#WhyDoWeNeedaKing

Dekadenz im großen Stil: Beschädigt der „Thai-Kini“ Bayerns Ansehen im Ausland?

Rama X., König von Thailand und seit Jahren vorrangig in Oberbayern ansässig, ist bei seinem Volk äußerst unbeliebt. Auch das Ansehen Bayerns leidet unter dem „Thai-Kini“.

  • Rama X., König Thailands, residiert immer wieder in Oberbayern.
  • Auf Staatskosten lebt er dort auf großem Fuße - und wird immer unbeliebter.
  • Vor allem die jungen Thailänder rebellieren jetzt - auch Bayern kommt dabei nicht gut weg.

Tutzing - Eigentlich liebt unsere Gesellschaft ja rebellische Monarchenkinder. Prinzen und Prinzessinnen, die auf die Etikette pfeifen und sich, wie beispielsweise Prinz Harry, betrunken beim Feiern ablichten lassen, genießen teils Kultstatus - vielleicht, weil sie zeigen, dass auch Blaublüter nur normale Menschen sind, mit allen Fehlern und Facetten, die auch abseits von Thron und Hofetikette Bestandteil der Realität sind.

Rama X., König von Thailand, der mit vollem Namen Maha Vajiralongkorn Bodindradebayavarangkun heißt und seit Jahren oft in Oberbayern weilt, ist beim Thema „Auf die Standards pfeifen“ allerdings weit übers Ziel hinausgeschossen. Genau das wird dem 68-Jährigen, der eine Villa am Starnberger See besitzt, zu Corona-Zeiten aber meist in einem Hotel im Landkreis Garmisch-Partenkirchen weilt, nun immer mehr zum Verhängnis. Der König zieht den Unmut seines Volkes auf sich - und damit auch auf Bayern.

Der thailändische König Maha und seine langjährige Freundin Sineenat, die mittlerweile seine Zweit-Frau ist.

Proteste gegen König von Thailand: Ansehen des Freistaats Bayern leidet ebenfalls

Zugegeben - an die Beliebtheit seines, von den Thailändern verehrten Vaters Bhumibol konnte der „Thai-Kini“ nie anknüpfen. Zu exzentrisch ist sein Lebensstil, zu dekadent seine Verschwendungssucht. Mehrfach geschieden und mit teils deutlich jüngeren Frauen wiederverheiratet, was für viele Thailänder bereits einen Affront bedeutet, macht es sich Rama X. in Bayern auf Staatskosten schön.

Ein Spaßrundflug mit einer Boing 737, ein Daimler der Edelmarke Maybach und nicht zu vergessen das komplette Hotel, das der König und seine Gefolgschaft seit Monaten in Beschlag nehmen. Das alles hat seinen - sicher stolzen - Preis und den zahlt der „Thai-Kini“ mit den Steuergeldern seiner, ihn selten bis nie zu Gesicht bekommenden, Untertanen. Allein die Fluggeräte, die der König sein Eigen nennt, kosten Thailand rund 1,5 Milliarden Euro - während die Bevölkerung Thailands immer ärmer wird und das Land in eine große Krise schlittert.

Proteste gegen den „Thai-Kini“: Rama X. lässt Volk im Stich - und verschwendet dessen Geld in Oberbayern

Nun aber regen sich Proteste in Thailand. Vor allem junge Menschen formieren sich im Widerstand gegen die Monarchie und die Militärregierung. Im Internet machen sie Unmut unter dem Hashtag „#WhyDoWeNeedaKing“ („Warum brauchen wir einen König“) Luft. Sie demonstrieren für Demokratie und Meinungsfreiheit und gegen einen Staat, der für „Majestätsbeleidigung“ noch immer Haftstrafen von bis zu 15 Jahren vorsieht.

Solche Regeln halten die jungen Protestler freilich nicht davon ab, den König bei ihren Demonstrationen mit dem Fantasy-Bösewicht ihrer Kindheit zu betiteln; sie nennen ihn „Er, dessen Name nicht genannt werden darf“, in Anlehnung an Lord Voldemort aus den Harry-Potter-Romanen und recken bei ihren Protesten drei Finger in die Luft - ebenso wie es die jungen Rebellen aus der Science-Fiction-Reihe „Die Tribute von Panem“ im Kampf gegen die quälerische Obrigkeit tun. Auf den Straßen Thailands versammeln sich Hunderttausende und halten die Bilder des Königs und seiner oberbayerischen „Heimat“ in die Höhe. Bayern - für viele junge Thailänder beinahe ein Schimpfwort.

Ein pro-demokratischer Demonstrant erhebt während einer Demonstration im Sanam-Luang-Park drei Finger als Symbol des Widerstands.

Betrug auch in Bayern: Thailand-König nimmt sich Sonderregeln raus - und kommt damit durch

In Bayern selbst ist man mit Kritik am „Thai-Kini“ deutlich vorsichtiger - schließlich lässt der König bei seinen Eskapaden auch den ein oder anderen Euro am Ufer des Starnberger Sees und am Rande der Alpen zurück. Dass er den Freistaat mit einem listigen Trick womöglich seit Jahren um Millionen von Steuern betrügt - das wird dabei schnell zur Nebensache. Kritik an Rama X. ist auch in Deutschland eher selten - das sei die Sache des Auswärtigen Amts und des Landeskriminalamts, wie eine Recherche der Augsburger Allgemeinen ergab. Mehr erfährt man dazu nicht - auch nicht nach Anfrage an das Landratsamt des unter anderem betroffenen oberbayerischen Landkreises Garmisch-Partenkirchen.

Proteste in Thailand: „Thai-Kini“ Rama X. reagiert nicht auf Rebellen - Außenminister Maas reagiert ausweichend

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD).

Außenminister Heiko Maas (SPD) musste sich nun wegen des Thailand-Königs ebenfalls Kritik anhören. Der Grünen-Abgeordnete Frithjof Schmidt stellte im Bundestag die Frage, wie es sein könne, dass man einem ausländischen Staatsoberhaupt, der sein Volk so sehr vernachlässige und belaste, das Regieren von deutschem Boden aus gestatte. Maas antwortete eher ausweichend.

Es gebe viele skurrile Berichte, so der Außenminister, grundsätzlich sei man aber daran interessiert, gerade im Angesichts der Proteste in Thailand, ein solches Verhalten, wie das von Rama X. zu unterbinden. Ob dies wirklich der Fall ist, werden die kommenden Monate zeigen. In Thailand selbst werden die Proteste immer lauter. Vielleicht ist es auch eine Schutzreaktion des Königs, da lieber in Bayern zu bleiben und seinen Sohn und Erbprinzen in seiner Starnberger Villa vor dem Zorn des Volkes in Sicherheit zu wissen. (kah)

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