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So gelingt Hobbygärtnern der Kampf gegen die Dürre - Experte gibt Tipps

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Von: Josef Ametsbichler

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Gartenpfleger Roland Machate mit seiner Grabegabel.
Sattes Grün: Gartenpfleger Roland Machate mit seiner Grabegabel. Er rät zu mehr Naturnähe, um den heimischen Garten resistenter gegen den Klimawandel und lange Dürreperioden aufzustellen.  © PETER KEES

Verdorrter Rasen, Bäume früh in Herbstfarben: Trocken und heiß verlief der Sommer 2022 in den Ebersberger Gärten. Ein Experte gibt Tipps.

Ebersberg – Roland Machate geht vor einem Lavendelsträuchlein in die Hocke und beobachtet eine Hummel, die träge um die Blüten trudelt. „Auf lange Sicht“, sagt er, „wird der Rasen verlieren.“ Der 34-jährige Ebersberger pflegt naturnahe Gärten, hat sich in dieser Nische als Ein-Mann-Betrieb selbstständig gemacht. Im grünen Shirt und Gärtnerhose, Vollbart, die Haare zu einem kurzen Pferdeschwanz gebändigt, steht er gerade mitten in einem seiner Vorzeigeobjekte.

Trockenheit macht Gärten zu schaffen - Experte gibt Tipps

Im verwinkelten Garten von Jacqueline Piltz durchbricht nur das Rattern der in den Ebersberger Bahnhof einfahrenden S-Bahn sporadisch das grüne Idyll. Ein ausladender, schulterhoher Bambus, in dem die Vögel nisten, bildet mit sattem Blätterdickicht den Dreh- und Angelpunkt. Er duckt sich zwischen ausladendem Sommerflieder und Liguster, etwas zurückhaltenderer Blauraute und zig kleinen, vogel- und insektenfreundlichen Sträuchern und Blühern, umfasst vom efeubewachsenen, ganzjährig grünen Gartenzaun.

Die Trockenheit macht diesem klassischen Gartenrasen in Steinhöring zu schaffen.
Die Trockenheit macht diesem klassischen Gartenrasen in Steinhöring zu schaffen - zur Zeit leider ein häufiges Bild. © PETER KEES

Der Streifen manikürten, grünen Rasens, den nur Inseln von Gänseblümchen durchbrechen dürfen, um die Jacqueline Piltz dann herummäht, gerät bei so viel Blatt- und Blüten-Opulenz fast zum Nebendarsteller. Er ist auch der einzige Punkt, bei dem Gartenpfleger Machate und seine Stammkundin geteilter Ansicht sind. Machate ist ein Verfechter von Blühwiesen, Piltz liebt das gepflegte Grün.

Und nimmt in Kauf, dass sie regelmäßig gießen muss, mehr als ihre drei Regentonnen hergeben. Beider Begeisterung für das Gesamtkunstwerk trübt diese kleine Meinungsverschiedenheit nicht.

Eine dürreresistente Blühwiese.
Eine Blühwiese, die Roland Machate für einen seiner Kunden angelegt hat: dürreresistent.  © Machate/privat

Im heißen, trockenen Sommer 2022 ist Piltz’ Garten eine Oase, kaum so groß wie der Strafraum eines Fußballfelds. In der Region dominieren Bäume, die schon im August herbsteln, ockergelb verbrannten Rasenflächen und Blumenrabatten, die die Köpfe hängen lassen – falls ihre Besitzer den Kampf nicht schon aufgegeben haben.

Die Wissenschaft, da gibt es längst keine zwei Meinungen mehr, geht davon aus, dass uns auch im Landkreis Ebersberg immer mehr von diesen Sommern blühen dürften. Es wird immer wärmer. Es wird immer trockener.

