Im Landkreis Erding

KfZ-Werkstatt will idealen Bewerber einstellen - Arbeitsamt lehnt ihn aus kuriosem Grund ab

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Bald ein Team: Kfz-Meister Andreas Nacke (l.) darf Damian Silvestre nun doch einstellen.

Damian Silvestre kennt sich aus mit Autos. Die Agentur für Arbeit lehnte die Anstellung des Amerikaners in einer Forsterner Werkstatt aber ab. Zumindest vorerst.

Forstern – Seit über zwölf Monaten sucht Andreas Nacke nach einem ausgebildeten Kfz-Mechaniker. Der 52-Jährige ist Chef einer Kfz-Werkstatt in Forstern – und schier am Verzweifeln. „Niemand bewirbt sich“, sagt er. „Ich sitze da und warte.“ Zuverlässige Facharbeiter seien nahezu nicht aufzutreiben. Und das, obwohl Nacke bei der zuständigen Arbeitsagentur in Freising eine Stelle ausgeschrieben hat. Im März ein Lichtblick: Damian Silvestre, 31 Jahre alt, kommt in Nackes Werkstatt. Ein großer und kräftiger Mann mit Bart. Ein US-Amerikaner, der seit Februar bei einer Freundin im Landkreis lebt und in den USA zum Kfz-Fachmann ausgebildet wurde.

„Ich würde ihm sofort einen unbefristeten Vertrag geben“

Über 15 Jahre lang hat Silvestre in Orlando, seiner Heimatstadt in Florida, als Facharbeiter gewerkelt. Mechanik und Elektronik in Fahrzeugen kenne er wie aus seiner Westentasche, sagt er. Er ist genau derjenige, den Nacke sucht. Und bei ihm würde der 31-Jährige auch gerne anfangen. Er stellst sich vor und bekommt einen Vorvertrag. „Er hat das Fachwissen und passt menschlich super ins Team“, sagt Nacke. „Ich würde ihm sofort einen unbefristeten Vertrag geben.“

Wäre da nur nicht die Agentur für Arbeit. In einem Schreiben vom Landratsamt Erding, das dem „Erdinger Anzeiger“ vorliegt, heißt es: Silvestre dürfe nicht bei Nacke arbeiten. Die Agentur stimme nicht zu. Denn: „Laut zuständigem Arbeitsvermittler stehen bevorrechtigte Bewerber zur Verfügung.“ Nacke liest den Text immer und immer wieder. Ein Scherz, denkt er. Oder eine Verwechslung. „Eine Bewerbung habe ich nicht bekommen. Wo also sind die bevorrechtigten Bewerber, die es geben soll?“, fragt sich der Kfz-Meister. Es habe von der Agentur lediglich sogenannte Vermittlungsvorschläge bekommen und will sich das nicht gefallen lassen.

Der Grund, warum Silvestre nicht arbeiten darf

Silvestre, der für die geplante Arbeit in Deutschland seinen Job in den USA gekündigt hat, ist enttäuscht. Ohne Arbeitsgenehmigung werde sein Visum nicht verlängert, und er müsse Deutschland und damit seine neue Familie und seine Freundin verlassen. Die Agentur für Arbeit in Freising, zuständig für den Landkreis Erding, teilt bei einer ersten Anfrage mit, dass in diesem Fall alles seine Richtigkeit habe und lediglich Gesetze ausgeführt würden. Frühere Bewerber für den Kfz-Bereich seien registriert. Diese hätten für eine Stelle in der Forsterner Werkstatt Vorrang. Einstellen müsse Nacke diese nicht. Auch könne die Agentur nicht überwachen, ob die registrierten Arbeitssuchenden, die für die Stelle infrage kämen, sich in der Werkstatt melden, sagt Behördensprecherin Christine Schöps.

Hat die Behörde Fehler gemacht?

Dass sich bei Nacke niemand gemeldet hätte, bedauere Schöps und sagt: „Dass der Arbeitgeber so lange Personal sucht, ist nicht schön.“ Der Fall sei bitter. Damian Silvestre könne, solange es bevorrechtigte Bewerber gibt, „nicht arbeiten“. Nur wenige Tage später klingt das anders. Nacke bekommt einen Anruf von der Agentur. Auch, weil sich die Zeitung bei der Behörde gemeldet habe. Der Fall Silvestre sei erneut geprüft worden, habe eine Frau ihm mitgeteilt. „Und sich durch die Blume entschuldigt“, berichtet Nacke. Der zuständige Bearbeiter sei wohl nicht in die Tiefe gegangen, habe die Frau weiter erklärt. Silvestre dürfe nun doch bei Nacke arbeiten. „Es gleicht einem Schildbürgerstreich“, sagt Nacke, der zufrieden aber auch schockiert ist. „Ob ich der einzige Fall bin, bei dem es so läuft?“

Der Arbeitsvertrag zwischen Nacke und Silvestre ist bereits unterschrieben. Ab 3. April kann der US-Amerikaner arbeiten. Er ist erleichtert. Jetzt müsse er nicht mehr die Tage bis zu seinem drohenden Rückflug in die USA zählen.

Video: Auch interessant: Syrischer Flüchtling darf nicht arbeiten

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