den Topf zu entfernen. © Feuerwehr
Die kuriosesten Einsätze der Münchner Feuerwehr
Der Strauch muss raus. Das beschloß ein 49-jähriger Hauseigentümer in Obermenzing. Bei den Arbeiten stieß er auf einen metallischen Gegenstand, den er für ein eingegrabenes Stahlrohr hielt. Bei genauerer Betrachtung war allerdings deutlich eine Granatenform des „Stahlrohres“ erkennbar. Feuerwehr, Polizei und Kampfmittelräumdienst rückten an. Umliegende Gärten wwurden geräumt. Schnell stellte sich heraus, dass es sich um eine deutsche „8/8er“ Flakgranate handelte. Die Feuerwehr zog den Wurzelstock aus dem Boden. © Feuerwehr
Die kuriosesten Einsätze der Münchner Feuerwehr
Dieser Besuch im Altenheim wird der Fahrerin eines Golf und ihrem Bruder in Erinnerung geblieben. Beim Abfahren aus dem Hinterhof berührte die Fahrerin mit der Pkw-Vorderseite zuerst die Hecke. Daraufhin legte die Damen den Rückwärtsgang des Automatikgetriebes ein. Sie verwechselt das Brems- mit dem Gaspedal. Hierauf schoß sie regelrecht durch ein Metallgitter und blieb an der Hauswand hängen. Durch das Gitter ließen sich die Türen nicht mehr öffnen - die Geschwister waren eingesperrt. Die Feuerwehr musste sie befreien. © Feuerwehr
Die kuriosesten Einsätze der Münchner Feuerwehr
Ein betrunkener englischsprachiger Tourist hat sich Anfang Juli auf einer Brüstung unter der Maximiliansbrücke schlafen gelegt. Er verlor das Gleichgewicht und fiel rund zwei Meter tief in die Isar. Anstatt an das Ufer zu schwimmen, schlug er die falsche Richtung ein und ging auf einer Sandbank in der Mitte der Isar wieder „an Land“. Die paar Meter kosteten ihm reichlich Kraft. Er gönnte sich das nächste Nickerchen. Passanten alarmierten die Feuerwehr. Ein Rettungsassistent konnte keine schwerwiegenden Verletzungen festgestellen. © Feuerwehr
Die kuriosesten Einsätze der Münchner Feuerwehr
Eine kurze Anfahrt und ein ahnungsloser Koch. Hinter diesem merkwürdigen Satz verbirgt sich ein kurioser Einsatz der Hauptfeuerwache. Ein Feuerwehrmann sah am 15. Februar kurz vor Mittag aus dem Kamin eines naheliegenden Gebäudes an der Papa-Schmid-Straße eine auffällig starke Rauchentwicklung. Er alarmiert die Kollegen. Völlig überrascht war der Koch eines Lokals im Erdgeschoss, als plötzlich die Feuerwehr in seiner Küche stand. Unbemerkt von ihm hatte der Fettfilter und der Dunstabzug Feuer gefangen. © Feuerwehr
Die kuriosesten Einsätze der Münchner Feuerwehr
Ein technischer Defekt setzte am Max-Weber-Platz einen Lieferwagen - beladen mit Paketen - in Brand. Beim Eintreffen der Feuerwehr brannte die gesamte Front des Fahrzeuges. Der Fahrer konnte noch vor dem Beginn der Löscharbeiten alle Pakte in Sicherheit bringen. © Feuerwehr
Die kuriosesten Einsätze der Münchner Feuerwehr
„Nur noch einmal kurz den Sand durchdrücken“ dachte sich ein kleines Mädchen auf einem Spielplatz an der Agricolastraße. Die Spielkonstruktion, ein Brett mit zwei darunter hängenden Schüsseln, ist zum Durchlaufen von Sand gedacht. Damit es schneller geht, drehte und drückte die Vierjährige etwas mit. So lange, bis der Zeigefinger feststeckte. Alle Versuche von Vater und Mutter, den Finger mit Öl zu befreien, scheiterten. Die Feuerwehr musste helfen. © Feuerwehr

Der Dorfener Polizeichef Milius hält den Beschluss des Gemeinderats „für nicht korrekt“. Die Gemeinde St. Wolfgang, die die kommunale Verkehrsüberwachung selbst durchführt, sei verpflichtet, „grundsätzlich jeden Einzelfall zu prüfen“. Eine vorweggenommene Amnestie ohne Abwägung der rechtlichen Vorgaben dürfe es nicht geben.

Wenn einer seiner Polizei-Kollegen mit einem Dienstfahrzeug mit überhöhter Geschwindigkeit geblitzt werde, müsse Milius als Dienststellenleiter einen Anhörbogen ausfüllen. „Der betroffene Kollege muss dann sehr genau erklären, warum er zu schnell gefahren ist. Es gibt auch im Verwarnungsbereich keinen Automatismus.“

Besonders brisant: In St. Wolfgang steht das Feuerwehrhaus direkt in der Nähe der Schule. „Wenn bei meinen Kollegen die Geschwindigkeitsüberschreitung etwa im Bereich von Schulen zu relevanten Zeiten passiert, dann kommen die in großen Erklärungsnotstand.“

Milius hält auch die Argumentation von Kreisbrandmeister Axenböck für „bedenklich“. Er gebe gerade jungen Feuerwehrmitgliedern mit auf dem Weg, „ihr dürft’s schon schnell fahren.“ Dabei müssten gerade Führungspersonen „zur Besonnenheit mahnen und nicht zum Schnellfahren animieren“. Mit solchen Diskussionen würde man den umsichtigen und sehr professionellen Helfern unserer Feuerwehren nicht gerecht.

Der Dorfener Polizeichef verweist auf bundesweite Statistiken, wonach von allen Blaulichtorganisationen gerade bei Feuerwehren die größte Unfallhäufigkeit vorliege. Neben der Größe deren Einsatzfahrzeuge spielen hier auch Sonderrechtsfahrten mit Privatfahrzeugen eine Rolle. Einsatzkräfte mit Privatfahrzeugen – ob Feuerwehrler oder zivile Polizisten – müssten dabei aber wegen der fehlenden Erkennbarkeit für andere besondere Vorsicht walten lassen. Außerdem: Wie klein sei doch der Zeitgewinn durch schnelles Fahren, schließlich seien es ja doch meist nur kurze Fahrten.

Milius hat seine Bedenken der Gemeinde St. Wolfgang mitgeteilt. Auch mit der Kreisbrandinspektion will er sich noch besprechen.

Anton Renner

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