Dürre im Sommer: Klassischer Hintergarten ist dieser Zukunft nicht gewachsen

Jacqueline Piltz im Garten.
„Wenn man ein Gartenmensch ist, gibt der Garten Kraft“, sagt Jacqueline Piltz (55), hier in ihrem grünen Idyll. © PETER KEES

Der klassische Hintergarten, wie ihn ein Kind malen würde – Rasen, eingerahmt von Blumenrabatten, ein paar Sträucher und dann die Hecke – ist dieser Zukunft nicht gewachsen. Davon ist Machate überzeugt, der vor seiner Selbstständigkeit Landschaftsarchitektur studiert und unter anderem in den Niederlanden gearbeitet hat. Vor allem, wenn einem die Pflanzen und damit die Arbeit nicht über den Kopf wachsen sollen. „Man darf nicht Sklave seines Gartens sein“, sagt der 34-Jährige.

Statt des perfekt manikürten Golfplatz-Rasens macht er Mut zur Blumen- und Kräuter-Wiese, aus hochwertigem Saatgut, damit nicht schon nach einem Jahr das Gras wieder durchwuchert: „Viel schöner und entspannter!“ Das Wort Unkraut kann der Gartenpfleger nicht mehr hören, spricht lieber von Beikräutern. „Wir müssen weg von diesem Gedanken: Ich gegen das Unkraut!“, sagt er.

Rat für Hobbygärtner: Eigenen Garten durchdenken, statt einfach drauflospflanzen

Laveldenblüten.
Klein, schmuck, duftend: Lavendelblüten. © PETER KEES

Bessere Verschattung, und abwechslungsreicheres Wurzelwerk machten Wiesen widerstandsfähig gegen dürre Zeiten. Rasen brauche je nach Boden bis zu 20 Liter Wasser pro Quadratmeter, eigentlich alle drei Tage. „Auf Dauer nicht machbar“, sagt Machate. Und wenn schon, dann helfe gegen Dürre, das Gras höher stehen zu lassen.

Er rät Hobbygärtnern, die ohne Hilfe vom Profi auskommen wollen, den eigenen Garten gut zu durchdenken und auf die Nutzungsansprüche abzustimmen, statt einfach draufloszupflanzen. Mehrjährige, heimische Pflanzenarten seien weniger arbeitsintensiv als einjährige ortsfremde. Wobei der Garten-Profi auch erwartet, dass immer mehr mediterrane Gewächse wei etwa Schwertlilien in den örtlichen Gärten Einzug halten, da sie den sich ändernden Bedingungen besser gewachsen seien.

Sommerflieder als großer Gewinner des Klimawandels

Ein blühender Sommerflieder.
Violett blüht der Sommerflieder. © PETER KEES

Bislang beliebte, aber zu durstige Flachwurzler wie die Hortensie oder der Japanische Ahorn dagegen würden es schwer haben. Und: „Die Thujenhecken werden bald aus dem Gartenbild verschwinden“, prognostiziert er und schaut auf einen lila blühenden Strauch. „Der Sommerflieder wird einer der großen Gewinner vom Klimawandel sein.“

Eine Mulchschicht aus langsam verrottenden Bio-Hackschnitzeln halte lang die Feuchtigkeit im Beet und hege auch das Unkraut, pardon, die Beikräuter ein, rät der Gartenpfleger. Kleinteiligkeit statt großer Flächen beuge dank Schattenwurf und Windschutz Austrocknung vor – wie bei Jacqueline Pilz in Ebersberg. Machate, der seine Firma „Rolands naturnahe Gartenpflege“ genannt hat, sagt: „Ein Garten kann naturfreundlich und gepflegt sein.“

Ein pauschaler Feind von Grau im Garten ist der Profi übrigens nicht. „Steingärten und Schottergärten muss man klar voneinander trennen“, betont er. Während letztere untervlieste Wüsteneien seien, könnten erstere Raum für in den Alpen heimische Pflanzenarten bieten, für Sukkulenten und Dickblattgewächse wie die Fetthenne, Kräuter wie Thymian und Lavendel und ein Platz für Eidechsen sein.

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