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Chaos nach dem Streik

Fahrer lässt drei Kisten Post einfach stehen

In Kirchheim stehen gelassen: Drei Kisten voll Post für die Vogelsiedlung. Foto: FKN

Kirchheim - Drei Kisten mit Karten, Briefen, Paketsendungen. Die hat Alois Spies am Mittwoch in Kirchheim gefunden. Abgestellt auf einer Plastiktonne. Zwei Buben waren gerade dabei, sich durch die Post zu wühlen. Jetzt stehen die Behälter im Kirchheimer Fundbüro. Spies ist entsetzt. Die zuständige Poststelle in München auch.

Morgens um 11 Uhr  radelt Alois Spies (72) von Heimstetten nach Kirchheim. In Höhe Haupt- und Ludwigstraße traut er seinen Augen nicht. Drei Postboxen stehen am Straßenrand. Fein säuberlich aufeinandergestapelt auf einer grauen Tonne. Zwei Jugendliche schauen gerade durch, was da so liegt an Sendungen. Als sie Spies sehen, machen sie sich davon.

Spies selbst reagiert geistesgegenwärtig. Er radelt heim, holt seine Kamera und Folie. Wieder zurück macht er Fotos und deckt die Boxen ab. „Es hatte schon zu regnen begonnen. Ich wollte nicht, dass alles auch noch nass wird“, sagt er. Und während er noch einige Empfänger studiert und feststellt, dass offensichtlich drei Kisten Post für die Vogelsiedlung vor ihm stehen, kommt Alexander Brauneis (24) dazu. Er leert regelmäßig die Kleidercontainer um die Ecke. Auch er hat die gelben Kisten entdeckt, will nachsehen.

Die beiden Männer kommen überein, dass Brauneis per Handy die Polizei in Haar verständigt. Als die nach einer Stunde noch nicht vor Ort ist, beschließt Brauneis zu handeln. Er fährt die Post zum Kirchheimer Rathaus, gibt sie im Fundbüro ab. Die Dame dort sei einigermaßen erstaunt gewesen, sagt er später. Dann ruft er bei der Deutschen Post AG an und richtet aus, dass die Sendungen abzuholen wären.

„Das geht alles gar nicht“, sind sich Brauneis und Spies einig. Über Wochen haben sie und andere auf ihre Post gewartet. Blieben die Briefkästen wegen des Streiks mehr oder weniger leer. Und dann liegen die Zusendungen offen herum. Für jedermann zugänglich. „Da waren Sachen von Amazon dabei“, sagt Brauneis, und Spies spricht von einer „leichtsinnigen Vorgehensweise“ der Post.

Der zuständige Sprecher in München reagiert nicht überrascht, aber doch verständnislos ob der offensichtlichen Schlamperei. „Das ist nicht zulässig und darf nicht sein.“ Wie er sagt, ist davon auszugehen, dass ein Fahrer die Boxen auf die Tonne – eine sogenannte Ablagestelle für Post – gestellt hat, weil in der Tonne selbst kein Platz mehr war. Völlig daneben, findet Nawrath. Der Fahrer hätte die Kisten wieder mitnehmen müssen. Ausdrücklich bedankt er sich bei Spies und Brauneis. Und verspricht, dafür zu sorgen, dass ein Post-Mitarbeiter die Boxen im Fundbüro abholt. Gleich am nächsten Tag.

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