Keller brennt nach Blitzeinschlag aus

97-Jährige schläft in brennendem Haus

+

Grafrath - Als der Blitz einschlägt, wird die 97-Jährige kurz wach, schläft aber wieder ein. Dass derweil ihr Keller ausbrennt, merkt Elisabeth Fischer nicht. Sie hätte in dieser Nacht sterben können. Eine Nebensächlichkeit rettete ihr das Leben.

Michael und Gretel Fischer wollten am Freitag eigentlich in den Urlaub fahren. Ein Kurztrip übers Wochenende. „Einfach mal ein paar Tage weg“, sagt Gretel Fischer. Nun ist an Urlaub nicht mehr zu denken – wegen eines Blitzes, der Donnerstagnacht um 23.17 Uhr, ins Haus von Michael Fischers hochbetagter Mutter Elisabeth im Grafrather Ortsteil Unteralting einschlug. 23.17 Uhr, das wissen die Fischers deshalb so genau, weil die Naturgewalt auch nicht vor dem nahe gelegenen Kirchturm halt machte. Dessen Uhr blieb stehen – um 23.17 Uhr.

Die Kirchturmuhr verrät, wann der Blitz eingeschlagen hat: Sie ist um 23.17 Uhr stehengeblieben.

Die 97-jährige Elisabeth Fischer wird von dem Einschlag kurz wach. Doch als ein Schwelbrand im Keller die Heizung zerstört, Rohre und Kabel verschmoren, schläft sie längst wieder ruhig und friedlich in ihrem Bett. Der Rauch breitet sich derweil im ganzen Haus aus. Ruß schwärzt die Wände. Ein stechender Gestank nach geschmolzenem Kunststoff und Metall nistet sich in jeder Faser Holz, jeder Tapete, jedem Vorhang ein. Nur das Wohnzimmer, in dem Elisabeth Fischer schläft, bleibt verschont. Die Tür ist zu. Und weil im ganzen Haus die Fenster geschlossen sind, geht dem Brand schließlich der Sauerstoff aus. Er erstickt am Ende von selbst.

Oma Fischer schläft immer noch. Erst die Frau von der Caritas, die gegen 7.30 Uhr kommt, bemerkt Ruß und Gestank. Enkel Benedikt muss helfen. Er ist bei der Feuerwehr und holt die Oma aus dem Haus. „Ich bin heilfroh, dass die so hart im Nehmen ist“, sagt er nach der gelungenen Evakuierungssaktion. Danach kümmert sich seine Mutter Gretel Fischer um die pflegebedürftige Seniorin. „Es geht ihr überraschend gut“, sagt sie erleichtert. „Wie man es aber in dem Gestank aushält, weiß ich auch nicht.“

Schnell ist klar, dass der Brand im Keller ausgebrochen ist. Dorthin ist der Blitz durch die Leitungen gefahren. „Es hat aber niemand gewusst, wie es dort aussieht. Es gibt da mehrere Räume.“ Um sicher zu gehen, eilt Benedikt deshalb ins Nachbarhaus. Dort wohnt Feuerwehr-Vize-Kommandant Jörn Voortmann. Auch die anderen Kameraden werden gerufen. Sie rücken mit Atemschutz-Geräten und einem Hochdrucklüfter an.

Das Haus von Michael und Gretel Fischer liegt nur wenige Meter neben dem der 9/-jährigen Oma. Auch die Eheleute hören um 23.17 Uhr einen Schlag. „Es hat uns die Sicherungen rausgehauen, und der Computer ist hinüber“, erzählt Gretel Fischer. „Im Umkreis von 150, 200 Metern hat es wohl alle Nachbarn erwischt“, meint Sohn Benedikt. Seine Familie hat aber den größten Blitz-Schaden. „Das Haus der Oma muss fast komplett saniert werden.“ Die Heizung muss ersetzt, neue Kabel müssen verlegt werden. Putz ist von den Wänden geplatzt. Wasserrohre sind geborsten – vom Schmutz ganz zu schweigen. Mit dem Hochdrucklüfter sorgt die Feuerwehr wenigstens dafür, dass die Handwerker die Räume gefahrlos betreten konnten.

Sascha Karowski

Auch interessant

Meistgelesen

Bombenalarm am Gymnasium Tutzing: Abi-Prüfungen fanden statt
Bombenalarm am Gymnasium Tutzing: Abi-Prüfungen fanden statt
Flugzeugteil auf Weide gestürzt - das sagt der Landwirt
Flugzeugteil auf Weide gestürzt - das sagt der Landwirt
Freund beim Sexspiel mit Kreissäge getötet - Urteil
Freund beim Sexspiel mit Kreissäge getötet - Urteil
Flüchtlinge treten vor dem Landratsamt Ebersberg in Hungerstreik
Flüchtlinge treten vor dem Landratsamt Ebersberg in Hungerstreik

Kommentare