An der Haustür überfallen

Frau geschockt: Mein ganzes Weihnachtsgeld ist weg

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Schlecht zu Fuß: Christa Voigt, 81, aus Kirchseeon ist auf ihren Rollator angewiesen, ohne geht es nicht mehr. Ein Dieb hat den hilflosen Zustand der Seniorin jetzt ausgenutzt.

Kirchseeon - Eigentlich wollte Christa Voigt (81) nur ihr Weihnachtsgeld abholen. 600 Euro hob sie ab - doch nur Sekunden später war es wieder weg: Christa Voigt wurde in ihrem Hauseingang von einem Unbekannten überfallen.

Das bisschen Geld, dass die 81-jährige Christa Voigt aus Kirchseeon zum Leben braucht, hebt normalerweise ihre Tochter für sie ab. Vergangenen Donnerstagnachmittag machte sich die Seniorin ausnahmsweise selbst auf den Weg. Sie holte ihr Weihnachtsgeld: 600 Euro. Doch das war wenige Minuten später wieder weg: Christa Voigt wurde im eigenen Hauseingang von einem unbekannten Mann überfallen.

„Mir ist der Staubsauger kaputt gegangen, ich wollte mit dem Geld einen neuen kaufen“, sagt die Rentnerin. Sie stottert. Das tat sie vor dem Überfall nicht, sagt sie. Außerdem hat Christa Voigt kommende Woche Geburtstag, es ist der 82.. Sie wollte ihre Familie zum Essen einladen. Und dann ist da ja auch noch Weihnachten. Voigt hat zwei Kinder, eine Enkelin und zwei Urenkel. Alle sollten Geschenke bekommen. Wegen der vielen Ausgaben brauchte die Mutter, Oma und Uroma einen größeren Betrag als sonst.

„Ich konnte erst am Nachmittag los, weil ich auf den Pfleger warten musste, der mir mit den Strümpfen hilft“, erzählt sie. 16 Uhr, es war noch hell. Bis zur Bankfiliale sind es nur 150 Meter. Christa Voigt rollerte hin. Am Automat half ihr ein Mitarbeiter, zählte das Geld, 600 Euro, in einen Briefumschlag und steckte ihn der 81-Jährigen in den Stoffbeutel. Den wiederum legte sie in den Korb vorne am Rollator.

Plötzlich stand ein Mann hinter mir

Daheim schloss die Seniorin die Türe des Mehrfamilienhauses auf, wollte gerade mit ihrem Gefährt hineinfahren, als plötzlich ein Mann hinter ihr stand. Der drückte nur die Türe für sie auf. Irgendwie war Christa Voigt mulmig zumute, sie sagte: „Mein Mann kommt gleich.“ Er ist aber schon seit sechs Jahren tot. Der Fremde sagte kein Wort.

Die Frau parkte ihren Rollator wie immer neben der Haustüre bei den Briefkästen. Der Mann blieb stumm hinter ihr. Gerade wollte sie die Bremsen anziehen, da griff ihr der Unbekannte über die Schulter in den Korb und zog den bunten Stoffbeutel mit dem Geld heraus. Auch sämtliche Karten für Krankenversicherung und Bank waren drin, dazu ihr Ausweis. Der Mann riss die Haustüre wieder auf und sprintete davon.

„Ich habe sofort um Hilfe gerufen“, erinnert sich Christa Voigt. Im Flur hörte sie niemand. „Als ich nach draußen sah, habe ich ihn noch davon rennen sehen, blitzschnell“, sagt sie. Der Dieb verschwand. „Oben habe ich vor Aufregung das Telefon gar nicht gefunden.“ Christa Voigt drückte den Notrufknopf, den sie seit einigen Monaten um den Hals trägt. Die Polizei war sofort da. Aber: Keine Spur vom Täter und der Beute.

„Ich habe im Krieg lange im Bunker gelebt, später bin ich aus der DDR geflohen“, erzählt die geborene Weimarerin. „Ich stecke den Überfall schon irgendwie weg.“ Auch wenn sie sich seitdem nicht mehr vor die Tür wagt und immerzu zittert. Viel schlimmer, sagt sie: der finanzielle Verlust. Für sie ist es viel Geld. „Ich habe nichts für meinen Sohn zum Geburtstag.“ Zu ihrem eigenen hat sie fürs Familienessen bereits einen Tisch in einer Pizzeria reserviert, sechs Personen plus Kinder. „Ich weiß noch nicht, wie ich es zahle“, sagt sie. Und Weihnachten? Christa Voigt zuckt mit den Schultern.

Den Täter beschreibt die Rentnerin so: 30 bis 35 Jahre alt, männlich, etwa 165 bis 170 cm groß, schlank, ohne Bart, dunkle Haare. Er trug eine helle, verwaschene Jeans und eine Jacke ähnlich einer Jeansjacke. Er soll eine Taschenlampe, Flasche, oder einen kleinen Regenschirm (Knirps) in seiner Hand gehalten haben. Die Polizeiinspektion Ebersberg bittet um Hinweise unter Telefon (0 80 92) 82 68-0.

Carolin Nuscheler

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