Kleinkrieg: Frisörin gegen Parksheriffs

Unterföhring - Am liebsten wäre es Brigitte Stuckenberger-Amann, wenn sie zeitlich unbegrenzt an der Münchner Straße, irgendwo zwischen Bahnhofstraße und Johanneskirchner Straße, parken dürfte.

Ihr Antrag auf eine entsprechende Ausnahmegenehmigung hat der Bauausschuss allerdings abgelehnt. Immerhin will er sich aber nun um eine Lösung für die Frisörin bemühen.

Wer länger als drei Stunden in diesem Bereich sein Auto abstellen will, muss umparken und seine Parkscheibe neu einstellen. Dass sie ihr Auto nicht in unmittelbarer Nähe zum Laden abstellen kann, ohne es dreimal am Tag woanders hinzustellen, schränkt die Arbeit der Frisörin erheblich ein, wie sie dem Gremium mitteilte. „Ich mache Hausbesuche, schneide Stammkunden, die aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr zu mir kommen können, die Haare. Wenn ich ewig zu meinem Auto laufen muss, schaffe ich das zeitlich nicht.“ Seit drei Jahren kämpft die Frisörin vergeblich um ein Parkrecht. Bis heute wurde ihr Wunsch abgelehnt, weil die Gemeinde einen Präzedenzfall fürchtet.

Das war auch diesmal der Tenor. Verständnis für das Argument, auch andere Ladenbesitzer könnten in der Folge ein Sonderrecht einfordern, hat die Frisörin aber nicht. „Das betrifft soweit ich weiß nur mich und meine Mitarbeiterin. Alle anderen können in Hinterhöfen parken.“ Bürgermeister Franz Schwarz (SPD) glaubt, mit einer Ausnahmeregelung ist Stuckenberger-Amann gar nicht geholfen. „Wenn sie unterwegs sind, nimmt ihnen sowieso jemand den Parkplatz weg.“ Die Frisörin sieht das anders, auch weil sich mittlerweile mit einer Bediensteten der kommunalen Verkehrsüberwachung ein regelrechter Kleinkrieg um korrektes Parken entwickelt hat. „Sie fotografiert die Ventilstellung, langt auf die Motorhaube, um festzustellen, ob der Wagen kürzlich bewegt wurde. Sie zeigt ihre Macht. 25 Euro Strafe pro Woche muss ich wöchentlich zahlen, das ist für mich eine Menge Geld.“

Gute 20 Jahre ist es her, da wurde beschlossen, in diesem Abschnitt nur ein zeitlich begrenztes Parken zuzulassen - auf Drängen der Geschäftsleute. Grund waren Passagiere des Münchener Flughafens, die kostenfrei dauerparkten. Für Stuckenberger-Amann ist der Beschluss überholt: „Es gibt bedeutend weniger Geschäfte dort heute“. Die Frisörin fühle sich in Stich gelassen, sagte sie dem Gremium. Auch die benachbarte Tiefgarage komme für sie als Alternative nicht in Frage: „Ich habe dort drinnen als Frau wirklich Angst.“ Immerhin scheint der Bauausschuss Handlungsbedarf erkannt zu haben. Schwarz versprach der Frisörin, sich erst um eine vorübergehende, dann um eine endgültige Lösung zu bemühen. Unter anderem soll die Meinung des Gewerbeverbands Unterföhring eingeholt werden.

Matthias Vogel

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