Überfall auf Grünwalder Juwelierin (80)

Kellner schnappen brutalen Räuber

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„Das sind meine Helden“, sagt Irmengard Strickler über die Kellner Andrea (41, l.) und Antonio (43)

Grünwald - Schon zum zweiten Mal ist ein Grünwalder Juwelier Opfer eines Raubüberfalls geworden. Doch diesmal kam der Täter nicht weit: Zwei Kellner überwältigten den Räuber und übergaben ihn der Polizei.

Am Tag danach schüttelt Irmengard Strickler (80) nur den Kopf. Dann sagt die Juwelierin: „Wie kann man nur so blöd sein, jemanden mittags zu überfallen? Wo hier so viele Leute unterwegs sind.“ Am Donnerstag um 12 Uhr hatte ein junger Mann ihr Geschäft an der Schlossstraße gestürmt und sie brutal zu Boden gestoßen. Doch der Täter (21) kam nicht weit: Zwei Kellner überwältigten den Räuber und übergaben ihn der Polizei.

Es ist bereits das zweite Mal in dreieinhalb Jahren, dass die Grünwalder Juweliersfamilie Opfer eines Raubüberfalls wurde. Anfang Dezember 2008 hatten maskierte Räuber das Geschäft überfallen. Damals traktierten sie den Seniorchef (91) brutal (tz berichtete).

Der Überfall am Donnerstag beginnt zunächst harmlos. Irmengard Strickler ist allein im Laden, ihr Sohn Bernhard holt gerade Kuchen. Mit den Worten „Mich verfolgen zwei Russen mit Maschinenpistolen“ stürmt der Räuber in das Geschäft: „Ich brauch dringend Geld.“

Dann streckt der Räuber der Geschäftsfrau einen Stoffbeutel entgegen. „Wo ist das Geld?“, schreit er. „Es gibt kein Geld“, schreit die resolute 80-Jährige zurück.

Als der Täter im Geschäft herumläuft, will die Juwelierin flüchten. Doch der Täter hindert sie, stellt einen Fuß vor die Tür. Da wird der Grünwalderin klar: „Der meint’s ernst. Jetzt schreie ich besser um Hilfe, bevor’s zu spät ist.“

Doch der Räuber stößt sie brutal zu Boden – und sucht weiter im Laden nach Geld. Am Tresor scheitert er aber. Inzwischen hat sich die 80-Jährige wieder aufgerappelt. „Ich hab’s doch schon gesagt, ich habe kein Geld“, ruft sie dem Täter zu.

Jetzt kapiert der Ganove, dass hier nichts zu holen ist. Er stürmt aus dem Geschäft, läuft direkt Andrea (41) und Antonio (43) in die Arme. Die Kellner vom gegenüberliegenden Restaurant Eboli hatten die Hilferufe gehört und wollten nach dem Rechten sehen.

„Ich habe den Räuber an der Gurgel gepackt und auf den Boden geworfen“, sagt Kellner Andrea. Sein Kollege Antonio dreht dem 21-Jährigen die Hände auf den Rücken. Zwei Minuten später ist die Polizei da, die Handschellen klicken. Die Beamten finden einen Schlagstock, Handschellen und Reizgas.

Irmengard Strickler hat vom Sturz auf den Boden ein paar blaue Flecken davon getragen. „Im Vergleich zu meinem Mann ist das gar nichts.“ Uszer Strickler war damals von zwei mit Mickey-Maus-Masken verkleideten Tätern mit Elektroschockern und Faustschlägen gequält worden. Mit Schmuck und Bargeld gelang ihnen die Flucht. Um Spuren zu verwischen, setzten die Täter ihr Auto im Grünwalder Forst in Brand. Sie wurden nie gefasst.

Jacob Mell

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