Wegen Zugezogenen?

Eltern verzweifelt: Unglaublicher Kita-Notstand in der Region - Für Herbst fehlen über 100 Plätze 

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Auf dem Gelände an der Hardtkapellenstraße soll eine neue Kindertagesstätte gebaut werden. Vor Herbst 2020 wird sie jedoch wohl nicht eröffnen. 

Familien, die sich für kommenden Herbst in Weilheim für einen Kitaplatz beworben haben, könnten in diesen Tagen eine Email mit schlechten Nachrichten erhalten. 

Weilheim – Als Saskia Forstner im Januar diesen Jahres das Online-Bewerbungsformular für einen Kitaplatz abschickte, ging sie fest davon aus, für ihre einjährige Tochter eine Zusage für einen Betreuungsplatz ab Herbst zu erhalten. „Man musste eine Wunsch-Einrichtung und zwei Alternativen angeben“, sagt sie, „ich dachte, irgendwo wird es schon klappen.“

Umso erstaunter war die Weilheimerin, als sie jetzt eine Email mit einer Absage erhielt. „Der Status ihrer Vormerkung steht nun auf ,Abgelehnt’“, hieß es darin. Zwar sollte ihre Anfrage für einen Kita-Platz laut Email nun an die nächste als Alternative angegebene Einrichtung weitergeleitet werden. Doch auch diese Hoffnung zerschlug sich nach einem Anruf bei der Stadt Weilheim.

„Da sagte man mir, dass generell keine Plätze mehr frei sind – und die Anfragen deshalb momentan auch nicht weitergeleitet werden“, sagt Forstner. Eltern, die sich für kommenden Herbst für einen Platz beworben und keine Zusage erhalten hätten, müssten im schlimmsten Fall bis Januar 2020 warten.

Weilheimer Kitas verteilen Zu- und Absagen: Für Herbst fehlen über 100 Plätze

Wie Karin Hinzpeter-Gläser vom Kinder- und Jugendbüro der Stadt Weilheim erklärt, dürfte es so wohl einer ganzen Reihe von Weilheimer Eltern ergehen. „Momentan verteilen die Kitas die Zu- und Absagen. Für den Herbst fehlen über 100 Betreuungsplätze“, sagt sie.

Dass es mit dem vorhandenen Kontingent an Plätzen in den 23 Einrichtungen im Stadtgebiet eng werden würde, habe sich seit Beginn des Jahres an den immer weiter steigenden Anzahl an Online-Voranmeldungen abgezeichnet. Doch das Angebot so kurzfristig zu erhöhen, sei nicht möglich gewesen. „Wir arbeiten mit Hochdruck an einer Lösung“, sagt sie, „aber die Eltern müssen sich wohl noch ein bisschen in Geduld üben.“ Wer in diesen Tagen eine Absage erhält, werde baldmöglichst kontaktiert.

Betroffene Eltern: Einzelne Einrichtungen abzutelefonieren, macht wenig Sinn

Einfach abwarten und auf das Beste hoffen, will und kann Forstner nicht. „Ich muss ab Oktober wieder arbeiten. Das Elterngeld fällt dann weg“, sagt sie. Die Weilheimerin ist gelernte Zahnarzthelferin. Ihr Partner arbeitet als Kfz-Mechatroniker. „Es geht um unsere Existenz“, sagt sie.

Nach der Absage hat sie sich mit der Kindergarten in Wielenbach in Verbindung gesetzt. „Dort ist noch ein Krippenplatz frei. Aber ob der an ein Kind aus Weilheim vergeben wird, muss erst geklärt werden“, sagt sie.

Über Interimslösungen in Weilheim werde nun diskutiert, so Hinzpeter-Gläser. „Es werden vermutlich auch noch ein paar Einzelplätze frei. Im Moment die einzelnen Einrichtungen abzutelefonieren, bringt aber leider nichts“, sagt sie.

Planungen für Bau neuer Kitas laufen auf Hochtouren

Nach Angaben der Stadt Weilheim stehen aktuell rund 1000 Plätze zur Verfügung. Die Planungen für den Bau zweier neuer Kitas in Weilheims laufen auf Hochtouren. Das „Kinderhaus an der Ammer“ mit geplanten 74 Plätzen soll im Januar 2020 eröffnen. Die Eröffnung einer Einrichtung an der Hardtkapellenstraße ist für Herbst 2020 geplant.

Ob mit den beiden Neubauten der Bedarf gedeckt werden kann, ist allerdings fraglich. „Wir werden mit Neubürgern aus München geradezu überschwemmt. Auch aus anderen EU-Ländern gibt es enormen Zuzug“, so Hinzpeter-Gläser. Als weiteren Grund für den Anstieg der benötigten Plätze nennt sie den „Geburtenboom“ in den letzten Jahren.

Forstner würde sich eine andere Regelung bei der Vergabe wünschen. „Ich finde es schade, dass alteingesessene Weilheimer nicht bevorzugt behandelt werden“, sagt sie. Obwohl sie ursprünglich auf einen wohnortnahen Platz gehofft hatte, wäre sie jetzt auch mit der Zusage der Wielenbacher Krippe glücklich. „Ansonsten bin ich ab Herbst arbeitslos“, sagt sie.

nema

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