Kettensägen-Irrsinn im Bergwald

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Wie eine Narbe im Gelände: Von einem Teil des Bergwalds oberhalb von Wolfratshausen sind nur noch Baumstümpfe übrig.

Wolfratshausen - Der Anblick tut den Wolfratshausern im Herzen weh: Ausgerechnet im Bergwald, der grünen Oase hoch über den Dächern der Stadt, haben die Kettensägen gewütet.

Auf einer Fläche von einem Hektar erinnern nur Baumstümpfe an das früher dicht bewaldete Areal. Zwar handelt es sich bei dem Gelände um Privatbesitz. Für die Eigentümer wird die Aktion aber vermutlich nicht ohne Konsequenzen bleiben. Denn für den Kahlschlag wäre eine Genehmigung vom Forstamt nötig gewesen. „Diese wurde nie erteilt“, sagt der zuständige Revierförster Robert Nörr dem Isar-Loisachboten.

Alles hat vor gut drei Jahren begonnen: Nörr hatte das Areal gemeinsam mit den Eigentümern begutachtet. Im vergangenen Jahr fielen dann erste Bäume. Die Besitzer wurden vom Forstamt darauf hingewiesen, dass bei weiteren Fällungen die Ausmaße eines genehmigungspflichtigen Kahlschlags erreicht werden. Anfang Februar 2011 jaulten erneut die Kettensägen.

Das nun erreichte Ausmaß entsetzt Anwohner und Stadt. „Da wird im Stadtrat permanent über den teuren Erhalt einzelner Bäume diskutiert, und dann passiert so etwas“, schimpft ein Bürger. Stadtrat Richard Kugler (CSU) berichtet von zahlreichen Anwohner-Anrufen: „Die Leute haben Angst, dass ihnen der Hang über die Häuser rutscht.“ Auch die Waldbesitzer bezogen Stellung: „Mit der Abholzung wollten wir ein potenziell größer werdendes Risiko für Spaziergänger und angrenzende Gebäude vermeiden.“

Revierförster Nörr bestreitet nicht, dass einzelne Bäume eine Gefahr darstellten, weil sie hohl und krank waren. „Vom gesamten Bestand war aber nie die Rede.“ Während die Behörden noch prüfen, ob die Abholzung ein Kahlschlag im Schutzwald und somit strafbar war, ist im Landratsamt bereits eine Anzeige gegen die Familie eingegangen. Ein Verfahren wurde eingeleitet. Bei einer Verurteilung droht ein Bußgeld von bis zu 25 000 Euro.

Christina Breiter

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