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Nach Zugunglück: Nächste Strecke nahe München gesperrt - Pendler und Urlauber rotieren wegen SEV-Chaos

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Von: Christiane Mühlbauer

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Im Loisachtal fährt seit Tagen kein Zug mehr. Die Deutsche Bahn kann nicht sagen, wann die Inspektionsarbeiten beendet sind. Es gibt große Probleme mit dem Schienenersatzverkehr. Unser Archivfoto entstand in Bichl.
Im Loisachtal fährt seit Tagen kein Zug mehr. Die Deutsche Bahn kann nicht sagen, wann die Inspektionsarbeiten beendet sind. Es gibt große Probleme mit dem Schienenersatzverkehr. Unser Archivfoto entstand in Bichl.  © Pröhl

Seit Tagen ist die Strecke der Kochelseebahn gesperrt, und ein Ende ist nicht absehbar. Die Auswirkungen für Pendler und Touristen sind enorm.

Kochel am See – Seit vergangener Woche fährt kein Zug mehr zwischen Kochel und Seeshaupt. Pendler hat es kalt erwischt. Einer von ihnen ist Paul Grünwald, der in München arbeitet. Er stieg in Benediktbeuern zu und musste in Bichl wieder aussteigen. „Dort wurde ich aufgefordert, in den Gegenzug zu steigen, nach Kochel zu fahren, dort den Bus nach Murnau zu nehmen und dann dort in den Zug nach München zu steigen“, berichtet er. Das hat er natürlich nicht gemacht – sondern setzte sich ins Auto.

Kochelseebahn: Strecke gesperrt - „Das Ganze ist Wahnsinn“

Grünwald gehört zu jenen, die eigentlich wegen dem 9-Euro-Ticket auf die Bahn umsteigen wollten. Der Schienenersatzverkehr (SEV) nach Seeshaupt sei völlig unzureichend, kritisiert Grünwald. Mittlerweile fährt der Bichler mit dem Auto nach Tölz, um dort in die BRB zu steigen. „Trotzdem, das Ganze ist Wahnsinn“, sagt er. Er kennt Schilderungen von Benediktbeurern, die fünf Stunden nach Hause brauchten. „Wegen mangelnder Informationen war es für sie eine Odyssee.“

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Strecke der Kochelseebahn gesperrt: Schienenersatzverkehr klappt nicht

Klaus Barthel hat Ähnliches erlebt. Der Kochler saß am Dienstagnachmittag auf dem Rückweg von München in Seeshaupt fest. „Für 20, 25 Personen gab es als SEV nur zwei Großraumtaxis“, berichtet er. „Zuerst wurden die Penzberger gefahren, weil das am Schnellsten geht.“ Allerdings gebe es in Penzberg immer Stau wegen der vielen Straßenbaustellen. „Gott sei Dank“, sagt Barthel, „waren keine Reisenden mit viel Gepäck oder Kinderwagen dabei, das hätte nirgends reingepasst.“ Einer Frau mit Fahrrad hätte man nicht helfen können.

SEV Kochelseebahn: Kein Platz für Schulklassen

An der Tourist-Info (TI) in Benediktbeuern standen am Samstagvormittag zwei Schulklassen, deren Freizeitaufenthalt im Kloster beendet war, und die aus Platzgründen nicht vom SEV mitgenommen werden konnten. „Wir konnten ihnen leider nicht helfen“, berichtet TI-Leiterin Sabine Rauscher. Zudem sei unklar, wo der SEV überhaupt halte – am Bahnhof oder wie üblich an der Bushaltestelle an der B 11.

Einrichtungen im Kloster Benediktbeuern massiv betroffen

Die Einrichtungen im Kloster Benediktbeuern, vor allem Aktionszentrum und Jugendherberge, seien „massiv“ von der Sperrung betroffen, berichtet Katrin Birk von der Pressestelle des Klosters. „Schulklassen kommen nicht an wie geplant, die Programme müssen kurzfristig geändert werden.“ Die Züge brauche man ja auch, um mit den Gruppen die vereinbarten Ausflüge zu machen. „Wir wurden völlig unvorbereitet von der Sperrung getroffen“, kritisiert Birk. Busse könne man kurzfristig nicht anfordern: „Die Unternehmen sind entweder ausgebucht oder haben zu wenig Fahrer.“

Kochelseebahn-Strecke gesperrt: Das sagt die Deutsche Bahn

Eine Presseanfrage des Tölzer Kurier beantwortet die Deutsche Bahn (DB) dürftig. „Eine genaue Prognose, wann die gesperrte Strecke wieder befahren werden kann, ist aktuell leider nicht möglich“, sagt eine Sprecherin. Es finden Inspektions- und Instandhaltungsarbeiten statt. Man biete einen Ersatzverkehr an.

„Pro Bahn“-Vertreter: „Der Wartungsrückstand bei der Bahn ist enorm“

Der Sanierungsarbeiten stehen aller Wahrscheinlichkeit nach in Zusammenhang mit dem schweren Zugunglück in Garmisch-Partenkirchen. Die DB tauscht vielfach Schwellen aus, die eventuell zu dem Unglück geführt haben könnten. Angesprochen auf die allgemeine Lage, sagt Bernhard Schülein: „Der Wartungsrückstand bei der Bahn ist enorm.“ Der Schlehdorfer ist Fachjournalist für Bahn-Themen und engagiert sich im Fahrgastverband „Pro Bahn“. Das Problem sei, dass man die Bahn in Deutschland jahrzehntelang vernachlässigt habe. „Der Konzern wurde außerdem zersplittert und umorganisiert, alles wurde zurückgebaut.“ Darunter würden auch die Mitarbeiter leiden. „Diese alten Sünden kann man nicht schnell beheben.“ Selbst wenn jetzt jemand zugunsten der Kochelseebahn erfolgreich ein Machtwort sprechen würde, „ginge das nur um den Preis, dass das an anderer Stelle in Oberbayern Arbeiten zurück gestellt werden müssten mangels personeller und materieller Kapazitäten“.

Bahn-Chaos im Oberland: Demonstration am Samstag in Weilheim

Das „Aktionsbündnis Werdenfelsbahn“ lädt am Samstag, 23. Juli, zu einer Demo in Weilheim an. Die Teilnehmer treffen sich um 10 Uhr am Bahnhof und ziehen zum Marienplatz. Das Bündnis ist ein landkreis- und länderübergreifender Zusammenschluss von Grünen-Kreisverbänden aus der Region und Tirol. Unterstützt werden sie von „Pro Bahn“. Gefordert wird unter anderem ein zweigleisiger Ausbau für einen zuverlässigen Halbstundentakt.

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