Kind macht Unsinn: Vater greift zu Pistole

Aßling - Er hat es ja nur gut gemeint. Ein bisschen zu gut vielleicht: Um seinem Sohn und dessen Freund die Flausen aus dem Kopf zu jagen, scheute ein 45-Jähriger kein Mittel. Er presste eine Schreckschusspistole an das Bein des Freundes. Wie es dazu kam, wurde nun vor Gericht aufgerollt.

Er hat die Nase voll: Sein Sohn und dessen Freund haben nur Unsinn im Kopf. Deshalb dreht Christian L.*, 45, durch: Er presst dem Kumpel seines Sohnes eine Schreckschusspistole ans Bein: „Wenn du nochmal Scheiße baust, drücke ich ab“, droht er dem 19-Jährigen.

Nun saß Christian L. aus Aßling vor dem Ebersberger Amtsgericht. Die Vorwürfe: Nötigung und unerlaubtes Führen einer Schusswaffe. Richter Peter Hayler verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von acht Monaten, die drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wird. Zusätzlich muss er an eine gemeinnützige Organisation 2000 Euro zahlen.

Die Vorgeschichte: Sein Sohn Michael* und dessen Freund Manuel F.* führen sich gehörig auf: Die beiden Burschen klauen dem Vater Geld, eine Uhr, einen Ring und einen Laptop. Die Beute verhökern sie und kaufen sich davon ein Auto. Obwohl sie beide keinen Führerschein besitzen und das Auto nicht angemeldet haben, düsen sie, oft betrunken, durch den Landkreis. „Ich wollte, dass die Burschen keinen Blödsinn mehr machen“, sagte der Angeklagte vor Gericht. Er habe es nur gut gemeint.

Deshalb will er wissen, wem der Wagen gehört, um „die Autogeschichte“ aus der Welt zu schaffen. Dazu zitiert er sein Opfer, Manuel F.*, zu sich nach Aßling. Es ist der 14. Mai 2010. Bevor der Angeklagte den Geschädigten zurück nach Ebersberg bringt, flüstert der Sohn Michael seinem Freund ins Ohr: „Sei vorsichtig, mein Vater hat eine Waffe dabei.“ Manuel F. steigt trotzdem ins Auto. „Ich habe mir nichts dabei gedacht“, erinnerte er sich als Zeuge. Auf dem Weg schreit der 45-Jährige den jungen Mann an. Plötzlich kramt er eine Schreckschusspistole aus dem Hosenbund und drückt sie an das Bein seines Beifahrers. „Schiss hatte ich“, sagte dieser.

Später stibitzt der Sohn die Pistole aus der Schublade seines Vaters und bringt sie zur Polizei. Bei seiner polizeilichen Aussage bestätigt er das Geschehen, das er selbst aber nur vom Hörensagen kennt.

Der Angeklagte beteuerte seine Unschuld: „Ich kann bloß sagen, dass es sich nicht so zugetragen hat“, sagte er. Natürlich wollte er die Burschen zur Räson zwingen, aber niemals auf diese rabiate Weise. „Schließlich waren wir früher genauso.“ Das stimmt: Im Vorstrafenregister des Vaters blinken neun Einträge auf. Diebstahl, Fahren ohne Führerschein, Bedrohung, im Gefängnis saß er auch schon. „Als sie jünger waren, haben sie es krachen lassen“, sagte Richter Hayler. Der Sohn scheint ganz nach dem Papa zu geraten: Bei der Verhandlung tauchte er als Zeuge nicht auf, weil er im Gefängnis sitzt.

*) Namen geändert.

Von Marlene Kadach

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