Mittlerweile kann er drüber lachen

Bub schreit: Vater wird aus Bus geworfen

Sieht es mit Humor: Young Godwins.

Fürstenfeldbruck - Dass ein kleines Kind schreit, ist normal. Erst recht, wenn es krank ist. Dass ein Vater mit seinem Sohn aber deswegen aus einem Linien-Bus geworfen wird, bleibt hoffentlich einmalig.

Es ist ein kalter Morgen, als Young Godwins morgens um neun mit seinem kleinen Sohn in der Buchenauer Straße in einen Bus der Linie 840 steigt. Sie wollen zum Kinderarzt, der Dreijährige ist stark erkältet. Er hat eine schlechte Nacht hinter sich, die Nase läuft, er weint.

Lautstark, wie das kleine Kinder tun. Vater und Sohn sitzen im Bus in der letzten Reihe, doch das Geschrei stört den Fahrer. „Er hat gesagt: Sie müssen das Kind beruhigen, so kann ich nicht fahren“, berichtet Young Godwins.

Verblüfft fragt er, wie er das machen soll. Und denkt sich nichts weiter. An der Haltestelle St. Bernhard kommt der Busfahrer wieder nach hinten marschiert und fordert den 43-Jährigen auf, mit seinem Buben auszusteigen.

Godwins weigert sich, schließlich hat er eine gültige Monatskarte. Da ruft der Fahrer die Polizei. Ein Streifenwagen trifft ein, und tatsächlich fordern die Beamten Godwins auf, mit seinem Kind den Bus zu verlassen. „Sie haben uns rausgeschmissen“, sagt der 43-Jährige, noch immer fassungslos. Er möchte aufbegehren, „aber ich habe mir gesagt, mach’ keinen Ärger.“ Der 43-Jährige lebt seit sieben Jahren in Bruck und betreibt eine Gebäudereinigungsfirma.

Er lacht, wenn er diese Geschichte erzählt, so absurd klingt sie. Aber im Grunde ist er stinksauer, fühlt sich beleidigt und diskriminiert. „Ich habe gedacht, ich bin ein Hund“, sagt er. „So etwas geht doch nicht.“

Doch, sagt man beim MVV. „Das Kind hat über vier Haltestellen nur gebrüllt“, so Sprecherin Beate Brennauer, die sich von dem Busfahrer seine Version der Geschehnisse hat schildern lassen. Die anderen Fahrgäste hätten sich beschwert und den Fahrer aufgefordert, dafür zu sorgen, dass der Vater den Buben beruhigt. „Der Fahrer ist im Bus der Hausherr“, sagt Brennauer. „Wenn ihn oder die Fahrgäste etwas stört, kann er das Hausrecht ausüben.“ Und sie betont: „Wir glauben dem Fahrer. Wenn sich das alles so ereignet hat, hat er sich korrekt verhalten.“

Die Polizei habe in diesem Fall nur die Aufgabe, den Platzverweis des Busfahrers durchzusetzen, sagt Michael Fischer von der Brucker Polizei. Es sei nicht Sache der Beamten, zu überprüfen, ob die Maßnahme angemessen sei oder nicht. „Der Fahrer ist für die Sicherheit im Bus verantwortlich“, so Fischer. „Und wenn er der Meinung ist, dass ein Gast die Sicherheit stört, kann er ihn hinauswerfen.“

Vater und Sohn finden sich auf der Straße wieder. Zum Kinderarzt sind sie dann doch noch gekommen – mit dem Taxi.

Ulrike Osman

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